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Der Selbsttest: Wie scharf ist die schärfste Currywurst Rostocks?

Es ist 1.30 Uhr in der Nacht. Ich schlendere über den Dobi. Plötzlich überkommt mich der irrsinnige Reiz, die schärfste Currywurst der Stadt zu vertilgen. Die BARke Currywurst behauptet von sich, ebenjene Wurst in ihrem Repertoire zu haben. Wie scharf ist sie wirklich, frage ich mich? Ein Kumpel sei wohl mal fast daran verreckt und hat das Kotzen gekriegt. Tut mir Leid, das kann und will ich nicht glauben, dass diese Currywurst einen so aus den Latschen haut. Also wage ich den Selbsttest.

Die legendäre 8

Foto: barke-rostock.de

Ein korpulenter Mann mit Glatze und freundlichem Gesicht lugt mit vorgebeugtem Oberkörper aus dem Fenster und stützt seinen Kopf mit der Hand. „Einmal die schärfste Currywurst, bitte. Die Schärfestufe, die unter dem Tisch steht“, sage ich selbstbewusst. Von dieser Sauce unter dem Tresen hatte ich bereits schon mehrfach gehört. „Auf eigene Gefahr“ heißt diese ominöse Stufe 8 und ist eine Mischung aus der 7. Stufe „Goa“ und einigen Tropfen aus einem kleinen, schmerzverkündenden Fläschchen auf dem „Bring The Pain“ steht. Mittlerweile steht diese Stufe auch auf der Karte – früher war das nicht so.
Ein feuriges Stillleben.

Der freundliche Glatzkopf fragt mich, ob ich die Wurst wirklich essen will. Angeblich gab es in seiner zweijährigen Karriere als Currywurst-Mann erst zwei Leute vor mir, die diese Stufe bei ihm bestellt haben – einer war vielleicht mein mimosenhafter Kumpel.

„Ist nichts für Katzenzungen.“

Den Wahnsinn im Gesicht, die Wurst in der Hand.

Seine warnende Art lässt mich stutzig werden und so vergewissere ich mich, ob Stufe 8 mich wirklich so umhauen wird. „Die Einen mögen das und die anderen nicht“, zuckt er grinsend mit den Achseln. „Ist nichts für Katzenzungen. Aber du wirst auf jeden Fall nicht davon sterben.“ Wahrscheinlich denkt der Kerl schon jetzt, dass ich ein Weichei bin, weil ich so herumdruckse mit meinem Milchbubengesicht. Aber da hat er sich geschnitten: „Ja, dann mal her damit!“
Ich kann nicht leugnen, etwas aufgeregt zu sein. Besonders seine schadenfreudige Art macht mich nervös, als er das rote Goa-Pulver auf die Wurst pudert und sich die Hände reibt, bevor er „Bring The Pain“ großzügig über die Speise träufelt.
Ich möchte die Wurst nicht vor seinen Augen essen, aus Angst doch zu versagen und schleppe die Beute wie ein Raubtier zu mir um die Ecke nach Hause. Ehrfürchtig blicke ich auf das rote Pulver und den öligen Film auf der Standard-Currysauce. Dieser Ölfilm bringt also den Schmerz.

Der innere Feuertod?

Feuer frei!

Feuer frei! Es geht los. Und ich bin nicht zimperlich beim Essen. Allmählich merke ich, wie sich die Schärfe in meinem Mund ausbreitet. Kleine vereinzelte Brände an verschiedenen Stellen der Zunge, befeuert durch Capsaicin, werden allmählich zu einem Flächenbrand in meinem Mund- und Rachenraum – ein flammendes Inferno. Der kleine Zipfel an meinem Gaumen versucht panisch in meinen Rachen zu flüchten – leider hängt er fest und kann nicht weg. Wie in Comics möchte ich am liebsten Feuer spucken. Gibt es eine Hölle, dann befindet sie sich in meinem Körper und zerreißt mit feurigen Klauen meine Innereien. Schweiß tritt aus meinen Poren, meine Augen tränen, die Nase läuft, meine Lippen fühlen sich an wie ein Schlauchboot. Ich spüre nichts mehr. Das Ende ist nahe. Ich hätte auf meinen Freund hören sollen. Stattdessen denke ich selbsthassend an den sadistischen Currywurst-Mann, während ich mich übergebe.
Morgen gibt´s gutes Wetter.

So, und jetzt mal im Ernst: Dieses beschriebene Szenarium hätte ich erwartet. Tatsächlich bin ich jedoch enttäuscht. Konzentriert suchte ich nach irgendwelchen abnormalen Signalen meines Körpers. Doch der Schmerz blieb aus. Die Nase löppt n bedden, drei kleine Schweißperlen um die Augen, ein leichtes Taubheitsgefühl meiner Zunge und ein leichtes Brennen – das alles allerdings nur während des Essens. Das Schärfegefühl hatte mitnichten eine langanhaltende Wirkung. Die mythenreiche 8 ist zweifelsohne scharf und wahrscheinlich wirklich nichts für sogenannte „Katzenzungen“, doch hatte ich, wenn schon ein signalrotes Schild für die schärfste Currywurst Rostocks wirbt, nunmal den inneren Feuertod erwartet.

Fazit

„Auf eigene Gefahr“ ist so ein Unterfangen immer. Wer empfindlich ist, lässt vielleicht besser die Finger davon – wer den absoluten Thrill sucht, allerdings auch. Ansonsten lag der Currywurst-Mann mit seiner anfänglichen Einschätzung schon sehr richtig.

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