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Leben im Wohnheim: Nein, danke!

Von 2015 bis 2018 lebte unsere Autorin in Wohnheimen des Studierendenwerks Rostock-Wismar. Ganz ohne Spuren ging das nicht an ihr vorbei. Was sie überhaupt dazu bewegte ins Wohnheim zu ziehen und welche Eindrücke das bei ihr hinterließ, verrät sie uns hier.

In Folge der Zukunftsplanung und der Frage, wohin es nach dem Bachelor geht, kam es auch zur Frage, ob WG, Wohnheim (falls ein Master in Angriff genommen werden würde) oder alleine wohnen. Während alle voller Begeisterung für eine WG und/ oder das Wohnheim stimmten, fühlte ich mich wie ein Sonderling. Ich bekam sogar das Gefühl, dass meine Haltung nahezu unerwünscht, da Euphorie-bremsend, war.  Denn eins steht für mich fest: Wohnheim oder WG?  Nein, danke.

Sicherlich werden jetzt einige Stimmen laut, die voller Empörung rufen: Ja, aber das ist ja immer abhängig von Person zu Person und von WG zu WG und von Mondphase zu Mondphase und und und. Natürlich ist es das, ich kann dem nichts entgegensetzen. Meine engstirnig wirkende Antwort kommt aber nicht von ungefähr, sie beruht auf meiner persönlichen Erfahrung.

Hätte ich mir vielleicht vorher denken können, dass ein Leben im Wohnheim nicht das geeignetste für mich ist? Gelegentlich komme ich der Existenz eines Einsiedlerkrebses sehr gerne nach, nichts desto trotz habe ich auch meine sehr sozialen Momente und ich denke, damit stehe ich nicht alleine da. Also meine Antwort? Nein, ich hätte es mir nicht vorher denken können! Bereue ich es im Endeffekt, knappe drei Jahre im Wohnheim verbracht zu haben? Absolut nicht, denn bis heute sind es teilweise meine Lieblingsgeschichten, mit denen ich meine Freunde in gemütlichen Bierrunden immer wieder nerve! Und ganz klar hat das Leben im Wohnheim auch seine Vorteile. Dennoch kommt es vielen Erwartungen oder Wünschen, die man vorher hat, aber einfach nicht nach.

Vorteile des Wohnheims

Ganz klar hat das Wohnheimsleben seine schönen Seiten, eines der für mich unschlagbarsten Argumente: Strom und Wasser.
Natürlich sollten wir mit diesen Ressourcen umweltbewusst umgehen. Aber eins steht fest: Es geht nichts über eine lange, warme und noch längere Dusche. Und wenn es zumindest kostentechnisch total egal ist, wie viel du verbrauchst, dann kann so eine Dusche auch mal länger als sonst dauern.

Damit wären wir auch schon bei dem nächsten angenehmen Punkt: die Miete. Wie schon erwähnt ist es egal, wie viel Strom und Wasser drauf gehen, denn alles ist im Mietpreis enthalten. Noch dazu sind die Zimmer in der Regel schon möbliert. Also gibt es keinen Ikea-Stress vorab, mal abgesehen davon, dass in die Zimmer eh nicht so viel reinpasst. Und das alles für unter 300€ im Monat, zumindest für die Zimmer in der Möllner Straße (Ja, in Lichtenhagen kann man leben) und in der Albert-Einstein-Straße.

Kommen wir zum nächsten Pluspunkt: Wenn man Naturwissenschaften studiert und in der Südstadt ein Zimmer abgegriffen hat, dann kommt man einem erfüllten Studierendenleben sehr nah. Als Biologiestudent*In braucht man keine fünf Minuten, um zur Vorlesung zu kommen. Das ist Luxus pur. Ich bin immer gefühlt aus dem Bett in die Uni gefallen, ganz ohne Stress.

Natürlich ist es unschlagbar, wenn deine Freunde auf der gleichen Ecke wohnen. Äußerst spontanen Kochsessions, Übernachtungspartys und Netflix-Marathons steht nichts im Wege.

Aber ganz so rosig und erfüllend war das Leben im Wohnheim für mich trotzdem nicht.

Wunschdenken

Ich entschied mich für ein Wohnheim, weil ich dachte, so neue Leute schnell kennenzulernen. WG-Anzeigen schreckten mich meist ab: Ich hatte das Gefühl, dass bei den meisten die Voraussetzung war, meine gesamte Freizeit für das WG-Leben verplanen zu müssen. (Jedes Wochenende bitte Spieleabend, jeden zweiten Abend gemeinsam kochen, Musikgeschmack sollte schon generell der WG entsprechen etc.)

Wo sollte ich schneller in Kontakt mit Menschen kommen, ohne mich diesen gefühlt auf Lebenszeit zu verpflichten, als im Wohnheim? So gedacht, so entschieden, so geirrt. Mein erstes Zimmer bekam ich im Lichtenhagener Wohnheim, auf der Flurseite mit Gemeinschaftsküche für alle Zimmer. Lief richtig gut. Nicht.

Meine Mitbewohnerin bekam ich zu Beginn kaum zu Gesicht, obwohl wir uns ein Bad teilten und unsere Zimmer NEBENEINANDER lagen. Okay, am Ende wurde es wahre Liebe, denn wie wir mit der Zeit feststellten, gab es doch viele Schnittpunkte und diese Freundschaft ist eine der wichtigsten für mich. Aber das ist nicht immer die Regel. (Das merkte ich im AE-Wohnheim.)

