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Vergesst alle anderen: Unser ehrlicher Literaturkanon für Euch

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FOTO: Sunshinetilli, „Die gerollten Buchblätter“, CC-LIZENZ (BY 2.0) HTTP://CREATIVECOMMONS.ORG/LICENSES/BY/2.0/DE/DEED.DE QUELLE: WWW.PIQS.DE
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Ausgerechnet für jene Wunderwerkzeuge, mit denen selbst das Fallen durch ein Kaninchenloch vorstellbar gemacht wird, werden Regeln erschaffen. Bücher. Du musst dies lesen, du sollst das lesen, wer etwas auf sich hält, liest jenes. Literaturkanone sind wie die Frauenkorsetts im frühen 20. Jahrhundert: Viel zu eng, keine Luft zum Atmen und kein Platz für eigene Wünsche – zugunsten des gesellschaftlichen Ansehens. Wir haben einen neuen, ehrlichen Literaturkanon mit eurer Hilfe für Studierende erstellt.

*Literaturkanone sind Zusammenstellungen von literarischen Werken von zeitlosem kulturellen Wert, die „du gelesen haben solltest“ und beinhalten meistens um die 50 Bücher, von denen du maximal 5 tatsächlich gelesen hast. Einen Ausschnitt aus dem Kanon von Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki findest du hier.

Warum Kanone nutzlos sind

Seit langer Zeit versuchen uns nun schon renommierte Medien und proklamierte „Vorbilder“ (etwa der Literaturkritiker Reich-Ranicki) aufzudrücken, was wir denn bitte schön gelesen haben sollten. Um der „Ökonomisierung“ und dem Leistungsdruck in der Gesellschaft entgegenzuwirken (so die Begründung für Literaturkanone von der ZEIT) werden im Klartext neue gesellschaftliche Zwänge erstellt. Wenn du die 50 Werke des Literaturkanons der ZEIT, von Reich-Ranicki, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung oder von SPON nicht gelesen hast,  bist du dann überhaupt mal zur Schule gegangen? Kein Druck, aber das solltest du schnellstens nachholen. Kein Wunder, dass eine Pisa-Studie herausgefunden hat, dass deutsche Schüler zu wenig lesen. Bekanntlich sagte schon Einstein, fünf Bücher pro Tag seien das Minimum – aber das solle doch bitte später nicht auf Facebook als Zitat von ihm verbreitet werden. Einstein? Der mit der Vier in Mathe.

Zitat-Albert-Einstein-p

Die Jury des ZEIT-Jugendkanons hat sich selbst eine Vorgabe auferlegt: Die Autoren im Kanon müssen verstorben sein. Das wirft Fragen auf. Sind Werke von zeitlosem Wert also seit mindestens 80 Jahren nicht mehr verfasst worden? Sind neue Werke nicht wertvoll? Handelt diese Jury etwa nach dem Paradigma „früher war alles besser“?

Ehrlich gesagt: Die Überschrift dieses Absatzes ist noch sehr wohlwollend formuliert. Die Autorin hat ihren Germanistik-Master abgeschlossen, ohne in ihrem ganzen Leben Goethes Faust gelesen haben zu müssen. Um aber bei der Eine-Million-Euro-Frage nicht an der Gretchenfrage zu scheitern, sollte man die vielleicht mal googeln.

Um sich aber wirklich ein Bild über die Literatur zu machen, wäre es hilfreich, nicht nur Klassiker zu lesen, sondern eben auch mal einen Krimi oder die ganz triviale Unterhaltungsperspektive von Tommy Jaud einzunehmen. Wer nur die „wirklich guten, alten“ wie Tolstoi und Frank Wedekind kennt, kann auch nicht über die deutsche Literatur in ihrer Gänze urteilen. Deshalb haben wir euch eine Mischung aus allem zusammengestellt.

 

Unser Literaturkanon

Dieser Kanon wurde aus den Empfehlungen unserer Leser und unserer Redaktion zusammengestellt.

So sollte ein Literaturkanon eingeleitet werden:

Es handelt sich bei diesem Literaturkanon um eine Empfehlung auf der Basis von eigenen Erfahrungen – es muss die Subjektivität beachtet werden. Angeführt sind Werke von zeitlosem Wert, aus denen wichtige Werte für alle Bereiche des alltäglichen, schulischen, universitären, familiären und/oder beruflichen Lebens abgeleitet werden konnten. Trifft das nicht zu, sind die Werke einfach unterhaltsam und einprägend.

