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Wir lesen nicht mehr genug Bücher! Ist das verwerflich?

Überspitzt gesagt gibt es drei Arten von Lesern.

  1. Der „Ich-gucke-lieber-Filme“-Typ hat sein letztes Buch in der 7. Klasse gelesen, aber auch nur, weil jeder ein Buch vorstellen musste und er Michel aus Lönneberga sowieso schon kannte. In der 11. Klasse hat er gemerkt, dass es Kabale und Liebe ja auch als Film gibt.
  2. Der „Ich-liebe-Lesen-aber-lese-nie“-Typ war während der Schulzeit ein richtiger Bücherwurm und hat alle Harry-Potter-Bücher mindestens zweimal gelesen. Heute kommt er einfach nicht mehr dazu, und wenn, schläft er gleich ein. Auch er guckt lieber Filme und Serien.
  3. Der Leser las damals und liest heute. Vom Aussterben bedroht.

In diesem Beitrag geht es um alle drei. Typ 2 ist seit vergangenem Sonntag übrigens temporär in die Verhaltensweise von Typ 3 gerutscht, denn da wurde das 8. Buch der Harry-Potter-Reihe, „Harry Potter And The Cursed Child“,  veröffentlicht (ist als „Harry Potter und das verwunschene Kind“ ab dem 24. September im Carlsen-Verlag auch in deutscher Sprache erhältlich).

Die Rostocker Studentin Lisa Nagel verlässt eigenen Angaben nie ohne Buch das Haus - gehört folglich zu Typ 3. Das neue Harry-Potter-Buch besitzt sie auch bereits. Quelle: Instagram lisa__nagel
Die Rostocker Studentin Lisa Nagel verlässt eigenen Angaben zufolge nie ohne Buch das Haus – und gehört folglich zu Typ 3. Das neue Harry-Potter-Buch besitzt sie auch bereits.
Quelle: Instagram-Account „lisa__nagel“

Die meisten von uns werden nicht nur bei Pokémon nostalgisch, sondern auch, wenn es um andere Kindheits- und Jugendhelden geht. Helden wie Pippi Langstrumpf, Frodo Beutlin, das Sams, Ronja Räubertochter, Jim Knopf, Alice im Wunderland oder eben Harry. Da hatten wir noch Zeit, sagen die meisten, neben den Hausaufgaben und nach dem Spielen, auf langen Autofahrten in den Urlaub. Heute ist das anders. So kommt es uns vor. Kinder spielen doch nur noch mit iPads, statt zu lesen oder draußen mit Kreide zu malen. Und auch wir lesen nicht mehr (viel), weil wir schon überfordert sind mit der Literatur für die Uni und wir das doch sowieso gar nicht mehr schaffen. Wir schauen abends lieber Serien, weil die neue Folge von Game Of Thrones wichtig ist, und wenn wir danach noch ein Buch in die Hand nehmen, schlafen wir nach zwei Seiten ein.

Die Wahrheit

Wir hätten Zeit zum Lesen. Und zwar genau dann, wenn wir entscheiden, unsere Freizeit anders zu nutzen. Mit dem Surfen auf Facebook, mit dem Schauen von „X-Men: Apocalypse“ auf www.kinox.to und mit dem Mittwochabend im Keller. Sie ist da, die Zeit. Warum also lesen wir nicht? Weil es keine Bücher mehr gibt, die uns genug fesseln, dass wir auf den Keller verzichten wollen? Nein. Weil wir uns eingestehen müssen, dass wir doch gar kein Bücherwurm sind? Jein. Es hilft nicht, auf Facebook & Co. zu schimpfen, nicht aber dementsprechend zu handeln – es einfach zu lassen und ein Buch aufzuschlagen. Das ist wie mit dem Rauchen: Wenn ehemalige Raucher behaupten, Raucher seien scheiße, aber dann irgendwann betrunken doch wieder zur Zigarette greifen.
Es verhält sich tatsächlich so: Wir haben heute noch millionenfach mehr Möglichkeiten, unsere Freizeit zu verbringen, als früher. Das Wort „Reizüberflutung“ kennt jeder. Wir sind überfordert und wollen dennoch immer mehr in kürzerer Zeit. Unsere Rezeptionsgewohnheiten haben sich schlichtweg geändert. Sichtbar am Erfolg der Vielzahl von Serien wie Game Of Thrones, Gilmore Girls, Suits, House of Cards und Breaking Bad. 50 Minuten Action, Neuigkeiten. Wie ein Facebook-Feed. Keine zweieinhalb Stunden Film mit großem Aufbau und vorhersehbarem Ende. Ein Buch lesen, in dem Charaktere in seitenlangen, abschweifenden Passagen beschrieben werden? Langweilig. Die wenigsten haben die 10 (deutschen) Game-Of-Thrones-Bände gelesen, denn das Gleiche können wir ja genauso gut ohne Fantasie aber mit Pizza auf dem Bildschirm schauen.

Foto: JürgenWald, „Bücher“, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de Quelle: www.piqs.de
Foto: JürgenWald, „Bücher“, CC-Lizenz (BY 2.0)
http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
Quelle: www.piqs.de

Unsere Generation hasst Spoiler

Dass es mittlerweile sogar ein Wort dafür gibt, zeigt, dass Spoiler ein großes Thema sind. Alle hassen sie. Sie versauen alles, man braucht eigentlich gar nicht mehr einschalten. Aber man wusste doch früher auch, dass Harry, Ron und Hermine Voldemort schließlich auslöschen würden, trotzdem hat man sich durch sieben Bücher gelesen, um zu erfahren, wie. Nicht nur, mit welcher Strategie, sondern auch auf welche Art und Weise, also was sie dabei empfunden haben, was drumherum geschah, welche lustigen Schulbuchtitel sie dafür einkaufen mussten und wie liebevoll das Ganze aufgeschrieben wurde. In die Welt eintauchen, Teil davon sein. Viele wünschten sich immer einen Band, in dem am Ende nichts Schlimmes geschieht. Nur das harmonische Leben in Hogwarts, höchstens mit Peeves‘ Streichen. Heute sind Sensationen gefragt, aber wehe, wir wissen vorher, ob Jon Snow nun lebt oder nicht. Wir wollen überrascht werden, wir wollen geschockt werden, wir wollen Blut sehen oder wenigstens ein gebrochenes Herz und wir wollen es verdammt nochmal vorher nicht wissen, denn sonst ist es ja langweilig. Das Drumherum und das Storytelling interessieren uns nicht.

Die Lösung

„Action, aber schnell!“ – Diese Einstellung sorgt dafür, dass wir immer weniger lesen. Und wir können nichts dafür. Zumindest nicht dafür, dass sich unser Rezeptionsverhalten ändert. Aber wir können trotzdem entgegenwirken, weil Bücher ein wichtiges Kulturgut und wir danach schlauer sind, als wenn wir Fernsehen schauen: Wir müssen uns nicht dazu zwingen, ein Bücherwurm zu sein. Aber wir können unseren Terminplaner anschauen und einmal im Monat den Kellerabend durch einen Leseabend austauschen – vielleicht sogar mit einem Glas Wein und gegenseitigem Vorlesen mit dem/der MitbewohnerIn?
 
Zu welchem Typ gehörst Du? Wie viele Bücher schaffst Du, im Monat zu lesen? Schreib‘ uns oder nutze die Kommentarspalte.
 
 
 

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