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Das Schöne am NACHHAUSEFAHREN

Es weihnachtet. Dieses Jahr ohne Schnee und mit eher frühlingshaften Temperaturen. Das ist okay. Nicht, dass weiße Weihnachten nicht auch wunderbar wären! Aber die Eiseskälte zerrt doch immer so an den Nerven. Dieses Mal laufen die Menschen nicht in Skijacken und Fausthandschuhen mit Norwegermuster umher und hangeln sich auf dem Weihnachtsmarkt von einem Glühweinstand zum nächsten. Nein. Der Winter 2015 ist anders. Und wie die kommenden Jahre in Sachen Klima so werden, ist nur zu erahnen.
Manch einer von euch ist vielleicht auch von einem kleinen Dorf in eine Stadt gezogen, um dort zu studieren. Eine Gewöhnungssache in dieser Zeit war, dass nun ALLE in eine andere Stadt gezogen waren, um zu studieren. Viele alte Freunde sah man einfach nicht mehr oder zumindest seltener. Außer zur Weihnachtszeit. Da kommen endlich alle mal wieder zusammen und darauf kann man sich schon freuen.
Am Anfang war man natürlich super froh, endlich aus JWD weg zu sein. Jetzt musste man sich keine Sorgen mehr darum machen, mit welchem der fünf Busse, die am Wochenende in die Stadt düsen, man fährt, um sich neue Schuhe kaufen zu können. Es gab plötzlich so viele Möglichkeiten. Mehr als einen Supermarkt, Freunde, die man ohne eine halbe Weltreise besuchen konnte – ganz spontan. Es gab Bibliotheken und man aß nun in richtigen Restaurants, statt beim besten Dönermann des Dorfes.
Heute ist man nicht mehr so häufig auf dem Dorf. Wozu auch? Da ist ja nichts. Außer Familie und irgendwie das richtige zu Hause. Und ja, ziemlich spießig sieht es dort auch aus. Man könnte meinen, die Leute haben einfach zu viel Zeit, wenn sie sich so viel um Haus und Hof kümmern können. Doch der Witz ist: das ist Schwachsinn. Sie nehmen sich die Zeit einfach. Weil es ihnen wichtiger ist, als ihre Profilbilder zu ändern. Manchmal scheint es auch so, als wäre die Zeit stehengeblieben. Aber so, dass es niemanden stört.
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Deshalb freut man sich jetzt sogar auf die ewigen Zugfahrten über Felder und Wiesen. Um dort anzukommen, wo man hingehört. Wo man weiß, hier kann man immer herkommen, auch wenn es einem nicht so gut geht. Wo man immer mit offenen Armen aufgenommen wird, wenn man einfach mal raus muss. Fernweh hat. Da reicht so ein Ausflug ins Ländliche manchmal schon. Nicht immer, aber immer öfter.
Hier werden Brett-und Kartenspiele gezockt, manchmal auch rumgebrüllt und getrunken. Auf alle Fälle hat man sich viel zu erzählen. Jedenfalls mehr, als früher. Als man sich um so viel kümmern musste. Um den Haushalt und darum, dass alles läuft und alle sich nach einem Streit irgendwie wieder vertragen. Damit hat man jetzt nichts mehr zu tun. Jetzt ist halt jeder für sich (und seinen eigenen Haushalt) selbst verantwortlich. Und das ist auch gut so. Nun ist man nur noch zu Besuch da und wird auch so behandelt. „Darf ich deinen Teller schon wegräumen?“, hätte vor ein paar Jahren wohl niemand gesagt.
Im Sommer sitzt man zusammen auf der Terrasse oder spielt Tischtennis. An Weihnachten gibt es leckeres Essen und vielleicht geht man mit dem Bruder sogar joggen. Das Wetter passt ja schon einmal. Der Weihnachtsbaum wurde vermutlich wieder mit denselben Kugeln geschmückt wie jedes Jahr und vielleicht trinkt Opa auch wieder einen Eierlikör zu viel.
Die Tiere der Nachbarn werden sich bemerkbar machen. Und die Nachbarn selbst sagen auch Hallo. Weil man sich hier kennt. Die alte Schule wird leer sein. Jungs mit Motorrollern werden lautstark  an einem vorbeiziehen und dabei ihre Jugendlichkeit ausleben. Wie wir damals. Als wir auf der Straße Abwerfball gespielt und Klingelstreiche gemacht haben.
Jedes Mal, wenn man die Familie besucht – was nun nicht mehr allzu häufig passiert – ist man erstaunt darüber, wie schnell kleine Geschwister anscheinend wachsen. Gleichzeitig ärgert man sich darüber, dass man langsam Verhaltensmuster von Oma zu übernehmen scheint.
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Und dann wird man lange Zeit gar nichts mehr hören. Weil hier einfach eine unfassbare Ruhe herrscht. Der Verkehr ist ein ganz anderer, als der im neuen Alltag. Hektik gibt es hier nicht, sondern Rücksichtnahme. Solange, bis man sich wieder zurück auf den Weg in seine Zweiraumwohnung in der Stadtmitte macht.
Es ist eine andere Welt –das kann man wohl sagen. Nicht besser, nicht schlechter – einfach anders.

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