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425.718,11 Euro: Wer zahlt für Sicherheit beim Fußball?

Der gestrige Polizeiruf beschäftigte sich mit der Rostocker Ultra-Szene. Wahrscheinlich stellte sich mancher die Frage, wer dafür eigentlich zahlt. Also für die tatsächlichen Polizeieinsätze. Wer für die Produktion des Polizeirufs zahlt? Lassen wir das lieber, die GEZ Debatte hat noch eine ganz andere Dimension.
Aber wirklich. Wir in Rostock kennen die Massen an Polizisten, die an Spieltagen auf den Straßen unterwegs sind. Wir können die Schäden rund ums Stadion sehen und das Verkommen von Sitte und Ordnung in den Zügen der Deutschen Bahn beobachten. Das kostet doch alles Geld.
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Erstens ja, es kostet Geld und zweitens ja, der Steuerzahler kommt dafür auf. Polizeieinsätze werden grundsätzlich erst einmal durch Steuern finanziert (Ausnahmen sind zum Beispiel ein Fehlalarm oder das Begleiten von Gefahrguttransporten). Der Schutz von Personen und die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung sind Aufgabe der Polizei. Dazu zählen dementsprechend auch Fußballspiele.
Bei einem gewöhnlichen Bundesligaspiel sind meist um die 200 Polizisten im Einsatz. Kommt es jedoch zu einem Hochsicherheitsspiel, kann die Zahl schnell auf über 1000 ansteigen. Hochsicherheitsspiele sind Fußballspiele, bei denen Fanlager aufeinandertreffen, die als besonders gewaltbereit gelten. In Rostock geschieht das zum Beispiel, wenn Dynamo Dresden vorbeischaut, in der Bundesliga sorgte das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV (19. April 2015) für das Entfachen der Debatte um die Kosten bei Fußballspielen. Die Stadt Bremen stellte nämlich der Deutschen Fußball Liga (DFL) den Polizeieinsatz in Rechnung. Auf dem Gebührenbescheid stand die niedliche Zahl von 425.718,11 Euro. In Bremen betonte man, dass es nicht um die Kosten bei allen Bundesligaspielen ginge, sondern nur um den Mehraufwand bei „Risikospielen“. Und ja, die 425.718,11 Euro bezogen sich ausschließlich auf den Einsatz beim Nordderby.
Das Bremer Verwaltungsgericht erklärte den Gebührenbescheid für rechtswidrig. Das ist ein erster Sieg für die DFL und eine gute Nachricht für die Fußballvereine. Wäre dieser Fall nämlich zum Vorreiter für zukünftige Kostenumlegungen geworden, hätte die DFL sich das Geld an anderer Stelle- also wahrscheinlich bei den Vereinen selbst- zurückgeholt. Doch die Rechtswidrigkeit des Bescheids bedeutet noch nicht, dass es in Zukunft nicht doch eine Regelung geben könnte, die eine Beteiligung an den Kosten ermöglicht.
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Sollte das Thema damit vorerst vom Tisch sein? Immerhin summieren sich die Kosten für die Sicherung von Bundesligaspielen auf bis zu 90 Millionen Euro pro Saison. Und dafür kommen alle auf, auch Nicht-Fußballfans und auch diejenigen, die durch Spiele sogar Nachteile erfahren (z.B. Anwohner). Mit neuen Krawallen und neuen Großeinsätzen werden auch immer wieder die Debatten um eine Kostenbeteiligung der Vereine angeregt. Die DFL würde gerne den Aufwand und damit die Kosten für die Polizei reduzieren. Doch das bedeutet, dass es weniger Risikospiele geben müsste und vorher auch ein geringeres Gewaltpotential. Und Fußballspiele friedlicher zu machen, das gelingt bekanntlich seit Jahren eher mäßig.

2 Comments

  • Max Mustermann
    Max Mustermann

    Meine Güte, das sind doch lediglich die populistische Argumente seitens der Politik.
    Einige Punkte werden von der Redaktion hier (im besten Fall) aufgrund unzureichender Recherche nicht berücksichtigt. Ich werfe einfach mal ein paar Denkanstöße in die Runde:
    – auch die Vereine zahlen Unmengen an Steuern, das wird ja gerne immer totgeschwiegen
    – Sicherheit ist ein Grundrecht für alle und niemand kann wirklich wollen, dass Sicherheit – wie es im amerikanischen System geregelt ist – eine käufliche „Ware“ wird
    – auch die Sinnhaftigkeit der hohen Mannstärke der Beamten ist häufig überdimensioniert (ich erinnere mich an ein Spiel gegen Münster vor 6.000 Zuschauern, bei dem Wasserwerfer und Hubschrauber eingesetzt wurden)
    – Unordnung in den Zügen und eine Abkehr von Sitte und Anstand sehe ich bspw. auch bei der Hansesail – und zwar in einem ganz anderen Ausmaß
    Viel Spaß beim Nachdenken.

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  • Timothenfor

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