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Sch*** DFB und Stimmungsboykott bei Hansa: Was steckt dahinter?

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Es hallt durch Deutschlands Stadien, es klebt an jeder Ecke und doch wissen viele nicht, worum es geht, wenn es heißt: Sch*** DFB. Das wollen wir ändern. Denn sowohl die, die es unreflektiert im Stadion mitgrölen, als auch die, die es für albern halten, sollten sich darüber im Klaren sein, dass es hier nicht um blanken Hass geht, dieses Thema ist größer, als ihr denkt.

Bei uns in Rostock

Wenn Hansa Rostock am 03.12. im heimischen Ostseestadion auf den aktuellen Tabellenführer Vfl Osnabrück trifft, wird es ungewöhnlich still sein. Denn die Fanszene ruft zu einem Stimmungsboykott auf. Heißt, es gibt keine Fahnen, keinen organisierten Support und ganz allgemein viel weniger Spaß. Ein erster Fehler wäre jetzt zu denken, dass deshalb keine Tore gefeiert werden – die Fanszene gibt ja ihre Liebe nicht an der Tür ab. Aber das, was den Support sonst ausmacht, fällt weg.

Warum, fragen sich viele, warum genau jetzt, wenn es mal gut läuft? Ganz einfach, der 03.12. ist ein Montag und das Spiel findet um 19 Uhr statt. Da kann der 5-Jährige schon mal nicht mehr mitkommen, weil er sonst quengelig wird, da kann Tommy nicht mitkommen, weil er noch arbeitet und Sabine hat zwar 18 Uhr Feierabend, aber sie ist Fan von Osnabrück, also wie soll sie das bitte anstellen?

Besucherunfreundliche Anstoßzeiten sind einer der Gründe, warum sich Fans in Deutschland nicht mehr wertgeschätzt fühlen. Die Zuschauer vor den Fernsehern – die mittlerweile drei Anbieter abonnieren müssen, um alle Spiele ihrer Mannschaft sehen zu können – sind wichtiger.

Money, money, money

Dass Geld und Fußball mittlerweile auf Lebenszeit verheiratet sind, ist nicht das, worum es geht – doch was ist, wenn nur noch Geld zählt? Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar 2022 wird von Leiharbeitern ermöglicht, die in brütender Hitze sterben. Menschenrechte? Nein, nein, wir wollen doch WM!

Das Werbeprojekt RB Leipzig bereitet vielen Fans Bauchschmerzen. Manche pöbeln auch hier nur, weil sie es können. Doch wer tiefer in die Materie einsteigt, der sieht auch die Vorteile – Leipzig boomt, Jugendspieler der Region werden gefördert, ein Verein aus Ostdeutschland in der Bundesliga. Blöd nur, dass das alles erkauft wurde. Rasenball soll verstecken, dass es um Red Bull geht, das Logo wurde minimal bearbeitet, zeigt aber noch immer zwei rote Bullen. Mitglieder hat der Verein zwar, aber nur wer für Red Bull arbeitet, darf auch Mitglied sein. Aktuelle Mitgliederzahl (stimmberechtigt) daher: 17. Ein Verein aus Plastik, gekommen, um eine Marke zu bewerben. Jede Lücke in den DFB Statuten wird eiskalt ausgenutzt, jede Kritik an die Anwälte weitergeleitet. Für Fußballromantiker eine Katastrophe, aber auch für jeden Verein, der den Fußball noch in den Mittelpunkt stellt und mit seinen Mitgliedern kommuniziert. Die Entfremdung geht weiter.

FANMEILE DFB

Kollektivstrafen

Wir haben den „gewöhnlichen“ Fan, der Mitglied ist, eine Dauerkarte hat und seit Jahren den Verein im Herzen trägt, also schon für weniger wichtig erklärt. Obwohl er mehr leistet, ist sein Wert für DFB-Funktionäre und TV-Anbieter geringer, da er sein Geld zwar in den Verein, nicht aber in Geldgeber investiert. Und dann wird der eigene Verein noch zu tausenden Euro Geldstrafe verknackt. Achtung, wir fangen jetzt hier keine Pyro-Diskussion an. Es ist verboten, also kostet es Geld, wer zündet weiß, was er tut. Aber: Die Strafen treffen immer den gesamten Verein, alle Fans, auch, wenn es um Geisterspiele geht. Und sie scheinen unverhältnismäßig. Eine Schlägerei im Block, minutenlange Rauchschwaden und verunglimpfende Banner werden ähnlich bestraft wie ein paar Fackeln, die das Spiel nicht unterbrechen.

Was genau bringt das? Bisher nur Geld in die Kasse des DFB. Manchmal lässt man sich noch hinreißen, den Verein einen Teil der Strafe in Präventivmaßnahmen stecken zu lassen.  Immerhin. Viel zu häufig heißt es aber: Fackel – Strafe – Stille. Bis die nächste Fackel kommt. Ein Teufelskreis, der von denen gelöst werden muss, die klüger sind, beziehungsweise, die an Lösungen arbeiten wollen. Das können auf der einen Seite die Fans tun, die nicht bereit sind – ihrer eigenen Interessen wegen – dem Verein zu schaden. Auf der anderen Seite steht aber auch der DFB, der Jahr um Jahr Ideen aus Fanszenen abschmettert. Aber warum sollte man auch an Lösungen arbeiten, wenn regelmäßig so viele schöne Scheinchen rüber gereicht werden müssen?

STADION

Ein ungewöhnlicher Lichtblick

Ein gemeinsamer Feind kann verbinden. Die da oben, die ihre Entscheidungen in weißen Räumen mit teuren Uhren und hübschen Kugelschreibern treffen, gegen die hier unten, die sich die Seele aus dem Leib schreien, Trikot tragen und wieder und wieder für den Verein ackern. So können sich auch Hansa Rostock und der FC St. Pauli am gleichen Stimmungsboykott beteiligen, obwohl sie sich sonst nicht ausstehen können. Sogar gemeinsame Demonstrationen von Fangruppen aus ganz Deutschland hat es schon gegeben. Und am Ende hört man eben in nahezu jedem Stadion Deutschlands mittlerweile etwas, was eigentlich ein No-Go ist: Wechselgesänge zwischen Heim- und Auswärtsfans. „Scheiß DFB“ schallt es dann, weil Bier, Bratwurst und das Stadionerlebnis bald gegen Plastikvereine und auf Gräbern gebauten Weltmeisterschaften verlieren könnten.

Bevor es in die Kommentare geht

Lieber Leser, wir sind ein Studentenmagazin. Wir können (leider) nicht wochenlang an einem Thema arbeiten, bis es perfekt ist. Dieser Artikel ist eine Einführung für diejenigen, die bisher nicht viel wussten. Wir hätten diesem Thema auch eine ganze Website widmen können (Stadionverbote, Rechte für Auswärtsfans, etc.). Falls ihr eine Meinung habt, gut oder schlecht, dann diskutiert gerne mit uns und anderen respektvoll (!) in den Kommentaren. Wir wollen wissen, was ihr von Protesten gegen den DFB haltet. Fair? Mehr? Aussichtslos?

rostock

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3 Comments

    • Das klingt als wärst Du eher ein Fan von den englischen Verhältnissen? 🙂 Dort wird ja häufiger auf das Spiel reagiert und weniger monoton gesungen. Allerdings nicht aus Protest.
      Ein bisschen komisch wird es sich aber trotzdem anfühlen/anhören, meinst Du nicht?

      LG aus der Redaktion

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