IKEA-Wahnsinn zu Semester-Beginn: Ersti von Eltern im Småland vergessen

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Das schwedische Einrichtungshaus platzt aus allen Nähten. Schuld sind wie immer die Erstis, die mit ängstlichem Blick und Schnodder-Nase, an den Händen ihrer Eltern, nach Möbeln für die ersten eigenen vier Wände suchen. StudentsStudents hat sich in den hauseigenen Hubschrauber gesetzt, um das Chaos von oben zu betrachten. Wir waren Live vor Ort und schickten unseren Autor direkt in den Sturm.

StudentsStudents-Großeinsatz

+++ 9.30 Uhr +++ Leute campieren vor den Eingängen +++

Völlig übermüdet hebt das Redaktionsteam in ihrem nagelneuen Hubschrauber ab. Ziel: IKEA. Bussler mosert. Normalerweise geht er jetzt erst ins Bett. Knapp am Bebel-Tower vorbeigeschrammt, erblicken wir wenig später, dass die Hamburger Straße total verstopft ist. Der Stau führt direkt auf den Parkplatz des IKEA. Menschen haben sich Schlafsäcke und Wurfzelte mitgebracht und scheinen die Nacht vor den Eingängen des Einrichtungshauses campiert zu haben.

+++ 9.55 Uhr +++ Kollege Bussler wird abgeseilt +++

In 5 Minuten geht es los. Die Stimmung ist angespannt. Ein paar IKEA-Ultras zünden blau-gelbe Bengalos. Kollege Bussler wird trotzdem aus dem Helicopter abgeseilt. Einige Besucher erkennen darin den Versuch, sich in der Schlange vorzudrängeln. Wütend zerrt ein Mann namens Herr Ziesemeyer am Seil und bringt den Hubschrauber in schwere Turbulenzen. Bussler muss springen und wird zur Begrüßung gleich ans Ende der Schlange geprügelt.

Mit dem Parkplatz-Mambo von Grönemeyer in den Ohren suchen die Leute diese eine Lücke.

+++ 10 Uhr +++ IKEA öffnet seine Pforten +++

Punkt 10 Uhr setzt sich die Drehtür in Gang. Szenen wie auf einem Tokio-Hotel-Konzert Mitte der 2000er. Jeder giert nach „Hemnes“, „Billy“ oder „Magnarp“. Und natürlich wollen die Eltern auch noch ein Plüschtier abbekommen, das ihren Ersti-Zöglingen in den ersten einsamen Wochen die Tränen trocknen soll. Viele von diesen Erstis werden im Småland abgegeben, schließlich wissen ihre Eltern besser, was in das WG-Zimmer ihrer Kinder passt. Bereits diese Trennung erweist sich als große emotionale Herausforderung.

Ein Vater gibt seine beiden Ersti-Kinder im Småland ab. – Foto: instagram @sepiri

+++ 10.56 Uhr +++ Holzbleistifte sind aus +++

Bereits nach 56 Minuten sucht man vergebens nach den kleinen Holzbleistiften. Dichtes Gedränge am Informationsschalter. Mies gelaunte Väter wedeln demonstrativ mit den Grundrissen der Zimmer ihrer Kinder. Herr Ziesemeyer schwört „bei Gott“, fortan nur noch die AfD zu wählen. Das hat Frau Merkel nun davon. Eigentlich war IKEA auf diesen Ansturm vorbereitet und hatte doppelt so viele Bleistiftchen im Sortiment als sonst. Ratlosigkeit bei den Fachkräften.

+++11.24 Uhr +++ Holzbleistift-Krise löst sich auf +++

Nach 28 Minuten können die Gemüter endlich beruhigt werden. Ein Mann mittleren Alters wurde gefasst, der im großen Stil sämtliche Holzbleistifte entwendete. Im Verhör gesteht er, die Bleistifte zu sammeln, um daraus Skulpturen zu basteln. Rührende Geschichte, doch die Stifte müssen zurück.

Der beliebteste Bleistift der Welt.

+++11.48 Uhr +++ Stau am Knotenpunkt „Kinderabteilung-Treppe-Kantine“ +++

Hier geht es zu wie auf dem Berliner Ring.  Während einige Eltern noch damit beschäftigt sind, sich in der Kinderabteilung für das WG-Zimmer ihrer Lütten inspirieren zu lassen, drängen hungrige Mäuler Richtung Kantine. Andere wiederum halten den Verkehr auf und stehen wenig entscheidungsfreudig an der Treppe, die in die untere Etage führt, wo die Erstis heulend im Småland warten. Köttbullar-Pause oder den Trip fortsetzen? Die Entscheidung fällt zögernd pro Köttbullar. Ist ja gleich Mittagszeit.

