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Die Woche eines Studenten: eine Schöpfungsgeschichte

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Bevor die Woche des Studenten begann, gab es in seinem Kopf nur Himmel und Erde. Im Rausch der Sinne schwebte er wie ein Geist durch die Dunkelheit über den Fluten, die seinen Durst stillten und fühlte sich wie Gott höchstselbst, ehe er abstürzte und auf die Erde schlug. In der Finsternis verlor er sich, bis der Wecker schrie: Es werde Licht. Und es wurde Licht.

Und es wurde Morgen: erster Tag.

Der Student sprach: Noch immer schwebe ich in einer seltsamen Zwischenwelt. Frei von Antrieb und Motivation hing er in der Strukturlosigkeit fest. Und so geschah es erst spät, dass sich dieser Zustand löste und er endlich wieder zwischen oben und unten unterscheiden konnte. Nachdem es sich anfühlte, als stürze der Himmel über ihn zusammen, hatte er nun endlich wieder ein gefühltes Dach über dem Kopf. Der Student sah, dass es ihm langsam wieder gut ging und stellte fest: so ein Tag kann nur ein Montag sein.

Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag.

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Das Gefühl am Montag.

Dann sprach der Student: All die Fluten chaotischer Organisation mögen sich an einem Ort sammeln, damit die Struktur sichtbar werde und die notwendigen Aufgaben angegangen werden können. Die Struktur möge wie ein Samen sein, der durch das Angehen der Pflichten Früchte bringen soll. So geschah es. Die Struktur half dem Studenten seine Aufgaben zu lösen und der Alltag blühte durch seinen Dienst. Darum nannte er den zweiten Tag Dienstag. Der Student sah, dass es gut war. Darum belohnte er sich mit einer glücklichen Stunde und einem Gerstensaft in einer heiligen Höhle – genannt ST.

Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag.

Himmelsscheibe Nebra
Sonne, Mond und Stern.

Doch noch immer gab es viel zu erledigen und so gingen dem Studenten einige Lichter auf. Am Tage war das Licht am größten, denn da war er am tatkräftigsten. Auch abends gab es ein Licht, etwas schwächer zwar, doch es brachte ebenso Erkenntnisse. Und so fixierte der Student weitere kleine Lichter in seinem Gewölbe – es handelte sich um Notizzettel. Sie sollten als Zeichen und Orientierung dienen, um wichtige Ereignisse zu bestimmen. Diesen Tag nannte der Student Mittwoch, weil er das Gefühl hatte, auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit zu sein und diese eindeutig Richtung Keller ging. Langsam benötigte er wieder Ruhe. Der Student sah, dass es gut war.

Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag.

Der Student bemerkte, dass er weiterhin tätig sein musste und so schmiss er sogenannte Socken, Schlüpfer und Hosen in das große schleudernde Wasser, die er anschließend wohlduftend draußen in die Luft hing, wo sie mit dem Wind zu schweben schienen und sich über den Tag hin vermehrten. Und da das große schleudernde Wasser, in dem sich die Socken, Schlüpfer und Hosen wuschen, währenddessen tosend donnernd lärmte, hielt der Student es so, diesen Tag Donnerstag zu nennen. Der Student sah, dass es gut war.

Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag.

Dann sprach der Student: Ich brauche soziale Kontakte. Und so suchte er sich einen Kumpel und eine Freundin. Der Student erwählte sie nach seinem Abbild. Ein Abbild von sich selbst sollten diese Menschen sein. Er highfivte beide und schlug der Freundin vor, dass sie ihre Fruchtbarkeit nutzen und sich irgendwann vermehren könnten, um die Stadt zu bevölkern. Er vermutete, dass sie das mit den Socken, Schlüpfern und Hosen in Zusammenarbeit noch besser hinkriegen würden und sich die zu bewältigenden Aufgaben und den damit verbundenen Kummer teilen könnten. Gemeinsam würden sie die Tage für sich nutzen. Plötzlich fühlte er sich in der Gemeinschaft so befreit und nannte den Tag deshalb Freitag. Der Student sah, dass alles, was er bisher gemacht hatte, gut war.

Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.

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Party hard.

Die Arbeit war getan, das Werk vollbracht. Da sprach der Student: Alles was ich tat, war gut und so werde ich aus den Fluten trinken und meine Schöpfung lobpreisen. Mit seinen Abbildern tanzte er und feierte die Frucht der Samen, die er säte. Darum nannte er diesen Tag „Samenstag“. Da die Fluten, die ihn und seine Abbilder tränkten, sie jedoch so sehr betörten und in ein berauschendes Delirium versetzten, waren sie nicht mehr Herr ihrer Zunge und lallten alsbald nur noch „Samstag“. Und so wurde der sechste Tag fortan genannt. Wieder schwebte der Student wie ein Geist über den Fluten und fühlte sich göttlich. Da er sich irgendwann zu häufig und zu gierig den Fluten näherte, stürzte er hinein. Der Student sah nicht mehr viel aber glaubte, dass der Abend gut war.

Und es wurde Morgen: siebter Tag.

Die vergangenen Tage hatten den Studenten erschöpft, besonders aber der sechste. Darum ruhte er am siebten Tag. Er segnete diesen und erklärte ihn heilig, weil er diese Pause brauchte. Da er sich in der Dunkelheit verkroch und die Sonne mied, nannte er den siebenten Tag ironisch Sonntag, denn der Student liebte es, in Ironie zu sprechen. Ebenso erkannte er die Ironie seiner arbeitsfreien Tage, die seinen Körper letztendlich viel mehr forderten. Statt zu erholen, litt er freiwillig in den Fluten, weil er am sechsten Abend dachte, alles wäre gut gewesen. Doch das war ein Irrtum und so fiel er in einen langen Schlaf.

Es wurde Abend und es wurde Morgen: und schon wieder ist Montag.

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