StudentsStudents Rostock

Informationsportal für Studierende in Rostock

#5 HRO-800: Die Geschichte vom bleichen Mädchen in der Marienkirche Rostock

Hurra, unser wunderschönes Rostock feiert dieses Jahr seinen 800. Geburtstag. Für uns ist das ein schöner Anlass, um mal richtig tief in der Rostocker Historien-Schatzkiste zu kramen und Euch jede Woche Montag eine geschichtliche Perle über unsere Stadt preiszugeben.
Wir wissen, ihr alle liebt sie: Sagen, Mythen und Gruselgeschichten, die einem einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Wenn sie dann noch etwas mit Rostock zu tun haben – perfekt! Eine der bekanntesten überlieferten Rostocker Geschichten ist die Volkssage vom bleichen Mädchen, die sich in der Marienkirche wie folgt abgespielt hat.

Es war einmal an einem dunklen Wintertag…
Foto: typisch.rostock auf Instagram

Der damalige Küster war ein sehr bequemer Mann, der nur ungern seine Fülle an Körpergewicht aus dem Ohrensessel erhob. Für lästige Aufgaben musste sein fleißiges Dienstmädchen herhalten. Eine dieser Aufgaben war es, morgens um 6 Uhr, mittags um 11 Uhr und abends um 17 Uhr die Betglocke der Marienkirche zu läuten, deren Strang sich in der Mitte des Gotteshaus befand. Eine undankbare Aufgabe, um die sich nicht viele rissen, denn in den Wintermonaten war es morgens und abends stockdunkel in der Kirche. Doch das Dienstmädchen kannte keine Furcht und sagte sich: „Was die Leute von Spuk und Gespenstern erzählen, ist eitel Torheit. Wer nur auf Gottes Wegen wandelt, der kann alle Wege und Stege zu jeder Zeit und Stunde gehen, ihm wird nichts Ungewöhnliches begegnen.“

Der Tatort des Grauens.
Foto: henrikbroeckel auf Instagram

Womit das Mädchen auch Recht behalten sollte. Wäre da nicht ihr Verlobter, ein frecher Schustergeselle, der dem Dienstmädchen eines Abends einen Besuch abstattete. Das Läuten der Betglocke in der dunklen Kirche sei nun wirklich keine Kleinigkeit und er würde sich das nie trauen, begegnete er seiner Verlobten. Diese wollte ihm das Gegenteil beweisen und versprach, sogar um Mitternacht alleine in die Kirche zu gehen. Dies war ein gefundenes Fressen für den Schusterjungen, der den Mut seiner Zukünftigen gleich mal auf die Probe stellen wollte. Also hüllte er sich in ein Bettlaken und schlich in die Kirche, ungemerkt folgte ihm sein schwarzer Pudel „Schwarzfuß“. Das Mädchen erschrak so sehr von dem Anblick der weißen Gestalt und dem schwarzen Tier mit glühenden Augen, doch mutig rief sie: „Swartpoot, griep Wittpoot! Wittpoot, grieb Swartpoot!“ (Schwarzfuß, greif‘ Weißfuß! Weißfuß greif‘ Schwarzfuß). Es legte sich wie ein Fluch über den Schustergesellen und seinen Hund und sie begannen, sich gegenseitig zu jagen. Derweil stürmte das Mädchen aus der Kirche und verlor aufgrund des Schrecks fortan ihre frische Gesichtsfarbe für immer. Drei Tage lang war sie schneeweiß im Gesicht und verstarb daraufhin an den Folgen des dummen Streiches.

Ruhe in Frieden – armes, tapferes Mädchen.
Foto: lily.vanilli auf Instagram

Jetzt wird es mysteriös. Einen Tag nach dem Tod des Dienstmädchens wurden auch ihr Verlobter und „Schwarzfuß“ tot in der Marienkirche aufgefunden. Wie sie starben, ist noch bis heute unerklärlich. Das Mädchen stammte aus einer sehr armen Familie, weshalb sie an einem Dienstagabend um 21 Uhr lieblos und ungeliebt beerdigt werden sollte. Mit einem Mal jedoch, erleuchtete sich wie von Geisterhand die Marienkirche in prachtvollem Licht, die Glocken begannen zu läuten und im inneren spielte die Orgel ein sanftes Sterbelied für das arme Mädchen. Es schien, als seien höhere Mächte am Werk gewesen, um dem tapferen Mädchen die letzte Ehre zu erweisen. Noch lange nach dem Vorfall, wenn abends die Betglocke geläutet wurde, flüsterten Rostocker daher ängstlich „Das bleiche Mädchen wird begraben“.

True Story!

Und die Moral von der Geschicht: „Zu Tode erschreckt“ bekommt in dieser Rostocker Sage eine völlig neue Bedeutung. Solltet ihr also euren Kommilitonen mal wieder einen Streich spielen, dann denkt daran, was mit dem Schusterjungen und seinem Hund geschah. Wer also auch immer damals in der Südstadt-Bibliothek den armen Studierenden einen großen Schrecken einjagte, der sollte sich lieber warm anziehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.