Die Küche war meistens leer, wies aber klare, klebrige und schimmelige Beweise der Nutzung auf. Am besten funktionierte natürlich der Ordnungsplan, nach dem jedes Zimmer einen Tag hatte, an dem der Küchenmüll weggebracht werden sollte – die Ironie konntet ihr hoffentlich lesen.  Gelegentlich sah ich einen Schatten aus der Küche in sein gegenüberliegendes Zimmer schnellen: das Phantom. Warum wir ihn so tauften? Weil wir ein Jahr lang nur seinen Rücken, nie sein Gesicht sahen und manchmal an seiner Existenz zweifelten, bis er doch wieder auftauchte.

Die Leute, die zu meiner Wohnheimsgang wurden, lernte ich im Studium kennen und wir stellten immer zufällig fest, dass wir im gleichen Wohnheim lebten. Abgeschieden von der Zivilisation – Ironie is coming – stärkte das unser Gemeinschaftsgefühl.

Eine große Besonderheit der Möllner Straße verdient es an dieser Stelle hervorgehoben zu werden – ihre Facebookgruppe: Wir Kinder vom Wohnheim Möllner Straße. Immerhin werden mit dieser Events zum Kennenlernen organisiert. Und für einige funktioniert das auch wirklich gut! Ich weiß nicht, ob so eine Gruppe für ein anderes Wohnheim existiert.

Wen dieser Gruppenname an einen gewissen Buchtitel erinnert, liegt damit ganz richtig. Und so kam ich mir im Möllner-Wohnheim gelegentlich auch vor. Bestimmte Exemplare fanden es lustig jede zweite Nacht diverse Feste im Außenbereich zu feiern, auch bei eisigen Winternächten, in denen mit Kuchen, Eiern, Mehl und anderen Lebensmitteln geworfen wurde. Wer glaubt, dass die Verwüstungsreste anschließend beseitigt wurden, der irrt. Es gab Tage an denen man Gummihandschuhe anziehen wollte, um die mit Eiern beworfene Tür zu öffnen.

Gerüchten nach sollen die Zimmer zur hinteren Seite des Wohnheims ruhiger sein. Nahezu idyllisch. Meins ging aber zur Partyseite raus. Ich kann mich an keine Woche erinnern, in der ich mal wirklich durchgeschlafen habe. Großartig verbessert mit dem Lärmpegel hat sich das auch auf der AE-Straße nicht, es gab eine ähnliche Seite für mich. Und wer mir jetzt mit diesem Satz „Na wer ins Wohnheim zieht, kann das ja auch nicht erwarten. „ kommt, verdient eigentlich ’ne Schelle. (Eigentlich! Wir sind ganz klar GEGEN Gewalt!)

In ein Wohnheim ziehen, ist für viele eine finanzielle Frage. Und wenn man aus einem Umfeld kommt, in dem auf das Miteinander geachtet wurde, kann das Wohnheim durchaus einen Schock auslösen. Dafür, dass eigentlich alle wissen sollten, wie sich Prüfungsphasen und Praktika anfühlen, ist es erstaunlich, wie viel Egoismus man doch begegnet. Noch amüsanter, wenn diese Personen über das fehlerhafte Verhalten anderer Empörung ausdrücken, obwohl sie ganz genau die gleiche Musik auf Lautstärke 50 die Nacht davor liefen ließen. Blöd, dass eben morgen ihre eigene Prüfung vor der Tür steht.

Was möchte ich hiermit eigentlich bezwecken? Einerseits wollte ich einfach mal ein bisschen Dampf ablassen, andererseits mit meinen Erfahrungen bei der Entscheidungsfindung helfen. Ganz klar hatte ich eine geniale Zeit im Wohnheim – irgendwie. Aber wenn ihr sowieso schon keine Lust darauf habt, dann lasst euch auch nichts einreden. Nochmal Wohnheim muss ich nicht haben und daher kann ich nur sagen: lasst es und sucht euch eine WG, wenn ihr nicht alleine wohnen könnt.

Decken sich eure Erfahrungen mit den hier genannten oder könnt ihr das Zähneknirschen nicht nachvollziehen? Hinterlasst doch einfach eure Eindrücke in einem Kommentar.

1 Comment

  • Sophia
    Sophia

    Hey ihr, ich kann die Autorin voll und ganz verstehen. Ich hab auch im Wohnheim in der Max-Planck gewohnt und es war einfach sehr sehr traurig. Es war unfassbar kühl, schmutzig… aus meiner WG hat es niemand für nötig gehalten, mal den Müll zu entfernen. Ich hatte fremde Haare in meiner Zahnbürste, einen riesigen Fleck auf der Matratze (die eigentlich ausgetauscht werden sollte, aber nie wurde). Fremde haben im Waschsalon einfach meine Unterwäsche angefasst und offen zur Schau gestellt ( ich war ungelogen 2min später unten, als die Maschine fertig war!!) und meine Klamotten haben immer nach Wohnheim gerochen (dieser Geruch wie im Orient). Auch mit dem Tutor hatte ich beim Ein- und Auszug Probleme. Beim Einzug stand ich mit all meinen Sachen vor der Tür. Er kam nicht. Ich musste ihn 3x anrufen bis er endlich ans Telefon gegangen ist und meinte, er hätte mich vergessen. 2h habe ich gewartet. Das ganze kann ja mal passieren, sag ich ja nichts gegen. Aber die selbe Situation gab es dann beim Auszug… ich bin einfach mehr als froh, da endlich raus zu sein.

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