Vor der Liste noch Antworten auf möglicherweise aufkommende Fragen:

  • Ja, wir vermischen absichtlich Belletristik/Trivialliteratur mit „Klassikern“, weil die Unterscheidung auch heißen könnte: Bücher, die wir wirklich lesen und Bücher, die wir lesen sollten
  • Und nein – nur, weil du in Rostock studierst, musst du Walter Kempowski oder Uwe Johnson nicht kennen
  • Ja, durchaus: Werke wie Feuchtgebiete oder die „Bis(s)“-Reihe sollte man vielleicht mal aufgeschlagen haben, wenn man sich darüber öffentlich aufregen möchte
  • Nein, ihr müsst den Diestelfink oder die „Bis(s)“-Reihe nicht komplett durchlesen, um mitzureden

Legende

* = Der Autor und kein spezifisches Werk empfohlen

A

Aaronovitch, Ben Peter-Grant-Reihe
Ahern, Cécilia Für immer vielleicht
Auel, Jean M. Erdenkinder-Zyklus
Austen, Jane Stolz und Vorurteil

B

Bánk, Zsuzsa Die hellen Tage
Barrie, J. M.
 Peter Pan
Brown, Dan Illuminati
Die Bibel

C

Carroll, Lewis Alice im Wunderland
Capote, Truman Breakfast at Tiffany’s
Carver, Tania Entrissen
Christie, Agatha *
Christopher, Lucy
Ich wünschte, ich könnte dich hassen
Cline, Ernest Ready Player One
Coleman, Rowan Wolken Wegschieben, 20 Zeilen Liebe
Collins, Suzanne Die Tribute von Panem

D

Di Fulvio, Luca Der Junge, der Träume schenkte
Dickens, Charles Eine Weihnachtsgeschichte
Dirie, Waris Wüstenblume

E

Ende, Michael Die unendliche Geschichte
Evans, Nicholas Feuerspringer

F

Fitzek, Sebastian *
Fitzgerald, F. Scott
The Great Gatsby
Foer, Jonathan Safran Tiere Essen, Extrem laut und unglaublich nah
Follett, Ken Die Jahrhundertsaga
Frank, Anne Das Tagebuch der Anne Frank
Frisch, Max Homo faber
Funke, Cornelia Tintenherz-Reihe, Herr der Diebe

G

Gaarder, Jostein Sofies Welt
Gavalder, Anna Ein geschenkter Tag
Giordano, Paolo Die Einsamkeit der Primzahlen
Gluchowski, Dmitri Alexejewitsch Metro 2033
Goethe, Johann Wolfang von Faust I
Golding, William Herr der Fliegen
Grass, Günter Die Blechtrommel
Grimm, Jacob und Wilhelm Kinder- und Hausmärchen

H

Herrndorf, Wolfang Tschick
Hesse, Hermann Unter’m Rad
Hoeren, Thomas, Leesker/Christiane Satt durch alle Semester – Das Studentenkochbuch
Hornby, Nick About a boy
Hosseini, Khaled And the Mountain Echoed

J

Jaud, Tommy *
Jonasson, Jonas 
Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

K

Kafka, Franz Irgendein Werk. Alternativ die Inszenierung „Das Schloß“ der Hochschule für Musik und Theater Rostock
King, Stephen Der dunkle Turm
Kundera, Milan Die unterträgliche Leichtigkeit des Seins

L

Lindgren, Astrid Pippi Langstrumpf/Ronja Räubertochter

M

Mann, Thomas *
Melville, Herman Moby Dick
Meyer, Stephenie *
Meyer, Kai Die Trilogie um Merle und die fließende Königin
Moers, Walter Zamonien-Romane

N

Nelson Spielman, Lori Morgen kommt ein neuer Himmel
Neuhaus, Nele *

O


Orwell, George
Farm der Tiere

P

Pelzer, Dave Sie nannten mich „Es“
Preußler, Otfried Die kleine Hexe/Krabat

R


Remarque, Erich Maria
 Im Westen nichts Neues
Rhoden, Emmy von Trotzkopf
Roche, Charlotte Feuchtgebiete
Rothfuss, Patrick Im Namen des Windes
Rowling, Joanne K. Harry Potter *
Ruiz Zafón, Carlos Der Schatten des Windes

S


Safier, David Mieses Karma/28 Tage lang
Schätzing, Frank Der Schwarm
Scholes, Katherine Die Regenkönigin
Sedaris, David Nackt
Shakespeare, William Romeo und Julia
Shan, Darren *
Sparks, Nicholas Weit wie das Meer
Stoker, Bram Dracula
Süskind, Patrick Das Parfum

T

Tartt, Donna Der Distelfink
Tolkien, J. R.R. Der Herr der Ringe
Tolstoi, Leo N. Krieg und Frieden

W


Wedekind, Frank 
Frühlings Erwachen

X

Xatar Alles oder nix

 

Wie viele davon habt ihr bereits gelesen? Schreibt es uns in die Kommentare.

 

Foto: JürgenWald, „Bücher“, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de Quelle: www.piqs.de
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http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de
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