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Gedanken zum Bildungssystem

Gerade im Masterstudium, wenn die Profs in den ersten Sitzungen immer wieder betonen, man sei ja jetzt viel eigenständiger als im Bachelorstudium. Wenn sie behaupten, einige Sachen müsse man nun einfach wissen, da könne man nicht jedes Mal drauf eingehen. Und, dass man ja nun wisse, wie ein Studium läuft.
Wenn sie dann im nächsten Atemzug erklären, dass sie jede Woche eine Liste herumgeben werden und all diejenigen keine Prüfung mitschreiben dürfen, die mehr als zweimal gefehlt haben. Und wenn sie dann erklären, wie die nächste Zeit so verlaufen wird: jeder Student hält ein Referat/ gestaltet eine Seminarstunde. Das komplette Semester lang.
Gerade dann, wenn man merkt, dass jedes Seminar, in das man sich eingetragen hat, exakt in dieser Form verlaufen wird (Studenten erklären sich die Inhalte selbst, der Dozent ist raus, hört zu oder checkt seine Mails) – dann ist der Punkt gekommen, an dem man sich die Frage stellt: „Was mache ich hier? Was soll das? Bin ich wieder in der zehnten Klasse gelandet?“
Manch einer unter uns gibt allerdings auch ganz ehrlich zu, dass er ohne die Anwesenheitspflicht vermutlich selten in ein Seminar gehen würde. Dass die Noten am Ende tatsächlich davon abhängen, wie oft er anwesend war, weil man so viel mehr vom Inhalt mitnimmt. Nach dem Motto, die Abschaffung der Anwesenheitspflicht an Universitäten wäre zwar gut für die Freiheit, aber schlecht für die Bildung. Und das ist es ja letztendlich, warum wir alle studieren.

gesehen bei karrierebibel [pinterest].
Wenn dann die Hälfte im Kurs allerdings nicht zuhört, sondern irgendwelche anderen Sachen im Internet macht oder so vor sich hinträumt, ist die Frage, ob eine reine ANWESENHEITSpflicht überhaupt Probleme beseitigen kann. Schließlich nehmen viele diese Voraussetzung wortwörtlich und sind auch nicht mehr, als im Raum – körperlich anwesend eben.
Besonders in Fächern, in denen wir nicht nur auswendig lernen, sondern Vorgänge VERSTEHEN müssen, um die Klausur zu bestehen, bringe es wenig, wenn man sich das Ganze nicht von einem Profi erklären ließe und nicht an den Übungen teilnehme – das ist die andere Seite der Medaille und betrifft vor allem mathematische Fächer.
Wiederum geht es in den meisten (wie gesagt nicht allen) Klausuren ja nur darum, etwas zu lernen, um es danach wieder zu vergessen. „Was besagt denn die Theorie von XY? Das müsstet ihr ja alle noch aus dem Bachelor wissen.“ Tja. Leider nicht. Aber von unserem Hausarbeitsthema damals wissen wir noch etwas!
Und am Ende bleibt dann (jedenfalls den Geisteswissenschaftlern) immer noch die Frage, was wir jetzt eigentlich wissen und können, mit dem wir bei einem Bewerbungsgespräch punkten können…

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  • Luisa

    Gerade wie GeisteswissenschaftlerInnen können eine Menge, dessen wir uns nicht unbedingt bewusst sind. Das meiste fällt unter Softskills und dazu gehört auch intelligente Entscheidungen zu treffen z.B. wofür es sich lohnt Zeit und ggf. Geld zu investieren und wofür nicht. Immerhin ist das Ziel des Masterabschlusses wissenschaftlich Karriere zu machen oder eine Führungsposition im Unternehmen zu erlangen. Da ist die wichtigste Eigenschaft nunmal eigene Entscheidungen zu treffen, dafür einzustehen und andere davon zu überzeugen. Das kann man im Studium ziemlich gut üben, indem man z.B. entscheidet, ob ich dem Wunsch des Profs nachgehe in seiner Lehrveranstaltung zu sitzen, auch wenn ich geistig null bei der Sache bin oder ob ich diese Zeit nutze einem Job nachzugehen, der mein Studium finanziert und bei dem ich gleichzeitig Wissen ansammele, das mich von meinen 598 KommilitonInnen im Bewerbungsgespräch unterscheidet.
    Von nichts kommt nichts. Das wissen auch Studierende. Zu unterstellen, wer nicht im Hörsaal sitzt, würde nichts lernen, hat keine Ahnung. Wer clever ist, geht zu den Lehrveranstaltungen, in denen es wirklich was zu lernen gibt und überspringt die, in denen man nur Zeit totschlägt, um sich anderweitig zu bilden. Denn von einem haben wirklich alle Menschen zu wenig und das ist Zeit.

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