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Sie sind unter uns: ein Interview mit einer HMTlerin

Clara E. Dähne (20) ist Studentin an der Universität Rostock und der HMT. Als Lehramtsstudentin für Englisch und Musik muss sie öfter in zwei verschiedene Welten eintauchen, die der Uni und die der HMT. Für uns nahm Clara sich Zeit, Fragen über das Leben als HMT-Studentin zu beantworten.

StudentsStudents: Clara, du bist bereits im fünften Semester deines Studiums. Dass du an der Hochschule für Musik  und Theater studierst, legt nahe, dass du künstlerisch unterwegs bist. Konnte das Studium deinen musischen Erwartungen denn bis jetzt gerecht werden und bist du froh darüber, in Rostock zu studieren?  

Ich muss erhlich sagen, dass ich nicht mehr weiß, was für Erwartungen ich hatte, ob ich überhaupt welche hatte. Aber ich wollte von vornherein nur an die HMT! Es gibt nämlich deutschlandweit keinen vergleichbaren Studiengang: Pop- und Weltmusik mit Klassik. Mein eigentlicher Plan war, es auch auf Bachelor zu studieren.
Ich war nach einem Schnupperbesuch, zu einem Vorbereitungskurs für Musiktheorie, einfach schon so begeistert von der HMT. Allein das Gebäude, die Verbindung aus einem alten Kloster und neuen, modernen Erweiterungen, hat mich fasziniert. Viele bezeichnen es ja auch als ein kleines Hogwarts. Man fühlt sich in diesen Gemäuern einfach schon zuhause.         
Ich habe mich auch in Leipzig beworben und sogar die Gebühren für die Aufnahmeprüfung gezahlt. Aber ich wusste, ich wäre enttäuscht, wenn ich nicht in Rostock angenommen werden würde. Ich hätte dann in Leipzig einfach nur ein weiteres Jahr gewartet und es wieder probiert. Deswegen bin ich nicht mal zur Aufnahmeprüfung nach Leipzig gefahren.

Clara’s Auftritt bei einem der HMT-Konzerte

Warum studierst du denn dann jetzt Lehramt?

Ja, das ist eigentlich zufällig. Als ich mich im Portal einschreiben wollte, wurde angezeigt, dass man sich bitte nicht auf diesen Studiengang bewerben soll. Ich dachte, dass der vermutlich schon voll ist, aber da ich ja unbedingt an die HMT wollte, habe ich mich dann für das Lehramt beworben. Und zum Glück wurde ich genommen, sonst hätte ich einfach ein Jahr an der Kasse im Kaufland zum überbrücken gearbeitet.    

Ich habe mich im Nachhinein erkundigt, warum eine Bewerbung für den Bachelor nicht möglich war und mir wurde darauf geantwortet, dass es sich dabei wohl leider nur um einen Systemfehler handelte. Aber ich bereue nicht, dass ich jetzt Lehramt studiere.

Wie sieht denn so ein Tag an der HMT aus, wie viel Zeit verbringst in der Hochschule?

Das ist komplett unterschiedlich. Der Mittwoch ist zum Beispiel immer komplett voll. Ich fange dann 9.15 Uhr mit der ersten Veranstaltung an und bin bis 19 oder 20 Uhr in der HMT, entweder für den Unterricht oder weil ich üben muss. Gerade wegen des Übens verbringt man sehr viel Zeit in der HMT.

Und was sind das dann für Kurse, die du an der HMT so belegst?  Wie sieht so ein normaler HMT-Tag aus?         

Hier gibt es keinen normalen Tag, jeder ist anders. Aber ich kann ja mal die  Kurse vom Mittwoch nennen: Ich beginne mit Pop-Jazz-Theorie, danach habe ich Vokalensemble und am Ende Popgesang. Dazwischen gibt es immer kleine Pausen zum Essen. Nach dem Abendbrot schließlich das panische Bewältigen der Hausaufgaben für den nächsten Tag, für den Impro-Workshop. Die muss man machen, da unsere Dozentin sehr direkt und streng ist. Sie ist super, aber sie hat eben auch hohe Erwartungen.

Ansonsten verbringt man gerne auch Zeit im Lesesaal der HMT oder in den Übungsräumen, für die man sich im Foyer eintragen kann.

Lernatmosphäre: Hogwarts

Und wie ist euer Unterricht gestaltet?

Wir haben viel Einzelunterricht, das ist bei mir zum Beispiel in meinem Hauptfach Popgesang und meinen Pflichtbeifächern Klassischer Gesang, Klavier und für die Schupra. Also schulpraktisches Klavierspiel, da werde ich in akkordbegleitendem Klavierspiel unterrichtet. Fächer wie Musiktheorie und Chorleitung und Übungen für diese Fächer finden meist in Fünfer- oder Zehnergruppen statt. Musikwissenschaft und Musikpädagogik finden ähnlich wie an der Uni statt, da sind wir dann in der Regel 15 – 25, maximal 30 Leute, aber 30 ist sehr selten.

Du bist auch am Wochenende häufig in der HMT, wie kommt das?

Am Wochenende finden die meisten Proben statt. In der Woche ist es schwierig, alle Leute zusammen zukriegen, weil jeder einen vollen Stundenplan hat. Und wenn zum Beispiel unser Außergewöhnliches Schulmusiker Konzert einmal im Jahr ansteht, wird an den Wochenenden dafür geübt, oder es finden Bandproben oder gemeinsames Üben für Prüfungen statt. Gelegentlich wird auch Unterricht am Wochenende nachgeholt, aber das ist selten.

