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Syrien: Studieren zwischen Bomben und Kampfjets

Symbolbild.
Symbolbild.

Stellt euch mal vor, euer rechter Platz im Hörsaal ist leer, weil euer Kommilitone gestern auf dem Heimweg erschossen wurde. Oder deine Vorlesung fällt aus, weil des Haus des Dozenten von einer Rakete getroffen wurde. Oder, dass keine Lernzettel mehr getauscht werden, weil die Studenten verschiedene politische Ansichten haben und Gegner sind. Spiegel Online hat drei Schicksale von Studierenden aus Syrien veröffentlicht – und wir hier sind gar nicht in der Lage, uns das alles vorzustellen.
Zu Beginn beschreibt SPON, dass in Syrien am Anfang des Bürgerkriegs mehr als 100.000 Studierende eingeschrieben waren. Viele private Unis mussten seitdem schließen, zwei große Hochschulen seien geschlossen, weil sie im Kontrollgebiet des IS liegen. In Aleppo und Damaskus allerdings lernen immer noch junge Menschen. Dort kommen auch die drei Studierenden her, um die es geht.
Aleppo liegt im Norden, Damaskus im Süden von Syrien. Quelle: Google Maps
Aleppo liegt im Norden, Damaskus im Süden von Syrien. Quelle: Google Maps

Der erste ist 20 und studiert Pharmazie in Aleppo. Er sagt, dass keiner wisse, wann der Krieg zuende sei, deshalb lebe man weiter – gehe sogar aus, rauche Shisha, was man so macht als Student, eben. Im Gegensatz zu uns haben die syrischen Studenten aber nur maximal zwei Stunden Strom am Tag, Heizöl sei knapp. Die Lernatmosphäre: mit Decken und Kerzen am Schreibtisch. Und das wohl Schlimmste: der Tod ist ein Begleiter, wie hier die Erkältungswelle oder die Magen-Darm-Grippe. Viele Dozenten seien geflohen oder wurden getötet. Raketen haben den Fakultätsleiter der Chemie in Aleppo tödlich getroffen. Der Pharmazieprofessor unseres Studenten hat einen Raketenangriff überlebt und ist zwei Wochen später schon wieder in der Vorlesung.
Der Student sagt, Explosionen stressen ihn nicht mehr – stressen niemanden mehr.

Der zweite Student aus Aleppo ist auch 20 und studiert BWL. Ihn stören die Kriegsgeräusche – obwohl er es nicht anders kennt, da er sein Studium im Krieg begonnen hat. Die Uni habe einmal ihren Betrieb unterbrechen müssen, weile eine Rakete einschlug. Aber am nächsten Tag ging es weiter. Zwei Freunde von ihm seien getötet worden, weil die Raketen überall einschlagen können. Für ihn ist die Familie das wichtigste – deshalb studiert er auch, denn er möchte sie später finanziell unterstützen. Außerdem müsse er keinen Militärdienst machen, solange er studiert.

Sami ist 23 und studiert Medizin in Damaskus. Auch er empfindet die Explosionen und Kampfjet-Geräusche störend, weil sie ihn ständig an den Krieg erinnern und vom Lernen ablenken. Er berichtet von einer Spaltung der Studenten: Anhänger und Gegner von Assad. Gemeinschaftlich ist das nicht mehr – Misstrauen untereinander sei gewachsen. Über Politik rede man schon gar nicht mehr. Manche Kommilitonen seien entführt und festgenommen worden. Die traurige Wahrheit: „Jeder in Syrien hat jemanden verloren“, so Sami. Nach dem Krieg wird es aber viele geben, die ihn und die anderen Mediziner brauchen werden. Mit den Dozenten sei das Verhältnis enger geworden – sie sind sogar mit den Studierenden auf Facebook befreundet, erzählt er.

Den vollständigen Artikel von Spiegel Online findet ihr hier.

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