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Regelstudienzeit gibt es nur für die Kinder reicher (netter) Eltern

Eine gewagte These. Immerhin geht es uns in Deutschland sehr viel besser als jungen Menschen in anderen Ländern – nicht nur grundsätzlich, sondern vor allem im Bezug auf das Studium. Es gibt keine horrenden Studiengebühren oder unmögliche Zugangsvoraussetzungen. Trotzdem überschreiten circa  60 Prozent die Regelstudienzeit, ganz zu schweigen von denen, die es überhaupt nicht bis zum Abschluss schaffen. Wie passt das zusammen?

Ohne BAföG

Auch wenn die neue BAföG-Reform wieder einmal kleine Verbesserungen mit sich bringt (mehr dazu) – zum Beispiel einen höheren Zuschuss für das Wohnen – so gibt es immer noch etliche Studierende, die kein BAföG beziehen können, obwohl sie es bitter nötig hätten. Viel zu häufig können (oder wollen) die Eltern sie nicht unterstützen und mit einem Minijob lassen sich die Kosten für das Leben nicht decken. Also 20 Stunden neben dem Studium ackern – Regelstudienzeit adé.

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Die Sparschweinarmee leidet unter akuter Mangelernährung

Mit BAföG

Aber auch mit der Unterstützung vom Staat oder durch die Eltern kann Arbeiten neben dem Studium notwendig werden. Aktuell liegt der Höchstsatz bei 735€. Wer auf schmalem Fuß und vielleicht in einer Stadt wie Greifswald lebt, kann damit auskommen. Unerwartete Ausgaben, vielleicht mal eine Urlaubsreise oder einfach nicht 3 bis 5 Jahre am Existenzminimum leben, machen dem aber auch einen Strich durch die Rechnung. Wer nur auf 100 Euro mehr im Monat äugt, kann das auch neben Klausuren und Hausarbeiten schaffen, aber wenn es mehr werden soll und muss, sieht das anders aus.

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Nicht jedes Sparschwein ist ein Schwein

Wie hole ich am meisten raus?

Da diesem System im Moment nicht viel entgegenzusetzen ist, bleiben viele dabei: Ich muss arbeiten, sonst kann ich mir das Studium nicht leisten. Dann sollte man es aber auch richtig machen. Denn wer für den Mindestlohn Tische abwischt, holt zu wenig aus der Situation heraus. Stattdessen sollten Studis auch den Mund aufmachen und ausreichend Gehalt fordern oder – falls das wirklich keine Option ist – wenigstens dort arbeiten, wo sie wertvolle Erfahrungen sammeln können.

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Der BAföG Höchstsatz liegt aktuell bei 735€. Nehmen wir an, das würde reichen (falls die Bundesregierung mitliest, das reicht nicht!): Ein Studi, der für 9,19€ (Mindestlohn ab 2019) arbeitet, muss im Monat 80 Stunden schuften, um das zu erreichen – neben dem Studium! Wer hingegen weiß, wie seine Zeit besser zu nutzen ist, kann beispielsweise bei unserem großen Bruder Staff Eins für einen Mindestlohn von 12€ arbeiten und ist nach höchstens 62 Stunden im Monat fertig*.

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Regelstudienzeit ist nicht alles

Wer seinem zukünftigen Arbeitgeber schlüssig erklärt, warum es mit dem Studium länger gedauert hat, wird keine Nachteile erfahren, ganz im Gegenteil. Praktische Erfahrungen sind ein Muss, um überhaupt schnell Fuß zu fassen. Doch es sollte auch allen, die gerne über Studierende urteilen, klar sein, dass man eben nicht nur zweimal die Woche einem ehemaligen Studi zuhört, einen Test schreibt und dann feiern geht. Viele ackern 20-30 Stunden für die Uni und noch mal 10-20 auf Arbeit – wer rechnen kann, erhält so eine normale Arbeitswoche oder sogar mehr, die dann am Ende aber nur 184€ für den normalen Mindestlohn (und immerhin 240€ bei Staff Eins) einbringt. Also vorsichtig sein, wenn man Studenten-Klischees bedient.

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Ein in Geld schwimmendes Sparschwein gibt es für die Regelstudienzeit nicht, dieses hier ist privilegiert

Also kennt euren Wert, lasst euch nicht einreden, dass 9,19€ genug wären und macht das Beste aus einer suboptimalen Situation. Ein Job, der euch nicht reizt oder euch nicht auf den grünen Zweig bringt, der ist eure Zeit einfach nicht wert**.

*An den Feiertagen verdient man sogar 22€ und mehr: Staff Eins.

**Ausgenommen natürlich ehrenamtliche Tätigkeiten.

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