Gibt es eigentlich ein Fach, das du besonders liebst?

Was ich am meisten liebe, sind die Projekte mit Bands. Ich liebe Bandarbeit. Deswegen ist das Vokalensemble sehr cool, auch die Proben. Das gemeinsame Einstudieren von musikalischen Projekten macht mir enorm viel Spaß.      
Chorleitung kann auch Spaß machen, ich halte dieses Fach für sehr sinnvoll, auch wenn der Unterricht manchmal nicht so toll ist.

Was magst du denn besonders am Musikstudium der HMT, findest du, dass es sehr anders im Vergleich zum Unialltag ist?

Dass es praktisch und abwechslungsreich ist. An der Uni merke ich immer wieder, dass mir so ein reines universitäres Studium viel zu trocken wäre.         
Außerdem schätze ich den persönlichen Bezug, den wir zu unseren Dozierenden aufgrund des Einzelunterrichts haben, sehr. Und dieses Persönliche ist einfach extrem wichtig für Musik. Dieser Praxisbezug und das Sich-kennen, auch Dozierende und Studierende, ist der größte Unterschied zum universitären Alltag. Mit vielen Dozierenden duzen wir uns auch, das ist an der Uni eher unwahrscheinlich.

Und wie ist das Miteinander unter den Studierenden der HMT? Gibt es da etwas, das dich stört oder das du besonders wertschätzt?

Die HMT ist wie ein eigenes Universum, viele kommen sogar nur zum Mittagessen in die HMT, weil man sich so gut kennt. Und viele könnten hier auch einziehen, so viel Zeit, wie sie in der HMT verbringen. Es ist alles sehr familiär, das kann Vor– und Nachteile haben. Manchmal ist es einfach anstrengend, so viele zu kennen. Aber es ist auch sehr beruhigend.

Nach dem vierten Semester hatte ich einen kleinen emotionalen Ausraster. Ich hatte das Gefühl, in einer HMT-Blase zu leben. Das ist am Anfang unglaublich schön, man lernt schnell viele Leute kennen und findet leicht Anschluss. Aber der Klatsch und Tratsch kann sich auch wesentlich schneller verbreiten und irgendwie weiß dann gefühlt doch jeder von jedem alles. Und bei den Veranstaltungen an der Uni hat man sich dann meistens wieder in den HMT–Gruppen zusammengefunden. Ich hatte das Gefühl, dass ich dadurch keine Freunde außerhalb dieser Blase hatte und das habe ich dann in den Semesterferien geändert, mittels Stammtischen und anderen Treffen. Ich habe mir andere Hobbys – neben dem Studium – gesucht und das finde ich sehr wichtig.

Kommst du dir an der Uni denn manchmal komisch vor, als HMTlerin?

An der Uni zu sein, ist schon wie in eine andere Welt eintauchen. Teilweise sitzt man nebeneinander, aber man agiert nicht miteinander. Klar könnte ich das initiieren, aber meistens habe ich das Gefühl, dass die Unileute daran nicht interessiert sind. Aber die meisten wissen nicht, dass ich an der HMT studiere, also fühle ich mich nicht wie ein Außenseiter. Und wenn dann doch herauskommt, dass ich als zweites Fach Musik an der HMT studiere, sind die Leute sehr interessiert und dann bin ich schon ein bisschen stolz. Es ist irgendwie ein Privileg und das ist ein schönes Gefühl.      

Gibt es so etwas wie Konkurrenz unter euch?

Manche Leute empfinden das nicht so, aber an der HMT sind wir alle Künstler. Daher sind Konkurrenz und Druck häufig spürbar, wenn auch eher im Hintergrund. An der HMT ist es noch entspannt, ich habe gehört, dass es in Hamburg richtig schlimm sein soll. Hier lassen nicht alle dieses Konkurrenzempfinden raushängen, wir unterstützen uns gegenseitig. Aber unterschwellig ist natürlich immer Konkurrenz zu spüren. Kunst wird generell immer miteinander verglichen, bewusst oder unbewusst.         
Bei uns gibt es zum Beispiel einen Kammer- und einen Hochschulchor. In den Hochschulchor kommt jeder rein, für den Kammerchor muss die Chorleiterin einen fragen und anschließend muss vorgesungen werden. Es ist sozusagen der „Elitechor“. Und das erzeugt auch leichten Druck, denn wann man nicht mitsingt, überlegt man schon, ob man einfach zu schlecht dafür ist.

Du musst ja auch Instrumente spielen, vom Klavierspielen hast du ja schon erzählt. Spielst du noch ein anderes Instrument?           
Was  würdest du eigentlich Leuten sagen, die sich fragen, ob Mayonnaise ein Instrument ist?

Klavier muss ich spielen, ich spiele es jetzt auch nicht besonders gut, aber immerhin. Und Gitarre habe ich mir selbst ein bisschen beigebracht.

Zur anderen Frage: Mayonnaise sollte nicht unter den Teppich gekehrt werden, man kann mit allem Musik machen! Und ob Eimer oder Tube, macht ja auch einen Unterschied, das sind dann zwei verschiedene Instrumente und es kommt auf das Medium an. Man kann dieses Matschgeräusch aufnehmen, wenn man auf die Mayo rauf haut und das mit einem Computerprogramm bearbeiten.

Möchtest du deinen Kommilitonen aus der Uni noch etwas sagen?

Ich glaube man unterschätzt die Anzahl der HMTler an der Uni. Wir okkupieren eure Stühle und Tische und nisten uns an der Uni ein, das ist ziemlich cool!

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