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Rostocker Stadthafen: Kein Bock auf BUGA und Museum (Kommentar)

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Wir befinden uns an einem Scheideweg. Der Rostocker Stadthafen, wie wir ihn kennen, könnte bald Geschichte sein. Wollen wir das? Wollen wir unsere langen Nächte am Wasser, unsere Grillabende und unsere einzigartigen Erfahrungen eintauschen, um noch mehr Touristen nach Rostock zu locken? Ein Kommentar.

Was wird im Stadthafen gebaut?

Erst einmal noch gar nichts. Doch wenn es nach den Planern geht, bald richtig viel. 90.000 Euro wurden gerade locker gemacht, um einen mobilen Zaun zu kaufen. Der soll an der Haedge Halbinsel aufgestellt (und wieder abgebaut) werden, damit dort kleine Kreuzfahrtschiffe, Yachten und Großsegler anlegen können.

Die Bundesgartenschau 2025 soll ebenfalls im Stadthafen stattfinden. Dafür soll auch das Archäologische Landesmuseum gebaut werden. Das wäre bis dahin zwar gar nicht ganz fertig, aber das scheint niemanden zu stören.


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Eine Brücke über die Warnow ist jetzt schon so lange geplant, dass sie vielleicht einfach irgendwann da ist und alle überrascht sind, dass es endlich geklappt hat. Falls sie niemals auftaucht, fällt auch keinem ein Bein ab.

Ein Plateau soll gebaut werden, damit man über die Straße „Am Strande“ laufen kann und so den vielen Verkehr umgeht. Wird aber auch eher nicht zur BUGA fertig (hier Achselzuckemoji vorstellen).

BUGA und Schulden

Niemand glaubt im Jahre 2019 noch daran, dass Großbauprojekte in dem vorher veranschlagten Zeitraum fertiggestellt werden. Geradezu ausgelacht wird man, wenn man behauptet, dass solche Projekte im geplanten Budgetrahmen bleiben.

Als Rostock 2003 die Internationale Gartenbauaustellung (IGA) ausrichtete, kamen über 2,6 Millionen Besucher. Coole Sache, letztlich stand trotzdem ein Defizit von 20 Millionen Euro zu Buche. Damals investierte man allerdings auch nur 94 Millionen – aktuell sind allein für das Archäologische Museum 80 Millionen geplant.


Mehr zum Stadthafen: Eine Liebeserklärung an die Haedgehalbinsel


Zahlen über Zahlen, die man bisher eher nüchtern betrachtete, da es Rostock finanziell seit langer Zeit wieder gut ging – dachte man zumindest. Diese Einschätzungen wurden jedoch längst korrigiert und zurecht wird festgestellt, dass das wenige Geld, das man noch hat, eher in marode Straßen und Schulen investiert werden sollte.

Was ist denn nun mit dem Stadthafen?

Nun, der wird für unsere Autorin somit zum Symbolstandort. Denn hier haben Rostocker ihre ersten Fische gefangen, ihren ersten Kuss erlebt, ihr erstes Bier getrunken. Hierher zieht es uns, wenn wir entspannen, mit Freunden grillen oder den Sonnenuntergang genießen wollen.

Er ist beim besten Willen nicht hübsch. Viel Beton und wenig Grün. Aber er gehört nun mal uns. Es geht nicht um das Aussehen, sondern darum, was wir mit ihm anstellen. Nun soll er herhalten, um ein überteuertes Prestigeprojekt zu ermöglichen, dass Rostock ohne Zweifel in die nächste Schuldenkrise stürzen wird.

Wo wird dann gespart? An Straßen, Kultur und Schulen.

Dem Tourismus geht es gut. Niemand schreit umher, dass die Besucher wegbleiben, denn sie kommen jedes Jahr auf’s Neue, die Zahlen stimmen. Müssen wir trotzdem attraktiv bleiben? Natürlich, denn wir leben vom Tourismus. Aber wir Rostocker sind jetzt schon mit horrenden Mieten und tausenden Baustellen geplagt. Rostock platzt aus allen Nähten, an allen Ecken und Enden gibt es Probleme und Wehwehchen. Ist es wirklich so falsch, dass wir sehen wollen, dass wir an erster Stelle stehen?

Halt Stop, alles bleibt so wie es ist?

Es geht hier weder um Touristen-Bashing, noch darum, jegliche Veränderung abzulehnen. Der Stadthafen kann durchaus mehr Sitzmöglichkeiten, feste Müllcontainer und den ein oder anderen Anstrich gebrauchen.

