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„Betty für alle!“ – Hausbesetzung in der Ulmenstraße

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„Hallo #Rostock, wir haben gerade die Betty im Herzen der KTV besetzt.“

Ein kleiner Gruß an die Hansestadt und ein großes Ausrufezeichen gegen die Pläne, das alte leerstehende Orthopädie-Gebäude, das Elisabethheim in der Ulmenstraße neben der kleinen Mensa, abzureißen.

Warum? Das marode Gebäude soll im Auftrag des Besitzers, dem Studentenwerk, durch ein neues Studentenwohnheim und eine Mensa ersetzt werden. Die rund 70 geplanten Wohnungen sollen hauptsächlich an ausländische Studenten gehen, da sie es auf dem Wohnungsmarkt besonders schwer haben. Das heißt: Die sogenannte „Betty“ muss weg.

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Ist das denn so schlimm?

Eigentlich ist das ein notwendiges Vorhaben. Die KTV ächzt unter Wohnungsknappheit und horrenden Mietpreisen (HIER ein lesenswerter Artikel aus dem August), die für Studenten kaum noch zu finanzieren sind. Für das Szene-Viertel Rostocks sind Studenten wichtig, um ein florierendes Kulturleben aufrecht zu erhalten.

Neue Studentenwohnungen in der KTV halten die jungen Leute im kulturellen Hotspot der Stadt, was Rostock besser täte, statt sie an die Stadtrandgebiete zu verlieren. Zusätzlich entlasten neue (bezahlbare) Wohnräume den derzeit sichtlich verrückten Wohnungsmarkt. Neue Behausungen zu schaffen ist daher zwingend notwendig.

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Die Hausbesetzer sind der Meinung, dass das Elisabethheim nicht abgerissen werden darf, sondern stattdessen saniert werden sollte, um eine kostenlose Begegnungsstätte für Jedermann zu schaffen. Sie sehen das Studentenwerk in der Verantwortung für den Zerfall des Gebäudes.

Guckt man sich das Schreiben an das Studentenwerk an, in dem der Erhalt der Betty gefordert wird, geht es jedoch gar nicht mal darum, dass die Schaffung neuen Wohnraums abgelehnt wird, sondern tatsächlich in erster Linie um den Erhalt dieses geschichtsträchtigen Gebäudes. Es wird ein Kompromiss angestrebt, der das Elisabethheim verschont und andernorts den Bau des Wohnheims und der Mensa gewährleistet.

Doch eine Sanierung wäre 18 Prozent teurer, als ein Abriss und Neubau, deren Kosten sich auf 15 Millionen Euro belaufen würden. Mit jeder weiteren Verzögerung des Bauvorhabens fallen mehr Kosten an, welche höhere Mieten für das spätere Wohnheim bedeuten würden.

Was macht die „Betty“ denn so besonders, dass sie unbedingt erhalten werden soll?

Wie gesagt, ist das Elisabethheim ein geschichtlich bedeutsamer Ort. Wer sich zur Geschichte belesen will, der klicke HIER. Außerdem ist die Betty eine architektonische Rarität. Und damit nicht genug: Auf dem angrenzenden Parkgelände stehen die zwei „wahrscheinlich ältesten Bäume der KTV“, die durch den Abriss und Neubau extrem gefährdet wären.

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Ein weiteres Anliegen, wogegen sich die Hausbesetzer aussprechen, ist die fortschreitende Gentrifizierung der KTV, wodurch die Mietpreise in die Höhe schießen und zusätzlich soziokulturelle Räume durch kapitalistische Intentionen verdrängt werden, ohne die Bevölkerung bei der Entscheidungsfindung mit einzubinden. Sozialer Wohn- und Lebensraum fehle. „Alles bekommt man heute nur für Geld“, lautet ihre Kritik.

Darum wollen die Besetzer der Betty als Gegenstatement einen kostenlos nutzbaren, öffentlichen Raum für Menschen schaffen, um sich kreativ auszuleben, sich zu begegnen, zu diskutieren und sich zu bilden – und natürlich um zu feiern. Klingt nach einem weiteren Peter-Weiss-Haus oder JAZ und somit nach mehr Kultur für Rostock.

Und nun?

Die Frage ist, was benötigt Rostock derzeit mehr? Neuen Wohnraum oder mehr Kultur? Weitere Kulturräume machen die KTV noch lukrativer als sie es ohnehin schon ist, wodurch Vermieter jedoch weitere Mietpreiserhöhung rechtfertigen.

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Dieses Thema ist äußerst kontrovers. Am 24.9. wurde das Gebäude letztendlich freiwillig geräumt, doch damit geben sich die Besetzer noch lange nicht geschlagen. Die Proteste und die Hausbesetzung verliefen übrigens vollkommen friedlich und sachlich.

Noch immer wehen ihre Botschaften auf Transparenten im Wind und noch immer versammelt man sich vor der Betty zu Diskussionen, wie es weitergehen soll und zur Organisation der am 30.9. stattfindenden Demo, die in der St.-Georg-Straße 104 um 13 Uhr vor den Augen des Studentenwerks beginnen soll, um entschlossen für ihre Sache zu kämpfen.

Was durch die Hausbesetzung auf jeden Fall erreicht wurde, ist ein öffentlich geführter Diskurs über mangelnden bzw. überteuerten Wohnraum und negative kulturelle Entwicklungen. Wer sich selbst ein Bild machen will, geht am besten direkt zu den Besetzern der Betty, um sich über deren Vorhaben zu informieren.

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HIER bleibt ihr auf dem Laufenden.

 

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