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Sind Hausarbeiten sinnvoll? Das sagen Rostocker Studierende

uni rostock hausarbeiten

Rostocker Copy-Shops wissen mittlerweile besser als so manche Lehrpersonen, wann Hausarbeitsabgabe ist. Wenn Studierende in Scharen ihre Werke drucken lassen: Zwei Tage im Jahr sind für Copy-Shop-Betreiber besonders umsatzstark. Einer davon steht kurz bevor: der 27. März. Stress für Copy-Shops, Stress für uns Studierende. Wir sehen rot. Farbe der Liebe? Wohl kaum. 
Abgabe

SPON: Uni-Dozent aus Braunschweig ist gegen Hausarbeiten

Der wissenschaftliche Mitarbeiter der TU Braunschweig, Christoph Tipker, hat von Hausarbeiten genug. Erschöpfter Uni-Dozent: Schafft die Hausarbeiten ab! – so lautet die Schlagzeile des Artikels über Tipker von Spiegel Online. Er ist aus Tipkers Perspektive geschrieben, der offenbar nach einem Semester 112 Hausarbeiten bewerten muss. SPON schreibt, dass die Hausarbeit ursprünglich als Aufnahmeritual im 18. Jahrhundert galt. „Neue Erkenntnisse und Haltungen“ sollten entwickelt werden. Mit der Zeit ließen allerdings die Leistungen nach, so SPON. Tipker bezeichnet ihr Dasein als Prüfungsleistung als „Mittel zum Zweck“. Studierende seien noch keine Forscher und gar nicht in der Lage, mit den Maßstäben des Forschungsdiskurses mitzuhalten, nach denen sie bewertet werden, findet er – außerdem komme dabei in den seltensten Fällen etwas Neues ans Licht. Tipker betont, dass er auch „inspirierende und geistreiche“ Hausarbeiten erhalte – das sei allerdings nicht die Regel.

Hausarbeiten – ein sinnvolles Konzept oder überholte Lästigkeit?

Je länger das Quellenverzeichnis, desto fundierter die Arbeit, finden viele Lehrpersonen. Oft geht der Blick beim Durchsehen und Bewerten zuerst auf die letzten Seiten. Auf 15-20 Seiten zusammentragen, was andere gesagt haben – aber bitte keine eigene Meinung, das gehört da nicht rein. Was für einen Sinn sollen solche Arbeiten haben, wenn die eigene Position, die dabei entwickelt wird, gar nicht beschrieben werden darf? Viele Studierende nehmen die Pflicht als lästig wahr.
Bücher

Das halten Rostocker Studierende von Hausarbeiten

Dass nicht jeder Studierende darauf brennt, pro Semester eine Hausarbeit zu schreiben, liegt in der Natur der Sache. Aber mal ehrlich: Wir haben doch aus der ein oder anderen schon einmal etwas Lehrreiches mitgenommen.
Es bleibt aber meistens nicht bei einer Hausarbeit: Viele Studierende sehen sich mit zwei bis fünf Hausarbeiten pro Semester überhäuft. 15 Seiten im Schnitt ergeben 75 Seiten in acht Wochen. Zum Vergleich: Im Schnitt entspricht diese Seitenzahl der Abschlussarbeit im Master mit 20 Wochen Bearbeitungszeit (und ohne Themenwechsel). Freizeit wird zum Fremdwort, die Bibo zum neuen Zuhause.
Wir haben Rostocker Studierende nach ihrer Meinung zum Thema Hausarbeiten befragt.

