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Bechern, schmausen & Pipi-Verbot: zechen wie die Ritter im Petrikeller

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Pipi-Verbot? Ja, aber dazu später mehr.

Tapfer, heldenhaft, glanzvoll und stark wie Hulk – welches kleine Kind träumt nicht davon, einmal im Leben Ritter sein zu dürfen. Auch wir Studenten freuen uns doch darüber, wenn wir mal ein bisschen den Rüpel raushängen lassen können. Rülpsen, laut schmatzen und (die Pizza) mit Händen essen, gibt es nicht nur in der WG. Nein, im Petrikeller ist all dies sogar erwünscht. Unsere Redakteurin hat es einmal ausprobiert.

Herein!
Foto von jenny.zpk09 auf Instagram

Bechern bis zum Umfallen

Überlegt man, mit seinem ehrenwerten Gefolge, auch Kommilitonen und Freunde genannt, in eine mittelalterliche Schenke einzukehren und „nach alter Sitte zu tafeln“, dann stehen die Türen des urigen Petrikellers in der Rostocker östlichen Altstadt offen. Tritt man durch die knarrende Holztür, legt man nicht nur das moderne Zeitalter samt technischen Firlefanz ab, sondern auch die ein oder anderen Manieren, wie sich später zeigen wird.

Welch Rüpel!
Foto von acmurillo22 auf Instagram

Im Innersten ist es dunkel. Es riecht nach deftigem Essen und der Nachbartisch, bereits gut einen sitzen, grölt lauthals „Auuuf die Gesundheit!“. Nicht Prost oder etwa Stößchen – im Mittelalter trinkt man immer und ausnahmslos auf die Gesundheit. Dies macht man mit Weizengebräu aller Art, süßem Met oder Drachenblut, ein klebriges rotes Gesöff, das einem leise und heimlich die Schuhe auszieht. Die Kellner und Kellnerinnen sind zünftig gekleidet, haben ein harsches aber herzliches Mundwerk und beherrschen den Mittelalter-Slang gekonnt. Trotz ihrer Gastfreundlichkeit sehen sie so aus, als könnten sie jeden pöbelnden Gast zu jeder Zeit mühelos am Schlawittchen vor die Tür befördern, was bei so vielen Trunkenbolden sicherlich das ein oder andere Mal vorkommt.

Katergesöff in Tonkrügen
Foto von jeannine.mly auf Instagram

Die Völlerei

Bevor wir Ritter der Tafelrunde endlich mit dem Tafeln beginnen, bekommt jeder Ritter einen Schmauslatz umgehangen. Das im ersten Moment albern aussehende Lätzchen erweist sich dann jedoch als äußerst praktisch. Wo soll man sonst seine gatschigen Hände abwischen? Im Petrikeller gibt es nämlich keine Servietten und gegessen wird mit den Händen. Und zwar nur mit den Händen.

Da ist er – der Schmauslatz
Foto von raussz auf Instagram

Zur Vorspeise gibt es einen riesigen Laib Brot mit Schmalz, der mit der Hand gebrochen und unter dem Gefolge geteilt wird. Dazu einen kleinen Dolch, den man ohne Bedenken in den Tisch hämmern kann. Wer als Vorspeise eine Suppe wählt, muss diese auch mit den Händen essen – ja, das geht tatsächlich. Als Hauptgericht gibt es bei den meisten unter uns Ente mit rotem Kohl und Erdäpfeln. Es dauert nicht lange, da verwandelt sich unser Tisch in einen reinen Schweinestall. Die Knochen wandern auf den Tisch und vom Tisch gegen die betrunkenen Köppe unserer Runde. Wenig später sieht man nur noch abgenagte Ententeile umherfliegen. Mir tut der Bauch weh vom Essen, vor allem aber vom Lachen.

„Schmausen mit der Gang“
Foto von l_e_n_e_d auf Instagram

Ist das Festmahl erstmal serviert, heißt es für alle schwachen und starken Blasen: Pullerpause zwischendurch gibt es nicht! Wieso? Stellt euch vor, ihr esst einen ganzen Vogel samt Beilagen mit der bloßen Hand und geht dann aufs stille Örtchen, um dort alles anzugrabbeln. Das solltet ihr also unbedingt vor der Becherei bedenken. Im Anschluss an das Essen werden gemeinsam die Hände in einem Bottich Wasser gewaschen und dann darf man endlich wieder.

Kein Wunder, dass man danach aussieht wie Schwein
Foto von vivian_poetter auf Instagram

Übrigens: Smartphones sind tabu. Lässt man sie aus lauter Gewohnheit vor sich liegen, wird man von den Kellnern ermahnt. Solch ein Fremdkörper hat auf dem Tisch nichts zu suchen und zerstört nur die Atmosphäre. Außer man macht ein „Gemälde“ (Foto), dann ist es in Ordnung.

Er bewacht die Toiletten.
Foto von _miss_sophie__sir_optimops_ auf Instagram

Verspürt man die Lust, einmal aus dem schnöden Bibo-Mensa-Alltag auszubrechen und sich auf eine kleine Zeitreise zu begeben, dann sollte man seine Lieblingsritter unbedingt zum Petrikeller zerren. In großer Runde ist es ein richtiges Event und beschert einem, neben dem normalen, auch einen ordentlichen Lachmuskelkater.

Kritikpunkt: Es ist nicht ganz günstig, im Petrikeller zu speisen. Für Getränke und essen zahle ich am Ende des Abends mit Trinkgeld rund 40€. Für das Spektakel hat sich das aber trotzdem gelohnt und man geht belustigt, betrunken und mehr als satt nach Hause. Das Rülpsen sollte man sich aber schnell wieder abgewöhnen – kommt komisch in der Mensa.

Hast Du auch schonmal etwas Kurioses, Lustiges oder Nerviges in der Uni erlebt? Erzähl‘ uns deine Geschichte! Wir haben immer ein offenes Ohr und geben dir eine Stimme. Kritik und Anregungen hören wir auch gern. Schreib‘ uns: campus@studentsstudents.de oder bei Facebook! 

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