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Rostocker verpasst Hanse Sail und wird aus der Stadt geworfen

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Richter: Wir verhandeln heute den Fall von Daniel B.! Ihm wird vorgeworfen, seinen Status als Rostocker durch fehlerhaftes Verhalten im Zusammenhang mit der Hanse Sail in Gefahr gebracht zu haben.

*Das Publikum im Gerichtssaal redet ruhig untereinander, niemand ist besonders geschockt von dieser Aussage, es gibt ein paar Diskussionen*

Staatsanwalt: Ja, Euer Ehren, Herr B. hat es nicht nur unterlassen, die diesjährige Hanse Sail zu besuchen, er zeigt auch keinerlei Reue. In einem Verhör sagte er sogar, dass er die Hanse Sail nie besucht hätte.

Verteidigung: Auch wenn Herr B. sich damit ungewöhnlich verhalten hat, ist es absolut lächerlich, daraus zu schlussfolgern, dass er kein guter Rostocker wäre. Wir haben zahlreiche Beweise dafür geliefert, dass sogar sehr viele Rostocker die Hanse Sail für ein übertriebenes Spektakel halten.

Richter: Ich sehe das ähnlich wie die Verteidigung, Herr Staatsanwalt. Der Angeklagte hat sicherlich viele andere Wege, um sich als echter Rostocker zu beweisen. Die Hanse Sail ist für mich kein ausschlaggebendes Kriterium.

Staatsanwalt: Ich wünschte, es wäre so. Wir sind nun seit einigen Wochen dabei, den Alltag des Herrn B. zu rekonstruieren und müssen sagen, dass wir so etwas noch nie erlebt haben. Darf ich vortreten?

Richter: Bitte.



Staatsanwalt: Beweisstück Nummer 1 ist ein Interview von Herrn B., das er der Ostseezeitung gab. Darin bestätigt er selbst, dass er – obwohl er in Rostock geboren wurde – noch nie ein Spiel des FC Hansa besucht hat.

*Ein Raunen geht durch das Publikum*

Verteidigung: Einspruch, Euer Ehren. Der Staatsanwalt wiederholt hier praktisch die gleiche Anschuldigung wie bei der Hanse Sail. Wir können innerhalb weniger Minuten dutzende Rostocker finden, die noch nie bei einem Spiel waren.

Staatsanwalt: Und Sie, Herr Verteidiger? Waren Sie schon einmal beim Spiel?

Verteidigung: Das tut doch nichts zur Sache…

Richter: Das reicht. Haben Sie noch weitere Beweise oder wollen Sie unsere Zeit verschwenden?



Staatsanwalt: Ich bin froh, dass Sie fragen. Bevor wir uns noch über Details streiten, kommen hier etliche Beweise dafür, dass Herr B. seinen Rostock-Status mit Füßen tritt. Seine eigene Familie bestätigt, dass Herr B. sich weigert, außerhalb der Morgenstunden das Wort „Moin“ zu benutzen. Er behauptet, diesen Gruß könne man nur morgens verwenden. Als sei das nicht genug, sagt er, ich möchte es kaum glauben, zum Pornobrunnen nur Brunnen der Lebensfreude.

*Entsetztes Aufschreien im Publikum. Jemand buht.*

Richter: Ruhe im Saal! Herr Staatsanwalt, fahren Sie fort.



Staatsanwalt: Es wird leider nicht schöner. Herr B. hat noch nie den REWE am Doberaner Platz genutzt, obwohl er nach eigenen Angaben gerne feiern geht. Wenn er am Holbeinplatz von der S-Bahn in die Straßenbahn umsteigt – oder umgekehrt – dann wartet er auf die nächste Bahn, anstatt wie alle anderen die Treppen rauf oder runter zu sprinten, als würde das Leben davon abhängen.

*Ein Zuschauer springt empört auf und wird vom Sicherheitsdienst herausgebracht*

*Der Verteidiger spricht aufgeregt mit Herrn B., der keine Regung zeigt*

Staatsanwalt: Voller Stolz, meine Damen und Herren, gibt Herr B. zu, dass er am liebsten gemeinsam mit den Touristen in den Rostocker Zoo geht, anstatt – wie jeder vernünftige Rostocker – außerhalb der Stoßzeiten hinzugehen!

*Ein Fischbrötchen fliegt in Richtung von Daniel B.*



Staatsanwalt: Als wir ihn das erste Mal befragten, lief auf Antenne MV gerade Endboss. Nicht nur, dass er nicht in der Lage war, die Frage zu beantworten, „ob sie mich bei Hansa Rostock wohl nehm“, er fragte sogar ganz dreist, von wem der Song überhaupt sei.

Richter: Das meinen Sie nicht ernst.

Staatsanwalt: Leider doch. Als wäre das nicht genug, hat er über seinen Facebook-Account mitgeteilt, dass er keine Meinung dazu hätte, welches Cinestar in Rostock das bessere wäre.

Richter: Das ist absolute Blasphemie! Herr Verteidiger, was haben Sie dazu zu sagen?

Verteidigung: Ich mag das Capitol lieber.



Richter: Unsinn! Aber immerhin haben Sie eine Meinung. Was ist mit Ihrem Mandanten? Wollen Sie mir als nächstes erzählen, dass er noch nie über Touristen aus Sachsen gelästert hat oder die Ampelschaltung in Rostock für sinnvoll hält?

*Verteidiger schaut zu Daniel B. und dieser zuckt mit den Schultern*

*Eine Frau aus dem Publikum fällt in Ohnmacht*

Staatsanwalt: Wie Sie sehen, kann Herr B. unmöglich weiter als echter Rostocker bezeichnet werden. Wir beantragen daher, dass er mit sofortiger Wirkung die Stadt verlassen muss.

*Daniel B. springt auf*

Daniel B.: Das ist doch völlig absurd! Was interessiert mich denn dieser Mahteeria oder ob jemand aus Sachsen kommt – das sind doch auch nur Menschen!

*Gelächter im Publikum, auch der Richter hebt überrascht eine Augenbraue*

Richter: Herr B., wir haben hier eine gewaltige Beweislage, die zeigt, dass Sie keinerlei Verständnis für Rostock aufbringen. Ich bin jedoch gewillt, Sie hier weiterhin wohnen zu lassen, allerdings unter dem Status des „Zugezogenen“. Dieser Deal ist an eine Bedingung geknüpft. Sagen Sie mir, wer dieser Mann ist.

*Richter hält Bild von Michael Tryanowski hoch*

Daniel B.: Ist das eine Fangfrage? Das ist irgendein Typ mit einem Akkordeon.

Richter: Abführen! Sofort!

*Das Publik jubelt, jemand stimmt Hansa Forever an, Marteria springt hinter einer Zimmerpflanze hervor und alle ziehen gemeinsam in Richtung Doberaner Platz, um sich einen Dobi-Döner zu gönnen, obwohl sie wissen, dass er nicht besonders gut ist.*


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