„Zu häufig“

Moritz (28), Master Kommunikations- und Medienwissenschaften/Geschichte, 9. Semester
„Hausarbeiten werden zu häufig als Prüfungsvariante herangezogen und sollten dosierter verteilt werden. Dem Studierenden sollen sie zwar das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens vermitteln bzw. sollen sie überprüfen, ob er das besitzt, aber der Aufwand um das Schreiben und das Kontrollieren dieser Arbeiten stehen im krassen Kontrast zum tatsächlichen Ertrag für den Studenten, der Universität oder dem Dozenten. Referate, Diskussionen oder die selbstständige Durchführung eines Seminars haben mir oft mehr vermittelt, als das Abfassen der zwanzigsten Hausarbeit.“

„Kann einfach nicht jeder – und muss auch nicht“

Anja (25), Bachelor in Germanistik/Anglistik
Meiner Meinung nach eignen sich Hausarbeiten gut dafür, um wissenschaftliches Arbeiten und wissenschaftliche Texte schreiben zu lernen. Ist man jedoch nicht gut im schreiben, fällt man oft schon durch; das erlernte Wissen könnte man ebenso gut in normalen Klausuren abfragen. Fällt man in Hausarbeiten durch, heißt es für mich nicht gleich, dass man ein bestimmtes Thema nicht verstanden hat – Hausarbeiten schreiben ist eine Sache für sich, die, wie ich finde, nicht jeder beherrschen muss, um ein Studium zu absolvieren und im Leben weiter voranzukommen.

„Isoliertes Fachwissen taugt nichts“

Mascha (25), Lehramt Gymnasium Deutsch/Philosophie, 9. Semester

„Ich halte Hausarbeiten als Prüfung zwar für relativ komfortabel, in Hinblick auf einen Wissenszuwachs taugen sie allerdings nichts. Man wird bestenfalls zum Experten in dieser einen Frage, häuft noch mehr isoliertes Fachwissen an und verliert außerdem noch für Tage oder Wochen jedes Sozialleben. Und am Ende liest sowieso bloß irgendein HiWi nur Einleitung und Schluss, damit man dann besteht.“

Quelle: Instagram-User @lawislaw_94
Quelle: Instagram-User @lawislaw_94

Lehrpersonen suchen sich die Prüfungsleistung nicht aus

Aktuell lehrende DozentInnen haben sie schließlich nicht erfunden, die Hausarbeiten. Auch entscheiden sie sich selbst nicht für diese Leistung, da der Prüfungsplan den Ton angibt. Hält eine Lehrperson mehrere Seminare á 30-40 Teilnehmer in einem Semester, kann die Zahl der zu bewertenden Arbeiten schnell schwindelerregend hoch ansteigen. Leider ist das Lesen der Arbeiten nicht immer eine aufregende Achterbahnfahrt.
Wir haben Rostocker Lehrpersonen gefragt, was sie von Hausarbeiten halten.

„Hausarbeiten ermöglichen den Blick über den Tellerrand“
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Philosophischen Fakultät

„Ich halte das [Abschaffen, Anm. d. Red.] für den falschen Weg. Zwar sollte man bei manchen geisteswissenschaftlichen Fächern nach dem Sinn von fünf parallel zu schreibenden Hausarbeiten fragen, aber was wäre die Alternative? Einzig Prüfungen am Ende des Semesters? Hier lernen die Studierenden dann nur den Stoff auswendig, der sein muss. Bei der Hausarbeit gibt es hingegen auch mal den Blick über den Tellerrand hinaus und neue Interessen können geweckt werden. Ich denke, man sollte viel eher manche Module neu bewerten und strukturieren. Denn Studierende, die einzig und allein aus eigenem Interesse Kurse und Fächer belegen, sind zwar eine schöne Vorstellung – aber leider nicht die Realität.“

Die Alternative

Tipker schlägt in SPON vor, Rezensionen über Literatur zu schreiben oder etwa ein Lerntagebuch zu einem ausgewählten Thema des Seminars. Eine weitere Alternative wären Hausarbeiten, die nicht unbedingt mit der Anzahl gewälzter Bücher steht und fällt, sondern Platz für eigene Positionen lässt – zum Beispiel in Essayform- oder Erörterungsform. Sicher sind traditionelle Hausarbeiten auch an der ein oder anderen Stelle sinnvoll – ganz sicher aber nicht 4 davon in 8 Wochen.
 
Rostocker Copy-Shops, macht Euch bereit. Rostocker Studierende, Endspurt.
 

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