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7 Dinge, die Du wissen musst, bevor Du dein Studium in Rostock beendest

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Es gibt viele Arten von Studierenden. Ich würde mich zum Durchschnitt zählen. Ich bin weder der Karteikarten-Suchti noch im 19. Semester und verpasse Prüfungen, weil ich den Ort nicht finde. Ich bin also wie die meisten von euch. Uns allen pflegt man zu sagen,  dass das Studium die schönste Zeit des Lebens ist und so weiter. Da stellt sich mir eine Frage: Wie zur Hölle sollen wir es schaffen, bei dermaßen großer emotionaler Fallhöhe nicht zwangsläufig nach dem Studium in tiefe Depressionen zu verfallen? So nach dem Motto: Die schönste Zeit war schon, jetzt kommt nur noch K*cke. 

Ich habe es ausprobiert: Mit meinem Uni-Abschluss in der Tasche kann ich es sagen. Ja, es kommt K*cke. Mitunter. Ich hätte mir gewünscht, über diese 7 Dinge vorher nachgedacht zu haben – also schreibe ich sie auf, um euch vorzubereiten.
Es kommt natürlich darauf an, was ihr studiert. Ich berichte von meinen Erfahrungen mit einem Master in Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften.

Als man nach der Mensa erstmal schaukeln ging, war noch alles in Ordnung.

1. Ich sehne mich nach einem Nine-Till-Five-Job

Wisst ihr, was ihr nach dem Studium machen wollt? Kein Bürojob, etwas mit Menschen, viel Abwechslung? War auch bei mir so, während des Bachelors: Ich würde Journalistin werden. Ein Plan ist gut: Ein Ziel vor Augen haben, darauf hinarbeiten, Praktika darauf ausrichten. Als ich meinen Master begann, wusste ich plötzlich nichts mehr. Als Generation Y haben wir alle Möglichkeiten (eingeschränkt durch Studienfächer – Mathelehrerin werde ich wohl nicht mehr). Aber wegen ebendiesen vielen Möglichkeiten kam ich ins Zweifeln. Im Journalismus verdient man wenig Geld und rackert sich bis Redaktionsschluss ab, auch am Wochenende. Schade, dass ich innerhalb von fünf Jahren (wie jeder andere Mensch) eine identitätsbildende Persönlichkeitsentwicklung durchgemacht habe und gemerkt habe, dass Freizeit und Freunde doch nicht so unwichtig sind. Schon nach einem halben Jahr Abschluss sehne ich mich nach einem Nine-Till-Five-Job. Doch ins Marketing? PR? Bei Edeka an die Kasse, denn dann ist sowieso alles leichter?

Im August 2015 war ich bereits mittendrin in meinen Berufsvorbereitungen.

2. Ein Studium ist auf dem Papier gut

Wie gesagt, es hängt vom Studienfach ab: Wenn ihr zum Beispiel Lehramt studiert, betrifft euch dieser Punkt nicht. Aber alle, die einen BA/MA in einer Geisteswissenschaft machen, wissen: Ihr könnt mit dem Studium quasi alles machen. Aber auf gar keinen Fall dann, und jetzt wird es wichtig, wenn ihr nach dem Studium einen Pfeffi auf der Nase balancieren könnt, aber keine Praktika oder freie Mitarbeiten absolviert habt. Fachidioten will keiner. Nicht nur, weil ihr noch nicht richtig gearbeitet habt, sondern auch, weil euch ein Stück Charakterentwicklung („Reife“) fehlt.

Für meine Vita habe ich 2014 ein Praktikum bei Axel Springer gemacht.

3. Auf Geld könnt ihr warten

Bafög habe ich nicht bekommen, ich war auf Nebenjobs angewiesen. Zugegeben etwas naiv glaubte ich, ich müsse nur die fünf Jahre Studium überstehen, dann wird alles besser. Leider scheißt der Staat weiterhin auf euch, wenn ihr fertig seid. Und da kommt die Aggression: Einem wird erst klar, wie viel man eigentlich abgeben muss, wenn man es abgeben muss. Als Alumnus mit einem Schnitt von 1,2 bleibt mir am Ende des Monats genausoviel wie im Studium. Reisen? Pff. Einen Kredit abzahlen? Lol. Nach dem ersten Gehalt die zwölfköpfige Familie zum Essen einladen (ist bei mir in nahe Hamburg Tradition)? Wtf. Zum Zahnarzt? Zu teuer. Über die Runden kommen? Gerade so.

2014 war Reisen für mich noch Zelten in Markgrafenheide. Irgendwann möchte man aber auch weiter weg.

4. Ein Plan ist alles und nichts

Das Szenario kennen wir alle: Es ist Weihnachten, die Verwandtschaft stellt wieder diese eine Frage nach der Zukunft.

Ich konnte den Hype darum nie verstehen, denn ich hatte einen Plan. Bachelor, Journalistenschule oder Volontariat, irgendwann mal Chefredakteurin werden. Mir war klar, dass die Ziele für mich Sterne sind, und ich würde zufrieden sein, wenn ich überhaupt ins All komme. Am Ende war mein Studium mein Nebenjob, denn ich arbeitete hart für meine Ziele. Ich traf Marteria zum Interview und wusste, dass ich meinen Traumjob gefunden hatte. Als ich nach fünf Jahren Studium und vier Jahren (hochgelobter) freier Mitarbeit für eine Zeitung dann nicht einmal ein Volontariat bekam, ist für mich eine Welt zusammengebrochen.

