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Pyrotechnik ist (k)ein Verbrechen?

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Rivalität im Fußball ist seit jeher Volkssport. HSV-Fans klammern sich an ihre Unabsteigbarkeit, Bayern bleibt beim Dusel und Schalke knüpft bestimmt diese Saison endlich an alte Zeiten an (wird also nicht Meister). Wenn man in Bars aufeinander trifft, dann geht die gute Kinderstube schnell verloren, es wird heftig gestritten, doch natürlich versteht man den Stolz auf den eigenen Verein und stößt am Ende mit einem Bierchen an. Nur nicht mit (hier euren persönlichen Hassverein einfügen)- Fans.

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Doch bei einem Thema scheint Vereinszugehörigkeit plötzlich keine Rolle mehr zu spielen: Pyrotechnik. Da findet sich bei jedem Verein eine Gruppe, die sich dafür einsetzt und eine, die es für Krawall hält. Aber wie sieht die pyromanische Fußballwelt Deutschlands eigentlich wirklich aus?

Zunächst die Fakten: Das Abbrennen von Pyrotechnik ist in deutschen Fußballstadien verboten. Widersetzen sich Fans, dann versucht der Deutsche Fußball Bund (DFB) mit disziplinarischen Maßnahmen eine Veränderung herbeizuführen. Das schlägt dann fehl und nächstes Mal gibt es eine noch höhere Strafe (Geldstrafen oder Geisterspiele, also Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit).

Warum ist es verboten? Weil durch bengalische Feuer (Bengalos), Rauchtöpfe und Knallkörper (nicht zu verwechseln mit den Knallköpfen, die sie schmeißen) ein Sicherheitsrisiko besteht. Und zwar nicht nur für die Zündelnden, sondern auch für die restlichen Stadionbesucher. Außerdem führt ein unverhältnismäßiger Gebrauch dazu, dass das Spiel unterbrochen werden muss.

Die Frage, die immer wieder in den Raum geworfen wird, ist folgende: Gehört Pyrotechnik zur Fankultur dazu? Wir können hier keine einfach Antwort geben. Wir wollen diese Diskussion nämlich von der persönliche Präferenz lösen und mal schauen, ob man nicht auf gemeinsame Nenner kommen kann.

Das Gefühl auf einer Tribüne zwischen tausenden von Fans zu stehen, die Vereinshymne zu singen oder ein Tor zu bejubeln, das kann man niemandem beibringen. Das muss man erlebt haben. Genauso ist es mit der Begeisterung für Pyrotechnik: Wer drauf steht, der steht drauf. Dabei geht es um ein Gefühl, das wir niemandem ausreden können oder wollen.

Nur weil ich etwas nicht mag oder tun möchte, sollte ich es anderen nicht kategorisch verweigern. Es sei denn, es ist illegal. Also kein Pyro? Vielleicht doch. Denn der Gefahrenaspekt, der letztlich die Illegalität begründet, der ist möglicherweise zu überwinden. In der dänischen Liga sind mittlerweile „kalte“ Fackeln und Rauchdosen nach vorheriger Anmeldung erlaubt. In Norwegen arbeiten Vereine und Fans zusammen, um eine Lösung zu finden. Auch abgesperrte Bereiche, die Pyrotechnik unter Kontrolle halten können, werden seit Jahren europaweit diskutiert. Niemand muss in der Nähe sein, wenn er nicht will und niemand wird gefährdet. Stimmung kommt trotzdem auf.

Problem: Neben denen, die es für die Stimmung brauchen, gibt es die, die nur Krawall wollen. Die bringen aktuell auch Böller und Raketen mit ins Stadion und gefährden damit die Leben anderer Besucher. Eine Straftat, die ganz klar eine Anzeige nach sich ziehen muss und auch von weiten Teilen der Pro-Pyro-Gemeinde verurteilt wird. Nur leider helfen sie trotzdem nicht (oder zu selten) bei der Verfolgung der Täter und machen damit immer wieder ihre eigenen Forderungen nach „friedlicher“ Pyrotechnik kaputt.

Wer Pyrotechnik einzig und allein zur Selbstdarstellung benutzt, dadurch andere gefährdet und dem eigenen Verein schadet, der sollte entsprechend bestraft werden. Pyrotechnik mit Krawallen gleichzusetzen oder jegliche Verhandlungsbereitschaft vermissen zu lassen (ein Blick in Richtung des DFB, der sich nun endlich wieder an den Tisch setzt), ist jedoch genauso kontraproduktiv. Wir bitten an dieser Stelle darum, das Schwarz-Weiß-Denken endlich zu beenden.

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