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In MV sind die Wölfe los!

Mecklenburg-Vorpommern bietet durch den Ostseeraum, die Seenplatten und die Wälder viel Platz für Artenvielfalt. Da kann es auch schon mal passieren, dass man ganz unerwartet einem Nandu über den Weg läuft. Viele würden diese Begegnung wahrscheinlich witzig finden und gleich ihr Smartphone zücken, um den exotischen Moment später auch mit der Familie teilen zu können.

Zur MVs Artenvielfalt gehören aber auch in Verruf geratene Tiere wie der Wolf. Momentan gibt es unzählig viele Debatten darum, wie der Wolf als vermeintlich gefährliches Tier gehandhabt werden soll. Muss er geschossen werden, weil er zu viel Schaden anrichtet oder sollte er bestmöglich geschützt und unterstützt werden?

Das Stigma des Wolfes

Das Misstrauen gegenüber Wölfen ist keine Erfindung der Neuzeit. In der Vergangenheit galt der Wolf in vielen Kulturen als Zeichen des Bösen und stand oft in Verbindung mit Hexen und dunklem Zauber. In Märchen wie “Rotkäppchen” und “Der Wolf und die sieben Geißlein” ist er ein listiger Verführer. Als Werwolf steht er für Blutrünstigkeit und Bündnis mit dem Teufel. Es ist übrigens auch kein Zufall, dass Adolf Hitler sein Hauptquartier in Ostpreußen “Wolfschanze” taufte und seine U-Boottruppen “Wolfsrudel” nannte.

Besonders in naturnahen Völkern, wie den Indianern, gilt der Wolf dagegen als „Bruder“ und Symbol der Spiritualität und mütterlichen Energie. Mogli wurde im Dschungelbuch von einem Wolfsrudel aufgezogen, die Brüder Romulus und Remus wurden in der römischen Mythologie von einer Wölfin gesäugt.

Wölfe in MV

Im 19. Jahrhundert wurden die Wölfe im gesamten deutschen Raum ausgerottet. Erst seit 1990 werden sie wieder geduldet und sogar geschützt, was dazu führte, dass sie sich auf natürliche Weise vermehren konnten. Seit 2006 haben die Wölfe auch wieder einen festen Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern. Man geht davon aus, dass es derzeit 4 bis 6 Rudel mit jeweils 5 bis 7 Wölfen plus ihrem Nachwuchs sind.

Tierschützer und Wolfsliebhaber freuen sich über diesen Fortschritt. Ihnen treten aber zahlreiche verunsicherte Bürger und Landwirte entgegen, die sich über wirtschaftliche Verluste durch das Reißen von Vieh beklagen.

Warum der Wolf geschützt werden muss

Genau genommen ist es eine Sensation, dass der Wolf nach hundert Jahren der Ausrottung langsam wieder in seinen ursprünglichen Lebensraum zurückkehrt. Gerade in einer Zeit, in der das Artensterben ein großes Thema ist, wird die Rückkehr der Wölfe nach Mecklenburg-Vorpommern von Tierschützern herzlich begrüßt.

Doch trotz der erfolgreichen Wiederbesiedlung gibt es genügend Bedrohungen für den Wolf. Straßen- und Schienenverkehr, Verkleinerung des Lebensraums durch Bauprojekte, Umweltverschmutzung und teilweise auch eine Nahrungsknappheit durch Überbejagung der Lebensräume von Wölfen sind mögliche Gefahrenquellen.

Vor allem aber die illegale Tötung von Wölfen ist ein großes Problem! Nach dem Bundesjagdgesetz ist das Töten von Wölfen eigentlich eine Straftat. Hier gibt es den größten Streitpunkt, denn Landwirte und verunsicherte Bürger wünschen sich eine Auflockerung der Jagdregelung bei auffälligen Wölfen.

Was gegen das Jagdverbot von Wölfen spricht

Das größte Argument: Wölfe haben in der Region MV keine natürlichen Feinde und können sich demnach ungehindert vermehren.

Genau da liegt das Problem für viele Landwirte, insbesondere Viehzüchter. Durch die relativ schnelle Vermehrung und Ausbreitung der Wolfsrudel kommen die Tiere immer dichter an die Menschen und Viehherden heran und verlieren die Scheu. Rissschäden sind die Folge, die für die Landwirte einen Verlust bedeuten. Gerade Schafe scheinen bei Wölfen beliebt zu sein.

Gleichzeitig kostet aber auch der Artenerhalt an sich eine erhebliche Summe Geld. Laut unserem Agrarminister Till Backhaus wurden 2018 rund 260.000 Euro ausgegeben, um Landwirte nach Wolfsrissen und beim Schutz der Nutztiere zu unterstützen und um das Phänomen Wolf in MV wissenschaftlich zu begleiten.

In neueren Debatten setzt sich Backhaus dafür ein, dass das Jagdgesetz gelockert werden soll und bereits auffällig gewordene Wölfe – also die, die vermehrt Vieh reißen – geschossen werden dürfen. Gleichzeitig stellt er aber auch klar, dass der Schutz der Wölfe wichtig sei und dass es erst bei einem „ernsten Schaden“ für Tierhalter zur Tötung eines Tieres kommen dürfe.

Wolfsreservate als Lösungsansatz

Tierschützer sprechen sich dafür aus, dass es genügend Schutzmethoden gegen Wölfe gibt, wie zum Beispiel Herdenschutzhunde oder mehrere Zäune, die gestaffelt aufgestellt werden sollen. Die Befürworter einer Lockerung des Jagdgesetzes sehen darin einen immer höheren Kostenaufwand.

Ein Mittelweg wären großflächig angelegte Wolfsreservate, in denen sich die Wölfe frei bewegen können, aber keine Rissschäden verursachen. Außerdem könnten die Reservate gleich so angelegt werden, dass die Erforschung der Tiere erleichtert wird.*

Wer absolut gar nichts mit Wölfen anfangen kann oder dem Thema noch etwas skeptisch gegenübersteht, kann in den Natur- und Umweltpark Güstrow fahren. Dort gibt es Wölfe in einer reservatsähnlichen Anlage live zum Angucken. Der Park bietet sogar Dämmerungsführungen an, bei denen die Wölfe hautnah erlebt werden können!

Wie steht ihr zu dem Thema? Artenschutz oder Schutz der regionalen Nutztierhaltung? Gibt es einen Mittelweg?

*An dieser Stelle ein kleiner Buchtipp für alle, die auf Romane stehen und sich etwas mehr mit dem Thema Wolfsreservate auseinandersetzen möchten: „Bei den Wölfen“ Sarah Hall (engl. Wolf Border)!

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