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"Frage der Zeit": MV wäre gut für Cannabisanbau

Bei der Hanfdemo 2015. Foto: Karolin Hebben
Hanfdemo 2015. Foto: Karolin Hebben

Anlässlich der jährlichen Hanfdemo in Rostock innerhalb des Global Marihuana March haben wir über die Legalisierung von Cannabis in MV mit dem Hanfbündnis Rostock gesprochen.
StudentsStudents Rostock: Was ist der Unterschied zwischen medizinischem Gebrauch und Cannabis als Genussmittel?
Hanfbündnis Rostock: Es gibt keinen. Cannabis ist Cannabis. Einigen hilft es gegen Schmerzen und Symptome, andere rauchen es des Genusses wegen. Es gibt viele verschiedene Sorten und einige sind für den medizinischen Gebrauch besser geeignet als andere.
StudentsStudents Rostock: Was für Unterschiede gibt es denn bei der Wirkung?
Hanfbündnis Rostock: Ihr kennt doch die Bezeichnungen „high“ und „stoned“. Das eine ist eher anregend (sativa), das andere entspannend (indica). Medizinisch ist indica für die Muskelentspannung gegen Schmerzen gut und sativa für psychische Beschwerden, etwa Depressionen oder PTSD.
StudentsStudents Rostock: Besitzen darf man kein Cannabis, aber konsumieren darf man es. Ist das nicht eine Grauzone? Denn wenn jemand es konsumiert, besitzt es doch zwangsläufig jemand.
Hanfbündnis Rostock: Das ist keine Grauzone, sondern Blödsinn. Selbst, wenn du in einer Runde einen Joint rumgegeben bekommst, würdest du dich selbst nicht strafbar machen, aber der, der es rumgibt. Besitz, Weitergabe, Anbau und Schmuggel ist verboten. Legal wäre es, wenn ein Joint an einer Astgabel hängt und du dran ziehst. (lacht)
StudentsStudents Rostock: Für wie wahrscheinlich haltet Ihr es, dass Cannabis legalisiert wird – in Deutschland und speziell in MV?
Hanfbündnis Rostock: Insgesamt ist es in Deutschland nur noch eine Frage der Zeit. Auf MV bezogen würde ich mir wünschen, dass hier ein bisschen Druck gemacht wird. Mit der CDU in der Regierung ist das natürlich schwierig. Aber in Bremen hat es eine SPD-geführte Regierung zur Liberalisierung gebracht. Gerade in MV wären die Anbaubedingungen gut, hier ist Ackerland, wo es gut wachsen würde – auch in Brandenburg. Ich wünsche mir, dass MV eine Vorreiterrolle einnimmt – wenn die Regierung das ermöglichen würde. Es wäre außerdem ein guter Jobmotor, zum Arbeitsplätze schaffen. Und Cannabis ist umweltfreundlich – es braucht keine Pestizide und wächst schnell.
Hanfdemo 2016. Quelle: Hanfbündnis Rostock
Hanfdemo 2016. Quelle: Hanfbündnis Rostock

