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Die Geschichte vom Fünfti in der Ersti-Vorlesung

Die Geschichte vom Fünfti

Es war einmal an einem kalten Herbsttag im Oktober… Okay. Diese Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, sollte wirklich alles andere als märchenhaft beginnen, denn das ist sie bei weitem nicht. Erfahrt im Folgenden, wieso zur Hölle ein Fünftsemester in einer Ersti-Veranstaltung sitzt und zu welchen kuriosen Situationen es dabei kam. Und ja, es hat sich tatsächlich genau so zugetragen.

Wie es dazu kam…

Alles begann im ersten Semester in der Fachrichtung Biologie. Ich bin wirklich an vielen Dingen interessiert. Chemie gehört aber leider überhaupt nicht dazu, sodass ich einen folgenschweren Fehler beging und das Chemie-Modul auf’s dritte Semester verschob. Einen Fehler, den ich heute bereue, welcher euch aber immerhin diese nette Geschichte beschert.

Nun werdet ihr euch denken: Moment mal, im Titel steht aber etwas von „Fünfti“ und nicht „Drittsemester“. Das ist richtig, allerdings studiere ich Englisch bereits im fünften Semester, was im späteren Verlauf der Geschichte noch teilweise relevant wird.

Wie die Vorlesung ablief…

So kam es also, dass ich im eigentlich fünften Semester noch einmal eine Zeitreise gen Vergangenheit machen durfte und erleben konnte, weshalb Memes über Erstis tatsächlich urkomisch sind und gleichzeitig traurigerweise sogar zutreffen. Zumindest zum Teil. Im völlig überfüllten Hörsaal angekommen, konnte ich glücklicherweise noch einen Sitzplatz am Rand ergattern. Neben mir eine Ersti-Studierende, die Stift und Notizblock akkurat nebeneinander auf dem Klapptisch vor sich platziert hatte. In Erinnerungen schwelgend ertappte ich mich dabei, wie ich an meine Ersti-Zeit zurück dachte und ebenso motiviert war. Irgendwie hat das ja auch etwas Schönes.

Andererseits dachte ich mir, dass ich froh bin zu wissen, wann und wobei ich meine Motivation an der Uni am sinnvollsten einsetze. Und Vorlesungen in der ersten Woche gehören definitiv nicht dazu. Vor allem weil man noch im Ferien-Trott hängt und auf der ersten Vorlesungswoche fett ORGA (also Entspannung) steht. Und nichts weiteres. Aber ich schweife ab.

Kaum fängt der Prof an zu reden, kann man eine Stecknadel im Saal fallen hören – ehrfürchtiges Schweigen im Saal. Nach einer kurzen Ansprache und der gefühlt tausendsten Erklärung, was das akademische Viertel sei (ganz im ernst, wozu wird das jedes mal erläutert?!), passiert es plötzlich. Die Stille wird durch das explosionsartige Aufschmeißen der Türen gestört und etwa 40 weitere (offensichtliche) Erstis stürmen wie die Lemminge hintereinander hinein, weil sie offenbar erst jetzt den Saal gefunden haben. Nicht schlimm – passiert. Erlebt man aber tatsächlich so auch nur in der ersten Woche.

Der Prof – Profi wie er ist, steht ja schließlich in seinem Titel – händelt die Situation natürlich mit links und fängt noch einmal komplett von vorne an. Und ja, auch das akademische Viertel wurde noch einmal haarklein ausdiskutiert und erläutert. Nachdem dann sämtliche Standard-Dinge geklärt wurden (welche Bücher man leihen sollte, vor allem aber wo), ging es ans Eingemachte. Man muss dazu sagen, dass der Fachbereich Biologie etwas speziell ist hinsichtlich der Modul-Einschreibung, was der einzige Grund für meine körperliche Anwesenheit an diesem Tage war.

So ist es nämlich üblich, dass häufig vor Ort ein Passwort genannt wird, mit dem man sich in den Kurs oder die Vorlesung eintragen kann. Nach einer halben Stunde mit Begrüßung und Orga-Kram, rückte der Prof allerdings mit der Tatsache heraus, dass ihm völlig gleich sei, wer an seiner Vorlesung teilnimmt und dass man sich nirgends eintragen könne. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass ich tatsächlich um 8 Uhr auf einen Montag in der Uni aufgekreuzt bin, um mir Lehren über das akademische Viertel reinzuziehen. Zum mindestens drölften Mal!

Doch als wäre dies nicht genug, musste ich noch mehr Schrecken erfahren. Neben zwei geplanten Vorlesungen für ein Modul mit gerade einmal drei (!) Leistungspunkten, wurde ebenso ein Seminar und ein Praktikum angesetzt. Ich fiel aus allen Wolken. Nur das vorbildliche Ersti-Mädchen neben mir nickte dem Prof zu, als ob es das Selbstverständlichste auf Erden wäre.

In diesem Moment konnte ich nicht anders und musste meinem Ärger Luft machen. Ich meldete mich und fragte mit voller Überzeugung, ob das denn tatsächlich alles Pflicht sei bei gerade einmal 3 Leistungspunkten. Auf das mittlerweile leicht entstandene Murmeln im Hörsaal folgte sofort wieder die erbitterte Stille von vor einer halben Stunde, als ob jemand einen unangebrachten Witz in einer Bar gerissen hätte. Der Prof – sichtlich irritiert von meiner „Gegenwehr“, immerhin ist es lediglich eine Ersti-Veranstaltung – reagierte verdutzt und beantwortete die Frage damit, dass sich dies auf jeden Fall lohnen würde und es von ihm empfohlen wird. Ich entgegnete, dass es dann also mit anderen Worten freiwillig sei, was er wiederum bejahte. Mein Schreck verzog sich – Semester gerettet. Denkste.

Um noch einen drauf zu setzen, meldete sich ein anderer Ersti (offensichtlich ebenso motiviert wie meine Sitznachbarin) und verkündete, dass das aber eine tolle Sache sei, wenn Extrastoff angeboten wird und dass dies schließlich auch nur zu dem Vorteil aller Studenten sei. Und ja, das kam tatsächlich von einem Studi – und nicht vom Prof. Mit dieser Spitze, die offensichtlich in meine Richtung ging, verließ ich den Saal mit gemischten Gefühlen. Einerseits, weil ich mich in meiner Faulheit ertappt gefühlt hatte, andererseits aber auch, weil die Vorlesung endlich vorbei war und ich mich wieder gleichgesinnten Faultieren aus höheren Semestern zuwenden konnte!

Was ich aus der Vorlesung ziehe…

Ich bleibe deshalb dabei: Ein Aufwand für die Uni ist an den richtigen Stellen immer wichtig und sinnvoll! Das Stichwort ist aber an den richtigen Stellen. Und Erstsemester Vorlesungen mit solch einem hohen freiwilligen Aufwand, in denen es gerade einmal 3 Leistungspunkte zu erlangen gibt, gehören nicht zu diesen Stellen. In diesem Punkt bin ich froh, von meinen Erfahrungen aus vergangenen Semestern Gebrauch zu machen. Dennoch bleibt festzuhalten: Motivierte Erstis sind drollig und irgendwie toll!

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