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Unter Wölfen: Fußball gucken im Kreise der AfD

Letzte Woche ergatterte unser Autor kurz vor knapp zwei Karten für das Nordderby HSV gegen Werder Bremen. Wie sich wenig später herausstellte, waren die Karten von einem AfD-Politiker, der in diesem Artikel Herr Schneider genannt wird – seinen richtigen Namen werden wir nicht erwähnen. Wie ist es so, im Kreise der sogenannten „Alternative für Deutschland“ Fußball zu gucken?
Volkspark
Zusammen mit einem Kumpel gehe ich in das Hamburger Volksparkstadion. Die Karten bekam ich vor ein paar Tagen von einer Bekannten. Ihr Kollege, seines Zeichens Lehrer, hatte noch zwei übrig. Dankend nahm ich an. Erst später erwähnte sie, dass ihr Kollege Direktkandidat der AfD war – da hatte ich allerdings schon zugeschlagen. Angeblich sei er, laut eigener Aussage, ein gemäßigter AfD-Politiker.
Herr Schneider ist Anhänger des SV Werder Bremen, folglich sitzen wir im Gästeblock. Als mein Kumpel und ich unsere Plätze beziehen, ist er schon da. Schweigend lassen wir uns drei Sitze neben ihm nieder. Wer da wohl noch kommt?
SVW
Herr Schneider ist unscheinbar, ein ganz normaler Fan und auch nicht betrunken – ein smarter Kerl. Die wenigsten AfD-Leute sind optisch so extrovertiert rechts wie der klassische Nazi oder NPD-Politiker. Jemand von der AfD ist eher der Wolf im Schafspelz. Das macht sie so erfolgreich.
Die zwei Letzten seines Wolfsrudels kommen zehn Minuten nach Anpfiff und sind rotzevoll. Wie sich bald herausstellt, sind sie gar nicht erst an einem Schafspelz interessiert und stehen dazu, Wölfe zu sein.
„Heil Schneider“, wird der AfD-Politiker scherzhaft mit einer schroffen Umarmung begrüßt. AfD-Humor? Herr Schneider findet das nicht so lustig, schließlich wird ihm bewusst sein, dass in seiner Nähe jemand sitzt, der eine Kollegin von ihm kennt – da könnte ja etwas durchsickern.
Der eine Wolf ist etwas korpulent und komplett besoffen. Ab und zu neckt er den anderen, der ihn daraufhin kurz in den Schwitzkasten nimmt oder ihm eine sanfte Ordnungsschelle verpasst. Der zweite Wolf ist ein arisches Meisterwerk von einem Mann. Während alle anderen sitzen, steht er in der Kurve, als hätte er Rasierklingen unter den Achseln. Die Fäuste stets geballt, dass die Adern hervortreten, grimmiger Blick und eine Körperhaltung, die in Angriffsstellung nur darauf lauert, auf irgendeinen Impuls zu reagieren, um wie bekloppt am Wellenbrecher zu rütteln und gegen die Hamburger, Zitat, „Judenschweine“ zu pöbeln. Auch der Schwede Albin Ekdal ist in seinen Augen eine „verdammte Judensau“, nachdem er von einem Bremer Verteidiger umgesenst wird und kurz am Boden liegen bleibt.
Irgendwann, das Spiel plätschert ereignislos vor sich hin, stimmt der korpulentere Wolf eine äußerst kreative Umdichtung eines Bremer Fangesangs an. Anstelle von „SVW“ singt er grinsend „AfD“, freut sich scheckig über den Reim und zerrt an Herrn Schneider, der sich gekünstelt freut – es ist ihm aber sichtlich unangenehm.

Schiedsrichter Deniz Aytekin pfeift ein Foulspiel von Werder Bremen und gibt die gelbe Karte. Da ist er, der Impuls. Das arische Meisterwerk, inzwischen hatte es sich hingesetzt, springt voller Zorn auf, rüttelt am Wellenbrecher und schreit all seinen Hass gegen diesen, wieder Zitat, „Terroristen“ und „Türken-Affen“ raus. „Diese scheiß Moslems sollte man alle hängen“, schreit er und richtet sich an Herrn Schneider, der ihm verhalten zustimmt.
Im Verlauf der Partie kommt es noch zu einigen anderen fremdenfeindlichen Schimpfwörtern und rechtsradikalen Gesten. Immer wieder die „Judensau“, wahlweise auch „Nigger“ oder „Affe“, was an den dunkelhäutigen Hamburger Gideon Jung adressiert ist. Neben diesen Leuten zu sitzen, ist alles andere als angenehm.

anti afd
Quelle: Linksrhein.blogsport.de

Auch wenn Herr Schneider sich nicht zu derlei Verhalten hat hinreißen lassen, ist es doch alarmierend, wenn ein Direktkandidat der drittstärksten Partei Deutschlands mit solchen Leuten verkehrt. Bei so einem Umfeld wirkt seine Aussage, er sei „ein gemäßigter AfD-Politiker“, doch etwas absurd. Was nützt dem Wolf der Schafspelz, wenn er von seinem Rudel begleitet wird? Am Ende wundern sich die Schafe, warum die Wölfe dem vermeintlichen Artgenossen nichts tun. Vielleicht, weil es der gefährlichste Wolf ist.
Rassisten und Nazis sollten nicht zu dem Freundeskreis eines Politikers gehören, der einer Partei angehört, die im Bundestag sitzt. Mit einem Rudel Wölfe zu heulen ist keine Alternative für Deutschland.
Zum Thema Politik im Stadion könnt ihr HIER einen lesenswerten Artikel vom 25.9. lesen.

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