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Die Weihnachtsmannlüge – Traumatisch oder traumhaft?

Normalerweise wird jedes Kind davor gewarnt, mit einer fremden Person zu reden. Aber alle Jahre wieder, holen die Erwachsenen die Geschichte von einem lieben, dickbäuchigen, bärtigen Mann hervor, dessen größtes Hobby das Beschenken artiger Kinder ist. Leuchtende Augen, vor Aufregung errötende Wangen, Vorfreude auf die Geschenke: Weihnachten, als Kind war dieses Fest jedes Jahr ein Abenteuer!

Jedes Jahr aufs Neue, wird im Bereich der Kindeserziehung munter darüber diskutiert, ob die Geschichte vom Weihnachtsmann weiterhin erzählt werden sollte, oder ob es sich um eine grausame Lüge handelt! Wer keine Kinder hat, mag zunächst denken: Joa, das ist mir jetzt auch egal, ich hab ja keine.         
Aber jetzt kommt‘s: Wir waren auch mal Kinder! Hat diese Lüge eigentlich was mit uns gemacht?

Unser bester Freund der Weihnachtsmann

Die Stimmen werden immer wieder aufs Neue laut: Alles nur Coca-Cola-Kommerz, blablabla. Oder: Nein, den Weihnachtsmann gibt es nicht, das ist das Christkind! Aber für die, die eh nie so viel mit der Kirche am Hut hatten, ist und bleibt es wohl immer der einzig wahre Weihnachtsmann bleiben. In einer Studie 1978, die Marjorie Taylor in einem kurzen Kapitel zusammenfasst, zeigt sich, dass im Alter von 4 Jahren 85 Prozent der befragten Kinder ganz fest an den Weihnachtsmann glaubten, nur 5 Prozent waren „Ungläubige“ (Schande über sie!) und 10 Prozent Skeptiker (Man munkelt, dass es sich bei diesen um angehende Detektive handelt).

Wisst ihr noch, wie das bei euch war? Wenn es euch schwerfällt, die Frage zu beantworten, dann gibt es hier noch den Versuch einer Hilfestellung: Habt ihr geglaubt, dass andere fiktive Charaktere (z.B. Batman) oder Drachen echt sind? Dann gehört ihr vermutlich auch zu den überzeugten Weihnachtsmannanhängern, die alles getan hätten, um seine Existenz zu verteidigen. Laut Taylor zeigte sich in Umfragen nämlich häufig, dass das An – den – Weihnachtsmann- glauben einhergeht mit dem Glauben an weitere Fantasiegestalten.    

Heißt das jetzt eigentlich: Glauben an den Weihnachtsmann = Realitätsverlust?

Das Erwachen – Wenn wir uns eingestehen müssen, dass es DEN EINEN nicht gibt

Aber irgendwann zerplatzt das Traumschloss und wir müssen uns eingestehen, dass unsere große Liebe nur erstunken und erlogen ist. Jetzt wird es spannend, denn bei der Frage „Was macht die Erkenntnis, dass unsere Eltern uns angelogen haben, mit uns?“, scheiden sich die Geister, zumindest, wenn es um die Weihnachtszeit geht. Frances Chaput Waksler hat dazu diverse Interviews zusammengefasst, in denen Erwachsene über ihre Kindheitserinnerung beim Herausfinden der Weihnachtsmannwahrheit berichten. Die Schilderungen hätten unterschiedlicher nicht sein können!

Verräterisch waren häufig die Männerparfüme, war doch immer ein bestimmter Duft typisch für den Onkel oder Papa! Häufig wurden Rechtschreibfehler in der Geschenkebeschriftung entdeckt – sowas passiert einem unfehlbaren Weihnachtsmann, mit wichtelstarker Hilfe einfach nicht – oder ganz simpel: Die Geschenke wurden in den Kleiderschränken gefunden!

Es war also alles gelogen…

Die Reaktionen reichten vom Pragmatismus (z.B. Lois: Der hatte keinerlei Probleme, Hauptsache Geschenke, egal von wem!) zu Wutanfällen. Einige Krokodilstränen wurden vergossen und andere begannen ihre Eltern sogar zu hassen. (Helen und Paul z.B. schildern einen Vertrauensbruch…. ob die Rache an den Eltern dann in der Pubertät erfolgte?)

Und diese Punkte zusammengefasst, sind auch meistens die stärksten Kritikpunkte:

Kinder werden bewusst belogen und das nur, weil die Eltern aus reinem Eigennutz ihre Kindheit nochmal durchleben wollen. Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, ist das Vertrauen erst mal dahin und letztlich ist die einzig richtige Schlussfolgerung für ein Kind: Lügen ist in Ordnung und gehört zum Erwachsenwerden dazu! Und was ist mit der Angst, Kinder würden zu sehr in eine Phantasiewelt abdriften und den Absprung in die Realität nicht rechtzeitig schaffen? Eltern sind durch ihr Beisteuern selbst schuld, wenn das ihrem Kind passieren sollte!

Also nieder mit dem Weihnachtsmann?

Halt, halt, halt. Zugegeben, einige von euch finden sich hier vielleicht wieder und begreifen nun endlich ihren Realitätsverlust! (Du dachtest, Studieren würde dein Leben vereinfachen?) Aber hier werden andere Stimmen laut, unter anderem die des kanadischen Wissenschaftlers Dr. Cyr, dessen Befragung einiger Kinder im Krankenhaus ergab, dass diese sehr stolz auf sich waren, als sie die Wahrheit allein rausfanden. Damit gab es also einen kleinen Schub für das Selbstbewusstsein. Und abgesehen davon, lehrte uns die Tradition laut Lynda Breen, Selbstlosigkeit und Güte. Kinder lernen zu reflektieren und wünschen sich nicht nur noch für sich selbst Geschenke, sondern beginnen auch für ihre Eltern oder Freunde etwas zu wünschen. Oft handelt es sich dabei um abstrakte Wünsche: Glück, Liebe, Freude etc. Und vergessen wir nicht, dass jeder Brief an den Weihnachtsmann auch eine kleine Schreibübung war.

Das kann man jetzt natürlich so oder so sehen….

Was meint ihr: Weihnachtsmann sein oder nicht sein? Wie geschädigt seid ihr aus dem „Weihnachtsmanndilemma denn rausgegangen?

Wer den vollen Artikel von Waksler lesen möchte, wird u.a. hier fündig: The Craft of Argument with Readings

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