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Süße Robben in Rostock

Rostock ist zwar ein schönes Ostseestädtchen, aber eben auch sehr beschaulich. Manchmal fällt es schwer, etwas Neues zu unternehmen, weil man das Gefühl hat, alles schon gesehen zu haben. Für diejenigen, die eine kleine, charmante Ausflugsperle suchen, liegt ganz versteckt hinter der Yachthafenresidenz Hohe Düne die Lichtenberg. Und was gibt es da?

Lichtenberg Forschungsschiff Marine Science Center Hohe Düne Robbenstation Rostock

ROBBEN!

Die Lichtenberg ist ein Forschungsschiff, das zum Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock gehört und das Marine Science Center beherbergt. Außer in der Winterpause von Dezember bis April, steht das Schiff auch für neugierige Besucher offen. Neun Seehunde, zwei Seelöwen und ein Seebär tummeln sich dort in einer direkt in die Ostsee integrierte Netzanlage mit Schwimminseln und mehreren separaten Becken. Robbenbabys gibt es leider nicht zu sehen, da alle Tiere männlich sind.

Seehund
Seelöwen
Seebären

Zugegeben: Das Schiff und die Anlage sind eher klein (obwohl unsere Rostocker Station die größte Robbenstation der Welt ist!) und die „normalen“ Besucher dürfen sich ausschließlich auf dem Deck der Lichtenberg aufhalten. Da könnte man den Eindruck bekommen, dass man nach zwanzig Minuten durch ist und irgendwie nichts außergewöhnliches erlebt hat.

Aber die Art, wie sich die Robben durch ihren Lebensraum bewegen, die Besucher frech mit ihren runden Augen knapp über der Wasseroberfläche angucken und schnauben, als wenn ihnen alles egal wäre, ist so faszinierend und beruhigend zugleich, dass man ihnen stundenlang wie gebannt zusehen könnte.

Arbeitsgruppe „Sensorische und kognitive Ökologie“

Auch wenn es Zootiere sind, werden die Robben dort aber eigentlich nicht für die Bespaßung von Besuchern gehalten, sondern zu Forschungszwecken. Seit 2008 beschäftigt sich die Arbeitsgruppe „Sensorische und kognitive Ökologie“ des Instituts für Biowissenschaften mit den Fähigkeiten der Meeressäuger. Was mit Robben begann, schließt mittlerweile auch Oktopoden, Pinguine und Fische mit ein. Die wahren Helden – zumindest für die Besucher – sind aber immer noch die Robben.

Die komplette Netzanlage inklusive des Forschungsschiffes ist mit verschiedenen Versuchsbecken für visuelle und akustische Experimente ausgestattet. Darüber hinaus können die Tiere auf Booten auf das offene Meer mitgenommen werden, um dort lebensechtere Versuche durchführen zu können.

Lichtenberg Forschungsschiff Marine Science Center Hohe Düne Robbenstation Rostock Versuchsbecken

Wozu die Forschung?

Zum einen geht es um die Grundlagenforschung. Momentan ist immer noch sehr wenig über die Orientierungsleistungen und wie genau sie funktionieren bekannt. Sensorische und kognitive Experimente an Meeressäugern im Marine Science Center sollen genauere, grundlegende Informationen darüber liefern. Doch nicht nur zoologisch sind neue Erkenntnisse höchst relevant, sondern auch technisch .

In der Bionik geht es darum, Technik nach tierischem oder pflanzlichem Vorbild zu entwickeln. Die Ergebnisse sensorischer Experimente an Robben liefern beispielsweise Ansätze dafür, wie technische Sensoren in Bereichen wie der Unterwasserrobotik umgesetzt werden können.

Robben-Training

Damit die Robben bei den Experimenten auch mitspielen, werden sie täglich trainiert. Das macht nicht nur die Durchführung der Versuche für Mensch und Tier leichter, sondern bietet auch die Möglichkeit, die Gesundheit der Tiere spielerisch zu checken. Das Training ist gerade für die Besucher ein Highlight, wenn die Robben sich von ihrer artistischen Seite zeigen.

Die Versuche sind für die Tiere übrigens nicht schädlich! Auch wenn das Wort „Versuch“ gerade im Zusammenhang mit Experimenten an Tieren negativ belegt ist und Gedanken an kranke Labormäuse schnell aufkommen, haben diese Versuche nichts damit zu tun. Hier zwei Beispiele für haptische und visuelle Experimente:

Ein ganz besonderes Erlebnis

Wer nicht nur gucken, sondern die Robben hautnah erleben möchte, kann direkt beim Training mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter dabei sein. Anfassen ist hier nach den Anweisungen des Trainers erlaubt. Wem das immer noch nicht genug ist, der kann mit den Tieren auch schwimmen oder tauchen und für kurze Zeit ein Teil der kleinen Robbenkolonie werden. Und falls sich jemand wirklich für die Arbeit mit den Tieren interessiert und einen Tag lang Betreuer sein möchte, kann dort auch ein Tagespraktikum absolvieren. Alles ist allerdings mit etwas höheren Kosten verbunden!


Wer prinzipiell gerne Tiere beobachtet und nicht unbedingt in den touristenbepackten Zoo möchte, wird an den Robben des Marine Science Centers sicher Freude haben. Die Winterpause beginnt im Dezember, also ist Schnellsein angesagt!


Marine Science Center – Robbenstation Hohe Düne | Mai bis Ende Oktober: Mo-So 10 bis 17 Uhr (16 Uhr letzter Einlass); November: Do-So 10 bis 16 Uhr (15 Uhr letzter Einlass) | 5€ für Studierende

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