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Die Sache mit dem Mindestlohn und der Ausbeutung

Vor genau einem Jahr schrieben wir einen Artikel darüber, wo der Mindestlohn überall eingesetzt wird und vor allem, wo nicht. Außer einige Praktikanten, sowie Azubis, Minderjährige und Langzeitarbeitslosen muss seit etwa einem Jahr jeder für seine Arbeit 8,50 Euro/Stunde bekommen.

Studentische Hilfskräfte

Wer im Monat für seine 450 Euro, die er als Student für gewöhnlich verdienen darf, demnach mehr als 52,9 Stunden arbeitet, macht irgendetwas falsch. Oder aber sein Arbeitgeber.

Wie sieht es also mittlerweile in den Betrieben aus, die dazu verpflichtet sind, den Mindestlohn zu zahlen? Und zwar an jeden, der für sie arbeitet – ebenso dem Studenten.

Auch in Rostock gibt es noch Unternehmen, die ihren Pflichten hierbei nicht nachkommen – ob sie ganz klar dazu stehen oder nicht. Besonders in der Gastronomie ist das bekannterweise der Fall.

Viele Studenten lieben ihren Job und das Team, in dem sie arbeiten, einfach so sehr. Oder sie trauen sich nicht, mit ihrem Vorgesetzten darüber zu reden, dass kein Mensch für 6 Euro/ Stunde arbeiten sollte (und im Übrigen auch nicht darf).  Nach dem Motto „Augen zu und durch.“ Einige der Studierenden sind so froh darüber, überhaupt einen Job gefunden zu haben, dass sie Angst haben, mit nichts dazustehen, wenn sie ihren Arbeitgeber verpetzen oder gar verlassen.

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Praktikanten

Aus irgendeinem Grund setzen Unternehmer Praktikanten gern als Arbeitskräfte ein. Allerdings sehen sie dabei nicht ein, sie auch wie welche zu bezahlen. Freiwillige Praktika müssen erst ab einer Dauer von über drei Monaten mit dem Mindestlohn bezahlt werden. So stieg laut FAZ im „Praktikantenspiegel“, einer Umfrage mit 6262 Praktikanten, das Durchschnittsgehalt 2015 von 771 Euro/Monat bis jetzt auf 950 Euro/Monat an.

Doch Unternehmer sind ja schlaue Bürschchen, die auch das umgehen können. So verkürzen sich Praktika einfach. 3 Monate Praktikum bei uns? Gern! Aber keinen Tag länger! So lautet die Devise.

Im „Praktikantenspiegel“ stellte man dies auch fest: längere Praktika wurden seltener, so dass sich die durchschnittliche Dauer von sechs auf fünf Monate verkürzte. Jene Praktika, welche gar nicht mehr angeboten werden, fielen aus der Befragung heraus. Sehr viele Firmen stellen seit der Einführung des Mindestlohns auch weniger Praktikanten ein.

Auch eine gängige Methode: die Unternehmer schreiben gleich aus, dass sie nur „Pflichtpraktikanten“ einstellen – auch dann entfällt der Mindestlohn. Manchmal wird sogar eine Immatrikulationsbescheinigung gefordert. Sobald man kein Student mehr ist, muss man nämlich ab dem ersten Tag bezahlt werden.

Ob die Praktikanten selbst auch so viel darüber nachdenken, würde uns interessieren. Oder geht es gar nicht immer um das Geld, sondern nur um die berufliche Erfahrung und die neuen Kontakte?

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