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Illusion Lehramt: Ein Studiengang schießt mit Platzpatronen

Das Lehramtsstudium ist einer der meist angetretenen Studiengänge Rostocks. Viele angehende Studenten denken sich wahrscheinlich, dass das ein geeigneter Job für sie sein könnte, denn sie sind ja sozial eingestellt, arbeiten gerne mit Menschen und mögen Kinder. Ferien gibt es auch im Überfluss, der Job wird gut bezahlt und überhaupt: In der eigenen Schulzeit wirkte der Lehrerberuf immer ziemlich entspannt.
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Ein großer Teil der angehenden Lehrer geht mit völlig falschen Vorstellungen an die Universitäten. Es gibt eine Schwemme von Studenten in diesem Bereich. Das ist allein an den überfüllten Seminaren und Wartelisten erkennbar. Jeder scheint sich diesen Beruf irgendwie zuzutrauen. Da nützt auch der CCT-Test nichts, der dir helfen soll, zu erkennen, ob du ein geeigneter Lehrer bist und selbstverständlich eine hohe Gefahr des Selbstbetrugs in sich birgt. Fest steht: Nicht jeder, der es von sich denkt, ist für diesen Job geeignet. Und das Lehramtsstudium trägt nicht gerade dazu bei, dies zu erkennen.
StudentsStudents berichtete bereits über die lästigen Referats-Seminare (HIER nachzulesen). Diese werden bei den Lehrämtern exzessiver betrieben als sonst irgendwo. Klar, ein angehender Schulmeister sollte sich nicht davor scheuen, Referate zu halten – darum geht es auch nicht. Doch wenn jede Sitzung eines jeden Semesters so gestaltet wird und der Lernwert sich in Grenzen hält, dann geht die Motivation und Passion für dieses Studium bald flöten und mit ihr die Vision des Berufs.
Lehren lernen
Dadurch, dass die Studenten mehr oder weniger darauf angewiesen sind, jedes Seminar, in dem sie ausnahmsweise mal einen festen Platz erhascht haben, dankbar anzunehmen, stehen die Interessen außerdem hinten an. Zum abertausendsten Mal wird über das Für und Wider von Inklusion lamentiert, unzählige Theorien und Definitionen durchgekaut, die im Wortlaut wiederzugeben sind und stets von Idealfällen gesprochen. Diese Idealfälle beziehen sich auch auf die Lösungsansätze bei Problemsituationen des späteren Berufs. Es wird meistens nur von einem Plan A geredet, selten über einen Plan B. Der Studiengang schießt lediglich mit Platzpatronen, was ihn ineffektiv macht. All die Theorien und Definitionen sind zwar bis zu einem gewissen Maß sinnvoll, doch es bereitet den Lehramtsstudenten nicht genügend auf den Beruf vor. Es entsteht eine gewisse Substanzlosigkeit.
Das Studium ist sehr praxisfern, daran ändern auch die wichtigen Schulpraktischen Übungen (SPÜ) nicht viel, die stets auf einen Show-Unterricht abzielen aber mit der Realität wenig zu tun haben. Dennoch gibt es von den SPÜs viel zu wenig. Auch die Praktika finden zu wenig Berücksichtigung. Und so bleibt die Praxis, die für den Lehrerberuf so unfassbar wichtig ist, ziemlich auf der Strecke. Das ist ein wichtiger Grund, weshalb so viele Junglehrer in den Schulen auflaufen.
Lehrer KO
Viele berufstätige Lehrer sind häufig schockiert über die schlechte Ausbildung von Referendaren, die zwar theoretisch brillieren aber die Theorien nicht anzuwenden wissen. Eine „Verwissenschaftlichung“ des Lehramtsstudiums ist für den späteren Beruf nicht sehr förderlich – das beklagen auch Referendare. Nicht selten hört man Sätze wie: „Für meinen heutigen Lehrerberuf benötige ich vielleicht 5% von dem, was an der Uni gelehrt wurde.“
Es fehlt einfach an praxisbasierten Kursen. Selbst jene, die absolut nicht für den Job geeignet sind, können problemlos bis zum Referendariat mitschwimmen und vermutlich noch Bestnoten erzielen, weil all die Hausarbeiten und Klausuren nichts über die Befähigung, Lehrer zu sein, aussagen. Und so werden die Studenten während ihrer Zeit an der Uni illusioniert, was ihren späteren Beruf angeht und irgendwann desillusioniert, wenn der harte Hammer der Realität auf sie nieder schwingt.

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