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11 Dinge, die ich während meines Studiums NIE getan habe

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Wenn man studiert, ist man volljährig, auf dem Papier erwachsen. In meinen ersten Semestern hatte ich Respekt davor: Jetzt muss ich mich organisieren, dachte ich. Diszipliniert sein, sonst wird das nichts mit dem Abschluss. Tatsächlich habe ich schnell gemerkt, dass Disziplin relativ ist. Ich habe kürzlich meinen Master in Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften mit einer sehr guten Note abgeschlossen und kenne Goethes Faust nicht. Wenn man studiert, ist man zwar auf dem Papier erwachsen. Meist aber nicht im Alltag. Und das ist auch gut so.

Dieser Beitrag ist ein Erfahrungsbericht für die, die sich Sorgen machen: Macht euch keine.

1. Früh mit den Hausarbeiten anfangen

Wenn eine Hausarbeit ansteht, erledige ich lieber die Hausarbeit.

Im Zwei-Fach-BA und -MA musste ich insgesamt 13 Hausarbeiten und zwei Abschlussarbeiten schreiben. Das sind, rechnet man die Mindest-Seitenanzahlen zusammen, mindestens rund 300 Seiten reinste Wissenschaft aus meinem freibierliebenden, armen Hirn. Wie die meisten habe ich mir nach Panik-Nachtschichten immer vorgenommen: Beim nächsten Mal… Ihr kennt das Spiel. Nie durchgezogen. Einige Arbeiten geschoben und ’ne 5,0 kassiert. Im Folgesemester verbessert. Fertig. #sogehtstudieren

2. Eine frühe Vorlesung regelmäßig besucht

Freitags um 7:15 Uhr.

Früh: alles vor 11:15 Uhr. Grundsätzlich habe ich diese Veranstaltungen gemieden. Wenn sie Pflicht waren? Nun, einschreiben reicht, Anwesenheitspflicht besteht schließlich nicht. Eine Veranstaltung hatte ich freitags um 9:15 Uhr. Sorry not sorry, Donnerstag ist LT, das geht ja wohl vor. Ganze zweimal war ich da. Geschadet hat’s nicht. Anders verhält sich das mit Seminaren. Wählt dann einfach ein anderes.

3. In der Bib gelernt

So kann man in der Bib nicht lernen.

Ich habe im Studium gelernt, dass es zwei Typen von Studierenden gibt: Die einen müssen zum Lernen in den Büchertempel, um sich nicht von Facebook, Katze & Co. ablenken zu lassen. Die anderen – und dazu gehöre ich – vermissen im Paradies für Bücherwürmer einfach ihren Kühlschrank, Kuschelsocken und Kerzenschein. Ich habe die Bib gehasst und hatte nie eine Kopierkarte – das hat die kostenlose Scanner-App  „Adobe Acrobat“ für mich erledigt.

4. Goethes Faust, Walter Kempowski oder Uwe Johnson gelesen

Alle Rostocker Germanistik-Professorinnen, wenn sie das hier lesen.

Auch, wenn ich damit alle Germanistik-Professoren in Rostock in einen akuten Schockzustand versetze – die bedeutenden Schriftsteller Kempowski (ist hier geboren) und Johnson (hat hier studiert) sind bestimmt ganz toll, haben mich aber nie interessiert. Goethes Faust wurde nie angeboten (nein, auch nicht im Deutsch-LK behandelt). Ich habe die Gretchenfrage gegoogelt, um an der Eine-Million-Euro-Frage bei Günther Jauch nicht zu scheitern, sollte es mal soweit kommen. Mich haben dafür aber eben Stifter, Kafka, Schnitzler, Remarque und Wedekind verzaubert.

5. Vorlesungen besucht, die Zugangsbeschränkungen hatten

Eines vorweg: Ich finde es legitim, ein Mindestmaß an Vorbereitung in Form eines Lektüretests zu verlangen. Das schließt gähnende Candy-Crush-Zocker im Hörsaal aus. Dass Professoren denken, ihr Fach sei das Highlight des Jahres, musste ich erfahren, als einer kurz vor Ende der Semesterferien beschloss, eine Vorableistung einzuführen – die doch bitte vor Unibeginn an ihn geschickt werden solle. Ich war im Pflichtpraktikum für mein Zweitfach in Hamburg und die Leistung schloss ein Foto von einem Gegenstand im Stadtgebiet Rostock ein. Zack, ausgetragen. Die Frist für andere Seminare war natürlich um. Mitten im Studium? Okay. Im letzten Semester? Katastrophe!
Das P.S. seiner E-Mail: „Und ja, ich gehe davon aus, dass sie dafür in den Semesterferien Zeit haben.“