+++12 Uhr +++ Mittagspause in der IKEA-Kantine +++

Auch Kollege Bussler gönnt sich eine Pause und lässt sich bereits den Nachtisch schmecken: eine leckere Daim-Torte. Plötzlich klirrt und scheppert es. Ein Ersti hat sein Tablett fallen lassen. Herr Ziesemeyer applaudiert genervt. Die Arme des Jungstudenten sind noch zu kurz, um das schwere Tablett gerade zu halten. Bedröppelt guckt der Ersti mit bebender Unterlippe auf das Unheil, das er angerichtet hat. Schon kommt die Mutter in Stechschritten herbei, zieht ihr Kind festen Griffes am Handgelenkt fort und steckt es nun ins Småland. Heute gibt es dann kein Mittagessen.

Lechz. – Foto: instagram @bergermaximilian

+++13.30 Uhr +++ Vater schläft beim Probeliegen ein +++

Nach dem Mittagessen überreden unzählige Väter die Familie, nochmal zurück zu den Betten zu gehen. Sie sind sich noch nicht sicher, ob die ausgewählte Matratze, die optimalste ist. Ein erneutes Probeliegen ist notwendig – vielleicht sogar ein Probeschlafen. Kurz darauf ist das Matratzen-Abteil belegt von schnarchenden Männern. Entnervt ziehen die Frauen allein weiter. 

+++ 16.03 Uhr +++ Die Zwillinge Clara und Henning wollen aus dem Småland abgeholt werden +++

Über Lautsprecher ertönt der Ausruf, dass die beiden Ersti-Zwillinge die Schnauze voll haben vom Småland. Niemand kommt. Auch beim dritten oder vierten Mal nicht. Clara und Henning, so stellt sich heraus, wurden vergessen. Zwischen ihren Eltern brach Streit aus, woraufhin beide wutentbrannt das Einrichtungshaus verließen. Clara und Henning sind nun Eigentum von IKEA.

Die Belohnung am Ende. – Foto: instagram @susesupa

+++18.10 Uhr +++ Endlos-Schlange am Hot-Dog-Stand +++

Die Schlange am Hot-Dog-Stand reicht an den Kassen vorbei bis zur IKEA-Kantine. Mit Schweißperlen auf der Stirn gucken die Väter auf die Uhr. In 20 Minuten beginnt die ARD-Sportschau zur Fußball-Bundesliga. Herr Ziesemeyer verliert die Nerven und hetzt gegen die vermeintlich schwedischen Migranten, die hier arbeiten.

+++19.20 Uhr +++ Hilflosigkeit an Selbstbedienungskassen +++

Eigentlich ist das keine Raketenwissenschaft. Aber lieber fünfmal nachgefragt als einmal nachgedacht. Ein schablonenartiges Bild, wie die Besucher in der einen Hand irgendeine Topfpflanze halten und in der anderen das Scann-Gerät. Und nu? Der Blick geht wortlos halb fragend, halb fordernd zu einem der IKEA-Angestellten. Ach, so geht das. Die Situation an den Kassen bleibt unübersichtlich kritisch.

Bevor es zur Kasse geht, müssen jedoch noch die heiligen Möbelhallen nach der richtigen Nummer durchsucht werden.

+++ 19.50 Uhr +++ Mütter holen die Erstis aus dem Småland +++

Nach beinahe 10 Stunden im Småland, ist nun Schluss mit Spielen. Die quengelnden Erstis werden von ihren Müttern abgeholt, die Väter indes aus den Betten geschüttelt. Sie trotten Richtung Ausgang, wo sie von Frau und Kind empfangen werden. Die Dame vor Herrn Ziesemeyer hat den letzten Hot Dog bekommen. Das regt ihn fürchterlich auf. Er wird vorsichtshalber von einem Krankenwagen abgeholt – das ganze Aufregen tat seinem Herzen nicht so gut. Bussler muss den Bus nehmen, da die Kollegen nicht warten wollten. Schließlich geht es um 20 Uhr zum Nachglühen ins Büro. Immerhin hat er sich neue Kleiderbügel gekauft.

StudentsStudents sagt zum Abschied:

„Adjö!“

Das war: Schwedisch.

rostock

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