Aber er braucht keine Komplettüberholung, wenn die Bürger sie nicht mittragen. Das Archäologische Landesmuseum ist eine tolle Idee, die aber in der jetzigen Planung zu teuer ist und den Stadthafen vereinnahmen würde. Ein Anlegeplatz für Luxustouristen macht den Hafen nicht nur dreckiger, er kostet Geld und entsteht genau dort, wo Rostocker ihren Alltag verbringen.


Mehr zum Stadthafen: Die 10 Gebote des Rostocker Stadthafens


Manch einer wird argumentieren, dass diese „Der Stadthafen ist für Rostocker da“-Einstellung zu kurz gedacht ist. Immerhin müsse die Stadtentwicklung vorangetrieben werden. Doch muss sie das? Ist es wirklich klug, den Ausbau des Hafens voranzutreiben, wenn wir nicht einmal das instand halten können, was wir längst ausgebaut haben? Das ist die Frage, die man sich aus finanzieller Sicht stellen muss.

Aus Sicht eines Ur-Rostockers kann die Autorin dieses Beitrags nur sagen, dass sie Verbesserungsvorschläge für den Stadthafen hätte, ihn aber um Himmels Willen nicht aufgeben möchte. Kinder, Jugendliche, Fast-Erwachsene und Komplett-Erwachsene erleben hier alles mögliche. An der Hafenkante zu schlendern ist Therapie pur. Menschen auf den Treppenstufen lachen, feiern und weinen zu sehen, ist mehr Rostock als jede Blumenschau. Dass beim Sonnenuntergang jeder einen Platz direkt am Wasser bekommt, ist die geilste Sache überhaupt.

Also nein danke, keine BUGA und kein Museum im Stadthafen. Es ist zu teuer, es dauert zu lange, es ist einfach nicht notwendig. Der Stadthafen ist ein bisschen dreckig, ziemlich einfarbig und eher blass im Vergleich zur Hamburger oder Kieler Konkurrenz. Doch mit solchen Vorurteilen hat Rostock ohnehin zu kämpfen. Also machen wir es wie immer und beweisen allen Besuchern, dass es die Menschen sind, die einen Ort besonders machen.


Jetzt seid ihr gefragt: Wie seht ihr die Zukunft unseres Stadthafens? Und welche Erinnerung habt ihr an den Hafen, die euch für immer mit Rostock verbindet?

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2 Comments

  1. hans 27. August 2019 at 13:30

    Was für ein Artikel,
    habe mich noch gar nicht recht erholt….
    Und irgendwie habe ich hier nur “ANTI ANTI” Parolen gelesen.
    Natürlich können wir uns weiterhin in unsere kuschelige, alte, muffige Decke kuscheln und am liebsten alles so lassen wie es gerade ist. “Ist doch schön so!”

    Aber die Erde wird nicht aufhören sich zu drehen, und die Sonne am nächsten Morgen auch ein weiteres Mal aufgehen, wenn wir uns weiterentwickeln. Versprochen!

    Also ich für meinen Teil bin PRO-Buga, PRO-Madsen und PRO-Umgestaltung Stadthafen.
    Rostock muss sich weiterentwickeln.

    LEAVE YOUR COMFORTZONE!

    • Redaktion StudentsStudents 29. August 2019 at 12:06

      Moin Hans,

      erst einmal danke für Deinen Kommentar. Allerdings bist Du leider gar nicht auf den Inhalt unseres Kommentars eingegangen, in dem es unter anderem darum geht, dass man nur wenig Geld zur Verfügung hat und somit besonders gut darüber nachdenken sollte, wo es eingesetzt wird. Als Rostocker ist man den jahrelangen Sparkurs ja leider gewohnt und somit sehr vorsichtig, wenn wieder viel Geld ausgegeben werden soll.

      Wir haben nämlich gar nichts gegen Veränderung, sie sollte nur begründet und umsetzbar sein. Der Kommentar sollte zeigen, dass die Priorität vielleicht lieber bei Kulturangeboten für Rostocker und bei der Sanierung von Schulen, Spielplätzen etc. liegen sollte, die das Leben hier weiter angenehm machen. Was bringt die BUGA, wenn gleichzeitig die Kinder in maroden Schulen hocken oder Straßen gesperrt werden müssen, weil sie nicht mehr befahrbar sind?

      Liebe Grüße

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