6. „Game Of Thrones“ studiert

Überraschung! Jeder, der etwas mit Medien oder Sprache studiert, kann seine Lieblingsserie zum Schwerpunkt des Referats, der Haus- oder Abschlussarbeit machen – nicht nur in Harvard. Klingt toll, ist es aber nicht. Nachdem ich eine Hausarbeit über Tintenherz schreiben musste, konnte ich das Buch nie wieder lesen, ohne an Fachtermini zu denken und meiner Kommilitonin zu whatsappen: „Omg, ich habe eine wichtige Metapher überlesen. Wie konnte Prof. Tintenfrau mir dafür ’ne 1,7 geben?“ Der Zauber ist dahin. „Game-Of-Thrones studieren“ bedeutet nicht Bingewatchen in der Vorlesung, sondern die Serie in medienwissenschaftliche Einzelteile zu zerlegen, bis nichts mehr übrig bleibt.

7. Geld für den Semesterbeitrag zurückgelegt

Alle sechs Monate war ich nicht nur pleite, sondern soweit im Dispo, dass ich mir umgehend neue Blutspende-Termine geben lassen musste. Jeden Monat 30 Euro beseite legen? Nö, dann muss ich sie ja wieder ins Konto einzahlen, um zu überweisen. Stattdessen kam die Zahlungsaufforderungs-Mail immer derart unerwartet, dass ich mich nach dem Lesen direkt auf den Weg zum Schrank machte, um etwas bei Kleiderkreisel einzustellen.

8. Im Keller nix getrunken, weil Donnerstag Uni ist

Mittwochabend im Keller.

Was für’n Quatsch. Mal ehrlich: Das muss man mal gemacht haben, angetüddert in die Uni. Ist wirklich lustig – besonders, wenn deine Kommilitonen mit dir leiden. Wir sind Studenten und wollen unseren Enkelkindern doch schließlich auch mal was erzählen (wenn sie alt genug sind).

9. Mitschriften und Unterlagen geordnet

Danke an alle, die mir jemals ihre Mitschriften geliehen haben.

Wenn du das hier liest und ein Ordnungsmensch bist, der verschiedenfarbig Markierungen vornimmt und für jedes Seminar einen Hefter hat, ziehe ich meinen Hut vor dir. Noch mehr Hüte ziehe ich, wenn du nett bist, denn dann gibst du dieses in hübsche Schnörkel verpackte Wissen an Kommilitonen wie mich weiter, die ohne dich ’ne Null wären. Danke! Danke an alle, die mir jemals ihre Mitschriften gegeben haben, wenn meine mal wieder voller Kaffee oder ganz verschwunden waren.

10. Vor einem Referat das Referat üben

Gruppenreferate? Es gibt immer einen, der alles macht, einen der nichts macht und so weiter. Wenn denn mal alle während der Vorbereitung gleichzeitig Zeit für ein Treffen haben, wird nur besprochen, wer was macht. Vom gemeinsamen Durchsprechen im Voraus kann gar nicht die Rede sein, wenn der letzte erst während des Referats seinen Redepart zuende schreibt.

11. An einer Uni-Wahl teilgenommen

Geht wählen – nicht nur zur Bundestagswahl!

Ich habe die Briefchen zu Stura-, Gremien- oder sonstwelchen Wahlen immer ignoriert. Ganz ehrlich? Das war blöd von mir. Es gibt da ein paar Studierende, die sich für uns die Hände schmutzig machen, und das ehrenamtlich oder für kleine Aufwandsentschädigungen. Wir sollten denen wirklich den Gefallen tun und unser Interesse zeigen. Stell dir vor, du studierst Politik, möchtest deinen Lebenslauf aufhübschen, wirst zum Referent für Party gewählt und keiner kennt dich, weil nur 10 Prozent abgestimmt haben.

Trotz allem habe ich meinen Abschluss geschafft. Nehmt die Uni ernst, aber mit Humor und genießt die schöne Studentenzeit! Ihr werdet sie vermissen. #truestory

Leider war ich auch nie mit einer Schreibmaschine in der Vorlesung – wie dieser Rostocker, der anschließend auf 9gag gefeiert wurde. Unser Interview mit ihm hier.
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