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Moves like „Jugger“: eine Randsportart auf dem Weg zum Trend?

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Vor ein paar Wochen bekam unsere Redaktion bei Facebook eine Nachricht von einem ominösen Account – „Der Nackte Walter“. Der Name tut hier allerdings nichts zur Sache. In der Nachricht lud er uns ein, an einem Training der von ihm betriebenen Randsportart „Jugger“ teilzunehmen. Jugger? Nie gehört. Doch die Beschreibung machte uns neugierig. Also schickten wir unseren Redakteur in die Spur, der Einladung nachzukommen – wenn man so will, als Selbsttest. 

Ein Sport für Schaumschläger? Definitiv nicht.
Das Rostocker Jugger-Team „Likedeeler“

In der immer noch sengenden Hitze eines Mittwochabends fahre ich durch den Barnstorfer Wald zum Kastanienplatz, wo sich die Spieler von Team Likedeeler im Schatten versammeln. Sie haben einheitliche Trikots mit seltsamen Rückennummern (16:9, Ö oder die Abbildung eines Fahrrads). Der Nackte Walter, der in Wirklichkeit weder nackt ist noch Walter heißt, erklärt mir die Spielregeln. Im Endeffekt ist Jugger wie eine Mischung aus Fechten und Rugby. Na, klingt das verrückt?

Was zuerst ins Auge sticht, sind die verschiedenen Spielgeräte, die wie gepolsterte Keulen und Lanzen aussehen – das sind die sogenannten Pompfen. Außerdem gibt es auch noch Schilde zur Verteidigung. Und dann wäre da noch die Kette, eine Art Morgenstern aus Schaumstoff an einem langen Seil, vor dem ich instant großen Respekt habe, als ich sehe, wie gnadenlos Nummer 16:9 damit auf seine Gegner eindrischt. Aber ist ja nur aus Schaumstoff.

Die groben Regeln
Der Jugg muss ins Mal. –Foto: Instagram @jugger.worldwide

Bei Jugger stehen sich zwei fünfköpfige Teams gegenüber, deren Ziel es ist, den in der Spielfeldmitte platzierten Spielball, den sogenannten Jugg, in das gegnerische Mal zu bringen. Das Mal kann man verbildlicht mit einem Donut vergleichen, in dessen Loch man den Jugg stecken muss. Diese Aufgabe obliegt dem Läufer, der als einziger Spieler befähigt ist, den Jugg aufzuheben und ins Ziel zu bringen. Bis der Läufer jedoch aktiv wird, müssen seine Teammitglieder ihm im Gefecht den Weg freiräumen und versuchen, mit Pompfen und Kette die Gegner zu treffen, sodass diese anschließend für wenige Sekunden auf die Knie gehen müssen und solange aus dem Spiel sind. Das schafft Räume für den Läufer, um den Jugg ins Mal zu bringen. Es gibt noch weitere kleine Details im Regelwerk, die mir jedoch erst im Verlauf des Trainings bewusst werden. Ohne alles verstanden zu haben, gehe ich hochmotiviert in das Spiel – frei nach dem Motto: Learning by doing.

Der Selbsttest: ein Ephialtes unter Spartiaten
Ein Sport epischer Kämpfe. – Foto: Instagram @jugger.worldwide

Es dauert nicht lange und ich merke, wie sehr meine ohnehin nicht vorhandene Kondition an ihre Grenzen stößt. Immer wieder kriege ich einen vor den Latz geknallt und muss extrem viel Lehrgeld zahlen. Nach meinem Selbstverständnis müsste ich das Zeug zum Leonidas der Moderne haben. In der Realität bin ich eher Ephialtes.

In der ersten Dreiviertelstunde gebe ich so viele frustrierte Kraftausdrücke und Flüche von mir, dass, wären wir im TV, jedes zweite Wort von mir mit einem Piepton hätte zensiert werden müssen. Umso großspuriger trete ich auf, wenn ich mal einen Treffer lande. Die Hybris eines Taugenichts. Peinlich. Erst recht, wenn man sich irrtümlicherweise freut, dass man seinen eigenen Spieler getroffen hat und das nicht rafft. Friendly fire. Nummer 16:9 gefällt mein hektisches, orientierungsloses Unvermögen gar nicht und staucht mich immer wieder zusammen, was mich zwar noch ehrgeiziger macht, aber eben auch noch nervöser.

Mein schlimmster Albtraum, der Mann mit der Kette. Auch ohne Schild, denn das darf er laut Regelwerk eigentlich nicht haben. – Foto: Instagram @jugger.worldwide

Kurz vor Schluss stehe ich allein der Kette gegenüber, der Angstgegner aller. Natürlich habe ich keine Chance und kriege die Kugel nach wenigen Sekunden humorlos knapp unter die Kronjuwelen. Ein kurzes „Uff“, ich sacke zusammen und liege reklamierend auf dem Boden. Game over. Der schlimmst mögliche Treffer für einen Mann. Denn, liebe Damen, am Ende ein Tipp: Wollt ihr eurem Gegengeschlecht mal so richtig wehtun, zielt nicht ins genitale Zentrum, sondern knapp unten drunter. Dann kommt Mann nämlich so richtig ins Keuchen.

Doch keine Angst, Jugger ist im Endeffekt nicht gefährlicher als irgendein anderer Sport. Und selbstverständlich geht es in keinster Weise darum, jemanden zu verletzen. Fairplay hat oberste Priorität. 

Auf den ersten Blick wirkt der Sport ein wenig nerdig und hat schon etwas von mittelalterlichen Ritterspielen, die manch einer vielleicht belächelt. Doch wenn man erstmal drin steckt und langsam hinter den Sinn des Spiels steigt, macht Jugger unfassbar viel Spaß und treibt den Adrenalinspiegel in die Höhe. Uns würde es nicht wundern, wenn Jugger in Rostock zum Trendsport wird. Jeden Mittwoch um 18 Uhr und jeden Sonntag um 14.30 Uhr trainieren die Likedeeler, um bei deutschlandweiten Turnieren ihr Können unter Beweis zu stellen. Schaut doch einfach mal vorbei und macht euch selbst ein Bild. Jeder ist eingeladen, kostenlos mitzutrainieren.

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