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Abpimmeln am Strand: der FKK-Selbsttest

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Für eine Generation, die in vielerlei Hinsicht den Drang zur zwanghaften Selbstdarstellung hat und sich im Netz im übertragenen Sinne vor der Welt vollends entkleidet, sollte ein bisschen FKK eigentlich kein Problem sein. Doch dafür scheinen wir dann doch irgendwie zu prüde zu sein. Frei-Körper-Kultur ja, aber nicht in real life. Das geht dann doch zu weit. Unser Autor hat den Selbsttest gemacht und sich an den FKK-Strand von Warnemünde gelegt.

Mentale Vorbereitung
Weise Worte. – Foto: instagram@nafetslotte

FKK? Am Strand liegen ohne meinen Lendenschurz? Das ist nicht so mein Ding. Ohnehin würde es mir die Schamesröte ins Gesicht treiben, im Adamskostüm von der Dünen- zur Wasserkante zu schlurfen. Mich als Nicht-FKKler zu enttarnen, wäre auch nicht sonderlich schwer, denn auf den ersten Blick habe ich ja noch eine Badehose an, so strahlend weiß, dass sie wahrscheinlich bis nach Dänemark rüberblitzt.

Für den Selbsttest musste ich all meine Bedenken beiseite schieben, um mit Stolz in der Brust der Frei-Körper-Kultur zu frönen. Die Strandabschnitte 18-23 sind komplett textilfrei, die nächsten zwei Abschnitte sind gemischt. Doch ich bin kein Freund halber Sachen und stürze mich direkt ins Zentrum der Nacktheit: Strandabschnitt 20. Und so ziehe ich mir die Buchse runter, schmeiße sie in den Müll und baue mir mein Nest.

Erste Eindrücke
Ein mieser Vergleich, darum Asche auf mein Haupt.

Links und rechts nichts als entblößte Körper, anschaulicher kann man die Schwerkraft nicht beschreiben. Ein Paralleluniversum einer mir fremden Selbstverständlichkeit – fast schon unverschämt. Schwitzende, schwerfällige Männerkörper – wohlgenährt und braungebrannt – stehen wie in Stein gemeißelt in der prallen Sonne, die Arme in die Hüfte gestützt und observieren den Strand. Schweißtropfen sammeln sich wie Stalaktiten am Hauptring des Bauches und rinnen alsbald in einen dichten Urwald aus krisseligem Schamhaar. Kurz um: der nackte Wahnsinn.

Exemplare dieser Sorte gibt es hier viele – nicht nur Männer, auch Frauen. Eindeutig sind sie hier in der Überzahl. Das Klientel hat grob geschätzt ein Durchschnittsalter von etwa 55. Junge Menschen sehe ich weniger, maximal Eltern mit kleinen Kindern. Der Großteil besteht aus altgedienten FFKlern, Profis sozusagen, frei von Komplexen, die die Zeichen der Zeit als naturgegeben akzeptieren und einen Scheiß drauf geben, dass das Alter seinen körperlichen Tribut zollt. Hier gibt es keinen Platz für Eitelkeiten. Vielleicht fehlt auch deshalb Generation „Instagram“.

Perspektivwechsel
Auch Monchi scheint noch etwas schüchtern. – Foto: instagram@monchi.fromm

Vor diesem Hintergrund erscheint mir der Selbsttest gleich viel entspannter. Ich muss mich drauf einlassen, mich fallen lassen und es einfach mal genießen, an einem Ort zu sein, an dem man in seiner gottgegebenen Hülle Mensch sein darf. Weit weg von selbstverliebten Bademeister-Atzen, hormongeschwängerten Flirt-Blamagen und der Plage des neurotischen Schönheitswahns. Nun gut, so übertrieben schlimm ist es nun auch nicht an unseren Stränden, aber ihr wisst, was ich meine. Am Strandabschnitt 20 hingegen, scheint nichts zu interessieren, außer das Baumelnlassen der Seele und am Strand abzupimmeln (sorry, wenn das jetzt nicht gegendert wurde). Es kann zwar auch Fremdscham hervorrufen, wenn man irgendeinen sorglosen Herren mit halberigiertem Glied umherlaufen sieht, aber auch das scheint niemanden zu kümmern.

Befreiung und Zweifel
Nicht die Bälle verwechseln. – Foto: instagram@clubcorsicana

Es wird Zeit, zur Tat zu schreiten und nackig ins Wasser zu steigen, denn was ist ein Strandtag ohne Badespaß? Ein Walk of Shame ist das für mich nicht, denn man ist ja unter Gleichgesinnten. Hier hat jeder schon mal einen entblößten Schwalleck am Strand gesehen. Kein Grund, auszuflippen. Im Prinzip steht man hier ja dauerhaft an der Wursttheke. Ich stolziere selbstbewusst an tiefhängenden Brüsten und Hoden vorbei, an mit Sand panierten Leuten, die Volleyball spielen. Mein Weg führt mich weiter zu einer Kolonie ledersofaartiger Rentner (hätte mich fast auf einen raufgesetzt), die sich wie eine Herde Walrösser in der Sonne aalen, mit kleinen weißen Härchen auf der vollmichschokoladebraunen Haut.

Zweifelsohne, ist man erstmal über den Zenit der Scham hinweg, dann lässt es sich hier gut aushalten. Es hat sogar fast etwas Befreiendes, besonders wenn man erstmal im Wasser ist. Das fühlt sich tatsächlich besser an als mit Badehose und sollte jeder mal erlebt haben. Doch seltsamerweise ist Nacktsein in der Sauna oder Umkleidekabine einfacher als am Strand. Wahrscheinlich, weil es schlicht ungewohnt ist, in einer für jeden zugänglichen Öffentlichkeit, nackt zu sein. Kaum auszudenken, würde ich eine meiner betagten Dozentinnen antreffen. Das hätte ich nicht erleben wollen.

Fazit
Nackedei. – Foto: instagram@matteo–visone

Am Ende muss ich feststellen, dass FKK absolut eine Erfahrung wert ist und die Leute, die darauf schwören, mein vollstes Verständnis haben. Eigentlich fühlt es sich sogar in allen Bereichen besser, ja, gar gesunder an. Selbst das Gefühl, in der Sonne zu liegen, ist ein wohligeres als mit Badeshorts. Ich hatte im Endeffekt ein viel freieres Strandfeeling, wäre da nicht diese kleine psychologische Blockade, die wie ein Gespenst in meinem Kopf spukte. So ganz fallen lassen, konnte ich mich nicht. Wahrscheinlich fehlt mir da einfach die Coolness unserer Elterngeneration.

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