Ja, da bin ich stolz drauf, aber das darf ich auch sein.

Lehramtstudierenden passiert Ähnliches: In fünf Jahren verändert man sich und merkt vielleicht, dass das Unterrichten gar nichts für einen ist. Es ist nicht verwerflich, wenn man mit 19 Jahren nach dem Abi noch nicht einschätzen kann, was man das ganze Leben machen möchte. Wie auch?

Studiert habe ich nur nebenbei mal und war voll motiviert für meine Karriere.

5. Es muss nicht das Ende sein

Seht ihr dem Ende eures Studiums entgegen und eure Panik angesichts der Frage, was ihr „später“ machen wollt, steigt? Generation Y wird häufig belächelt, immer kritisiert. Nutzt, dass ihr dazugehört. Ihr müsst euch mit Mitte 20 noch nicht klar sein, was ihr bis zu eurem 63. oder 100. Lebensjahr machen wollt. Studiert lieber ein weiteres Fach und macht Praktika, bevor ihr euch in einem wahllosen Arbeitsverhältnis wiederfindet, das euch nicht glücklich macht. Wenn ihr schon einen Abschluss habt, müsst ihr das weitere Studium nichtmal bis zum Ende durchziehen. Wenn euch zwischendurch der Geistesblitz kommt, brecht ihr es ab.

Wie soll man mit unbedarften 19 Jahren wissen, was man das ganze Leben machen will?

6. Das Scheinstudium wird attraktiv

Es ist schon schön, wenn man nicht mehr alle sechs Monate den völlig unerwarteten Brief mit Bitte um (die sich ständig erhöhende) Zahlung der Semestergebühr erhält. Es ist überhaupt nicht schön, wie selbstverständlich in die Bahn zu steigen und bei der Kontrolle zu merken, dass man kein Ticket gekauft hat. Auch die Mensa wartet jetzt mit horrenden Preisen auf. Studentenrabatte (z.B. die Amazon-Prime-Mitgliedschaft) fallen weg und die StudentsStudents-Karte gibt’s auch nicht mehr. Ich wünschte, ich hätte mich direkt wieder eingeschrieben. Aber Vorsicht: Wählt einen Studiengang ohne Zulassungsbeschränkung, sonst nehmt ihr anderen einen Platz weg. Mit einer Strafe braucht ihr übrigens nicht rechnen: Die Ostsee-Zeitung gibt hier die Aussagen von Markus Glöckner, Justiziar der Uni Rostock, wider:

Der Hochschule würden die Karteileichen keinen finanziellen Schaden verursachen. Von Betrug will Glöckner daher nicht sprechen. „Nirgendwo steht, dass ich den Studentenstatus nur bekomme, wenn ich tatsächlich studiere“, argumentiert der Jurist. Daher würde ein Scheinstudent wohl keine Strafe erwarten, wenn man ihn erwischen würde. Hier geht’s zum ganzen Artikel.

Straßenbahnfahren kostet jetzt Geld.

7. Zu müde für Freibier

Mein Vollzeit-Studium schrieb mir umgerechnet eine 38,5-Stunden-Woche vor. Ich bin Gegner von Menschen, die Studierende nach dem typischen Faul-und-nur-am-feiern-Klischee bewerten. Ein Studium ist anstrengend und ihr könnt stolz sein, wenn ihr das meistert. Trotzdem ist es ein Unterschied zur 40- bis 50-Stunden-Woche als Arbeitnehmer, weil ihr nicht mehr alles selbst gestalten könnt. Ein Discoschläfchen habe ich seit meinem Studium nicht mehr machen können. Wenn ich unter der Woche zwischen 20 und 23 Uhr heimkomme, treiben mich keine zehn Pferde mehr ins ST. Abgesehen davon, dass ich dann am nächsten Tag so übel durchhänge, dass mein Chef mich vorsichtig fragt, ob ich mir nicht einen Kaffee machen will.

Mitten in der Woche ein Picknick am Strand ist jetzt Geschichte.

Fazit

Schraubt eure Erwartungen an die Zukunft herunter , dann ist die Fallhöhe nicht so groß. Genießt das Hier und Jetzt, auch nach dem Studium. Macht das Glücklichsein nicht von Meilensteinen abhängig, die ihr noch nicht erreicht habt.
Wenn ihr wie ich nicht darauf verzichten wollt, dreimal die Woche spontan ’ne Packung Berner am Stadthafen zu verdrücken, überlegt euch gut, welche Strukturen euch im Job erwarten, den ihr anstrebt. Es ist nicht verwerflich, die Work-Life-Balance bei der Karrierewahl einzuplanen! Schreibt euch das gefälligst hinter die Ohren! Sonst geht es euch wie mir, die gestern Abend mit offenem Fenster am Stadthafen vorbeifuhr und mit dem Grillgeruch in der Nase nostalgisch seufzte. #mimimi

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