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Guckt sich keine Sau an: Smartphones zerstören Erinnerungen

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Warnung: Falls ihr bei Großveranstaltungen alles mitfilmt, wird euch dieser Artikel nicht gefallen*. Die Autorin wird euch kräftig auf den Schlips treten. Ihr wurdet gewarnt, lasst den Shitstorm beginnen.

Warum in Gottes Namen müssen wir ständig an unseren Smartphones hängen? Ich gehe jede Wette ein, dass es Menschen gibt, die sich für das Smartphone entscheiden, wenn man ihnen die Wahl zwischen Internet und 5 Minuten mehr Zeit mit dem sterbenden Großvater lassen würde. So extrem muss es nicht sein, doch ich möchte auf eines hinaus: Die Erfahrung wird der Digitalisierung hinten angestellt.

Ein trauriges Bild

Wer auf einem Konzert steht und die ganze Zeit das Smartphone hochhält, Filter verstellt und versucht, nicht der Hinterkopf des Vordermannes im Bild zu haben, der verpasst etwas. Die eine schiefe Note vom Sänger, das coole Gitarren-Solo oder vielleicht auch die Liebe des Lebens, die neben einem steht und das Konzert tatsächlich genießt. Niemand braucht mir erzählen, dass er alles mitbekommt, wenn das Smartphone dabei ist.

Und wozu? Damit ihr es euch später anschaut. Okay, vielleicht macht das die Hälfte der Leute wirklich. Aber selbst dann, werdet ihr euch denken, dass das ein cooles Konzert war, aber das richtige Gefühl, dass ihr bei der Erinnerung haben solltet, das fehlt. Weil ihr es nie ganz gespürt habt. Besonders bei Konzerten, fühlt sich das an, wie ein Verrat an der Kunst. Ihr schuldet den Künstlern eure Aufmerksamkeit, wenn ihr denn freiwillig vor Ort seid. Und wärt ihr das nicht, würdet ihr wohl nicht filmen, oder?

Emotionen passen auf keinen Bildschirm

Nicht nur bei Musik-Veranstaltungen, auch in Fußballstadien gibt es diese Plage. Wenn deine Mannschaft in der dritten Minuten der Nachspielzeit das entscheidende Tor macht, dann brauchst du kein Smartphone. Im Gegenteil, wer in diesem Moment nicht völlig ausrastet und das Smartphone fallen lässt, der scheint eher milde interessiert als wirklich begeistert zu sein. Auch hier die Frage: Wozu das Ganze? Kameras sind immer dabei, der Moment geht nicht verloren, weil ihr ihn nicht filmt. Nur das Gefühl geht verloren, wenn ihr Angst um euer Smartphone habt und eure Gesichter in Richtung Kamera streckt, anstatt auszurasten.

Ich habe bis heute niemanden getroffen, der mir sinnvoll erklären konnte, warum er oder sie das Smartphone so missbraucht. Ich bin da auch nicht radikal: Erinnerungsfotos und ein kurzes Video gehören auch zu meinen Erlebnissen dazu. Aber nur für einen Moment, als Erinnerungsstütze für später. Trotzdem macht es mich wütend und traurig, wenn auf der Bühne ein Künstler alles gibt und vor mir die Smartphones leuchten und keiner mehr zueinander findet. Das Gemeinschaftsgefühl und die pure Emotion werden verunreinigt. Immer wieder frage ich: Wieso denn?

*Grüße an alle Kamera-Menschen, die mit Filmaufnahmen ihr Geld verdienen: Ihr seid klasse und natürlich ist der Text nicht an euch gerichtet.

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