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Kulturpolitik in Rostock – was ist da nur los?

“Theater ist in der Hansestadt Rostock historisch verwurzelt – immerhin stammt der nachweislich älteste gedruckte Theaterzettel im deutschsprachigen Raum von 1520 aus Rostock”, heißt es auf der Internetseite des Volkstheater Rostock. Theater und Rostock gehören also zusammen. Warum verstehen das nur die Politiker nicht?

Seit der Wende verringerte sich die Anzahl der Mitarbeiter am Volkstheater Rostock drastisch. Weniger als die Hälfte der 700 Angestellten von vor 1989 sind dem Theater noch geblieben. Das ist eine negative Entwicklung. Weiterhin wird auf der Webseite kritisiert: “Die Diskussionen über die Etats des Theaters verstärkten sich, die Intendanten wechselten öfter, manch kulturpolitisches Thema, manch Skandal wurde wichtiger, als die abendliche Aufführung.”

Am 1. September 2014 trat Sewan Latchinian seine Intendanz in Rostock an. Der Hauptausschuss der Bürgerschaft wählte ihn im Jahr zuvor. Aus gutem Grund: Sewan Latchinian hat nicht nur durch sein erfolgreich beendetes Schauspielstudium Ahnung von Theater.

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Er erhielt außerdem ein Schauspielengagement am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin. Das Deutsches Theater Berlin hat er miterfunden. Er war jahrelang selbst Schauspieler, Regisseur und Oberspielleiter in unterschiedlichen Städten. Zehn Jahre lang war er Intendant der Neue Bühne Senftenberg. Diese wurde vom Magazin Theater heute einst zum Theater des Jahres gewählt.

Latchinian wurde für den Deutschen Theaterpreis “Der Faust” in der Kategorie “Beste Regie” nominiert…und. so. weiter. Eine gute Wahl der Rostocker Bürgerschaft also. Doch nun – nicht einmal ein Jahr später – haben sie den erfahrenen Mann schon wieder zum Gehen gezwungen.

Als Anlass hierfür wurde Latchinians öffentlich dargestellter Vergleich der Theaterpolitik von Mecklenburg-Vorpommern mit der Kulturzerstörung durch die Terrormiliz Islamischer Staat genannt. Er selbst verteidigte sich damit, dass er ein Recht auf poetische und satirische Zuspitzung habe.

Doch der ehemalige Intendent ist der Regierung schon länger ein Dorn im Auge gewesen. Rostocker Politiker sind der Meinung, dass das Volkstheater seine vier Sparten auf zwei begrenzen soll – natürlich auf Grund von Geldsorgen. Das komplette Tanz-und Musiktheater, sowie 80 Mitarbeiten können also nach Hause fahren.

Mit dieser Veränderung sind weder die meisten Rostocker Theaterbesucher, noch Latchinian einverstanden.
Auch die fristlose Entlassung von Sewan Latchinian können und wollen die Rostocker nicht akzeptieren. Das teilten 500 von ihnen lautstark bei einer Demo am 31. März mit. Danach besetzten sie das Rathaus. Ob das etwas gebracht hat? Wir werden sehen.

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