StudentsStudents Rostock: Wie seht Ihr das mit dem Jugendschutz?
Hanfbündnis Rostock: Wir sind der Meinung, dass man in Deutschland als Jugendlicher leichter an illegale Drogen herankommt als an legale Drogen. Der Dealer fragt nicht nach dem Personalausweis. Es gibt immer irgendwo Ecken, die jeder kennt, an denen man kaufen kann. Alter spielt keine Rolle – im schlimmsten Fall fragt der Dealer noch, ob man noch dazu Crystal Meth möchte, damit er mehr verkauft. Ganz klar: Aus logischen Gründen gibt es nur Jugendschutz mit einer Legalisierung. In Colorado zum Beispiel, wo es seit kurzem erlaubt ist, darf man Cannabis nur in kindersicherer Verpackung mit sich herumtragen. Da muss man an der Seite drücken, oben drücken, dann drehen…das kriegt kein Kind der Welt auf, selbst wir hatten Probleme mit den Verschlüssen. (lachen)
Wir befürworten nicht, dass Kinder und Jugendliche kiffen. Wir wollen das Thema auch nicht verschweigen. Es ist schädlich für die Gehirnentwicklung in jungen Jahren. Man müsste ehrlicher mit den Leuten sprechen können – denn die Jugendlichen probieren sich aus und merken „Hey, ich hab keine IQ-Punkte verloren, bin nicht auf Härteres umgestiegen und hänge nicht nur noch auf dem Sofa“ und dann merken sie, dass es gar nicht so gefährlich ist und stellen Autoritäten in Frage. Sie glauben dann nichts mehr, was aus der Richtung kommt.
StudentsStudents Rostock: Wie läuft das so in Colorado? Viele denken, nach einer Legalisierung würden überall Leute mit Joints herumlaufen.
Hanfbündnis Rostock: Dort ist es auf der Straße trotzdem verboten. Als Privatperson hat man dort die Erlaubnis, 6 Pflanzen anzubauen. Patienten mit Genehmigung vom Arzt dürfen 99 Pflanzen anbauen. Leute im Rollstuhl können das nicht selbst und können dann eine Lizenz an einen Shop abgeben und es dort dann für sehr wenig Geld kaufen. Man darf es also kaufen und anbauen in bestimmten Mengen, aber nicht öffentlich konsumieren. Das ist aber auch nicht das, was wir uns unter einer erfolgreichen Legalisierung vorstellen. Aber wenn jemand mit einem Joint vor ’nem Kindergarten steht, ist das nicht anders als mit einer Bierflasche – das geht nicht. Da muss man sich Gedanken machen über ein funktionierendes Modell.
Hanfdemo 2016. Quelle: Hanfbündnis Rostock
Hanfdemo 2016. Quelle: Hanfbündnis Rostock

StudentsStudents Rostock: Wie viele Leute, schätzt Ihr, konsumieren in MV Cannabis?
Hanfbündnis Rostock: Bundesweit werden 4 Millionen geschätzt, man sagt so 5 Prozent. In MV trifft das, denke ich, auch zu. Das sind Schätzungen des Deutschen Hanfverbandes, die Bundesregierung schätzt deutschlandweit 2 Millionen. Aber mit 5 Prozent sind es in Rostock etwa 10.000.
StudentsStudents Rostock: Letztes Jahr waren es schon knapp 400 Leute auf der Hanfdemo. Denkt Ihr, es kommen am Samstag noch mehr?
Hanfbündnis Rostock: Ja, das erwarten wir. Wir haben vom letzten Jahr durchweg positives Feedback bekommen. Wenn wir alle geschlossen arbeiten würden, würde etwas passieren – aber es ist uns auch wichtig, dass die Demo friedlich abläuft. Wir haben jedenfalls doppelt so viele Flyer verteilt als letztes Jahr.
StudentsStudents Rostock: Was passiert auf der Demo so? [Anm. d. Red.: Demo 2016]
Hanfbündnis Rostock: Der allergrößte Knaller ist, dass der ehemalige Chefredakteur des Hanfjournals kommt – und der darf legal Cannabis rauchen. Mit einer Ausnahmegenehmigung geht das – man muss eine bestimmte Krankheit haben, alle Medikamente ausprobiert und festgestellt haben, dass nichts anderes hilft. Wenn der Arzt zustimmt, kann man eine Genehmigung von Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte bekommen. Es gibt ungefähr 500 Menschen in Deutschland, die das dürfen, und er ist einer davon. Er wird es auch auf der Bühne vorführen und erklären.
Außerdem kommt unter anderem Johannes Saalfeld von den Grünen, Phillip Bock von den Linken, jemand von Solid, vielleicht jemand von der FDP und einer vom Organisationsteam der Hanfparade Berlin.
Vielen Dank an das Hanfbündnis Rostock für das Interview.

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