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Wohngemeinschaft mit Herz – eine wahre Geschichte

Man kennt sich seit Jahren. Man weiß, was der andere liebt, was er hasst, wie er lebt. Eine Freundschaft, die so eng ist, wie sie mit keinem der anderen Freunde ist. Weil man nicht einfach mal sagen kann: „Ich geh jetzt nach Hause.“ Man hat dasselbe zu Hause. Hier kommt man wieder her, wenn es schon wieder früh morgens, man aber trotzdem noch nicht ganz nüchtern ist und der Rest der Welt sich auf den Weg zur Arbeit macht.

Morgens zusammen frühstücken, gemeinsam in die Uni gehen, mit der ganzen Clique an den See fahren, über Dinge reden, die einen aufregen oder die einen bewegen. Kaffeetrinken, Rauchen, die Familie kennenlernen, WG-Partys schmeißen, in die Mensa fahren, umziehen – zusammen ist man weniger allein. Dies ist eine Geschichte von zwei Menschen, die irgendwann nicht mehr ohne einander konnten. Und es zunächst nicht wussten. Oder wahrhaben wollten.

Magdalena* und Rafael* kennen sich seit der Schulzeit. Sie ist relativ laut, redet viel, redet gern. Er ist Schweizer, redet langsam und ruhig, keinen Smalltalk. Sie hatte immer schon den nächsten Freund, bevor der letzte überhaupt weg war. Er hatte noch nie eine richtige Beziehung. Wirkt etwas unbeholfen in Bezug auf „Mädchen kennenlernen“.

An der Grenze zur Schweiz sind sie gemeinsam aufgewachsen. In der achten Klasse war Rafael schon einmal in Magdalena verliebt, aber sie hatte natürlich einen Freund. Nach dem Abi verloren sie sich komplett aus den Augen, weil sie in eine andere Stadt zog, um zu studieren. Dort zog sie irgendwann mit Janine* zusammen und diverse Male um.

Zwei Jahre später, als Magdalena ihr Studienfach schon einmal gewechselt hatte, rief Rafael sie an. Er wolle nun auch studieren, wisse aber noch nicht so richtig, was und wo. Die Stadt, in der Magdalena wohnte, wäre jedenfalls eine Option. Also bot sie ihm an, sie zu besuchen für eine Weile. Diese Weile dauerte drei Monate an, in denen Rafael im Durchgangszimmer von Magdalena und Janine auf einer Couch hauste.

Irgendwann gewöhnte er sich an die Stadt und an die Menschen dort. Seine Entscheidung stand also fest: er wollte bleiben. Was er zu diesem Zeitpunkt über sich und seine alte Freundin gedacht hat, ist unklar. Aber er mochte sie nach wie vor sehr gern. Ihren Freund mochte er auch. Der war anders, aber witzig. So gesprächig und stur, wie sie. Manchmal, nein oft, zickten sich die Magdalena und ihr Freund sich einfach an, um klarzumachen, wer im Recht war. Wie zwei kleine Mädchen. Vor versammelter Mannschaft.

Magdalena, Janine und Rafael suchten sich eine neue Wohnung, in der er sein eigenes Zimmer hatte. Drei Leute sind irgendwie immer einer zu viel. Eine Zeit lang verstanden sich Janine und Rafael sehr gut. Das wechselte einmal komplett durch. Das Besondere an Magdalena und Rafael war, dass sie sich gegenseitig motivierten und inspirierten. Zwar fing er durch sie auch an, zu rauchen, aber sie analysierten sich auch oft und gaben dem anderen Ratschläge, die lebensverändernd waren. Er war ein Künstlerkind und kreierte ihr ein eigenes Logo, welches sie bis heute auf ihre selbstgenähten Sachen stickt. Er wurde bodenständiger, suchte sich einen Nebenjob und tat Dinge, die ihm wichtig waren. Sie beide setzten mehr daran, sich selbst zu verwirklichen und ihre Träume wahr zu machen. Diese Verbundenheit hatte nichts mit Sex zu tun. Nichts mit betrunkenem Rumgeknutsche. Das war mehr. Mehr, als die meisten Paare haben. Vor allem diejenigen, die erst zusammen sind und sich dann kennenlernen, wobei sie merken, dass sie doch gar nicht so viele Ansichten teilen, wie zunächst ausgemalt.

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Flickr: Giuseppe Milo

Magdalenas Freund, mit dem sie nun schon drei Jahre zusammen war, wurde extrem eifersüchtig auf Rafael. Janine wusste, dass das nicht unberechtigt gewesen ist. Weil sie die beiden immer um sich hatte- ob sie zu zweit mit Kater in ihrem Bett herumsaßen, gemeinsam kochten oder auch mal zusammen in ihre Heimat fuhren.

Janine war raus. Aber das war kein Problem. Sie hätte nur gewollt, dass irgendjemand mal den A**** in der Hose gehabt hätte, diese komische Kombi aufzulösen. Es war unangenehm. Unangenehm mit den beiden allein zu sein. Sie ergänzten sich so sehr, dass es schmerzte, zu sehen, wie sich Magdalena immer öfter mit ihrem Freund stritt und Rafael weitere Jahre auf eine Erlösung wartete und jedes andere Mädchen abwimmelte. Magdalena und Janine fragten ihn immer, was ihn an diesen Mädchen störe. Er sagte, dass er einfach kein Interesse habe. Genauso gut hätte er sagen können, dass ihn nur eine interessiere.

Gegen Ende des Studiums zog Janine aus. Magdalena und ihr Freund trennten sich. Weil sie die Streitereien und die Eifersucht nicht mehr aushielten. Magdalena nahm das sehr mit. Aber irgendwie gehörten die beiden einfach nicht zusammen, das wurde ihr schließlich auch klar. Sie wollte einen Neuanfang. In einer anderen Stadt. Neue Stadt, Master, neue Leute – das würde ihr guttun. Also zog sie aus. Allerdings besuchten sie und Rafael sich oft, bis auch Magdalena sich endlich eingestand, dass sie ohne ihn nicht mehr kann. Und nicht will. Der Umzug öffnete ihr die Augen und nun führen die beiden eine Fernbeziehung. Janine musste über diese Nachricht herzhaft lachen.

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Flickr: Benurs: Learning and learning

*fiktiver Name

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