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Die KTV: Hier will keiner wohnen

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Hallo liebe Studierende, wir spielen heute ein kleines Spiel. Ich stelle euch eine Frage und ihr dürft die erste Antwort rufen, die euch in den Sinn kommt. Okay? Los geht es.

Welche Menschen leben in der KTV?
„Studenten!“
„Junge Familien!“
„Hipster!“
„KTV-Hipster!“

Sehr gut, liebe Studierende. Und wer lebte dort früher?
„…“
„…“
„…“

Früher lebten dort diejenigen, die woanders nicht unterkamen. Diejenigen, die sonst keiner wollte.

„Wer irgendwie kann, versucht hier natürlich nicht zu wohnen.“

Dieses Zitat stammt aus der Dokumentation „Rostock von ganz unten“. Sie war ein Projekt des NDR Fernsehchefs Peter Gatter im Jahr 1993. Dargestellt wird die Kröpeliner-Tor-Vorstadt nach der Wende. Ganz unspektakulär, ohne große Soundeffekte oder einen Kommentar aus dem Off werden die Menschen gezeigt, die nach der Wende in der KTV ihre Heimat fanden. Oder dort ihre Heimat finden mussten, weil sie sonst nirgendwo jemand wollte. Resignierend erzählen die Bewohner, dass es außer dem Alkohol und dem Gang zum Amt doch nichts zu tun gäbe. Dass das in der DDR anders war, müssen sie eigentlich kaum erwähnen. Aber anders als die heutzutage teilweise glorifizierte und teilweise verhasste „Ostalgie“ (Osten+ Nostalgie), sehen wir konkrete Schicksale. Menschen, die in der DDR Arbeit und Sinn hatten und nun plötzlich nur noch den Tag irgendwie überstehen.

Screenshot aus der Dokumentation
Screenshot aus der Dokumentation

Die Stärke der Dokumentation liegt jedoch auch darin, dass beide Seiten gezeigt werden. Da berichtet ein anderer Anwohner über seine Inhaftierung, weil er der falschen Person die Meinung sagte (und besagter Person „eins aufs Maul gehauen“ hat). Neben dem wetternden Mann mittleren Alters sitzen die Älteren, die sagen, dass es ihnen besser geht als in der DDR.

Wenn sich heute jemand in der KTV übergibt, ist das auch keine Nachricht wert. Doch dann ist es meist ein Student nach dem Feiern und kein Alkoholiker zur Mittagszeit. Doch der Text könnte derselbe sein: „Kann keiner zu uns sagen, dass wir Alkoholiker sind, nur wenn [Anmerkung Redaktion: weil] wir Bier trinken.“

Screenshot aus der Dokumentation
Screenshot aus der Dokumentation

Wer die Dokumentation aufmerksam schaut, wird sich regelmäßig denken, dass er die ein oder andere Ecke doch kennt. Die Unterschiede zwischen damals und heute sind enorm. Auch das direkte Umfeld unseres Ulmencampus ist häufiger dokumentiert, aber so richtig kann man sich bei diesen Bildern keine Copy Shops, Bäcker oder Cocktail Bars vorstellen. Doch das Filmteam schafft es von Anfang an ganz nebenbei anklingen zu lassen, wie sich das Viertel verändern wird. Da fliegt hier jemand aus seiner Wohnung und dort werden die Pläne für die Sanierungen gezeigt. Und am Ende der Dokumentation weiß man schon ganz genau, wie der Wandel vom „Viertel, in dem keiner wohnen will“ zum „Viertel, in dem sie alle wohnen wollen“ vonstatten gegangen ist. Heute wohnen dieselben Leute dann in Toitenwinkel oder Lichtenhagen. Sie sind noch da und viele immer noch ohne Arbeit oder Ziele im Leben.

Screenshot aus der Dokumentation
Screenshot aus der Dokumentation

Wir lieben die Unaufgeregtheit der Dokumentation und noch viel mehr, wie sie (ganz Anti-RTL) Urteile, Häme und Spott zur Seite stellt, um über tatsächliche Schicksale zu berichten. Aber genug von uns, was sagt Ihr dazu? Könnt Ihr Euch die KTV so überhaupt noch vorstellen? Hier findet Ihr noch einmal den Link: „Rostock von ganz unten“.

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