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F.C. Hansa: Der große Kader-Check

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Kein anderer Drittliga-Verein hat die Mannschaft so sehr austauschen müssen wie der F.C. Hansa Rostock. Ein Kader voller Namenloser. Es herrscht Rätselraten an der Ostseeküste. Wo geht es dieses Jahr hin? Das hoffende Auge schielt nach oben, die bittere Erfahrung mal wieder nach unten. StudentsStudents versucht Licht ins Dunkle zu bringen.

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Foto: f.c.hansa_rostock auf instagram

Der Trainer

Der 51-Pährige Bulgare Pavel Dotchev lässt bevorzugt in einem 4-2-3-1-System spielen – so wie zuvor schon Christian Brand. Dotchev kennt sich aus in der 3. Liga. Er führte sowohl den SC Paderborn (2005), als auch den FC Erzgebirge Aue (2015) in die 2. Bundesliga. Zudem ist er in Paderborn seit 2007 Trainer des Jahrhunderts. Dotchev ist selbstbewusst und geht nicht davon aus, dass man ihn nur für die Sicherung des Klassenerhalts geholt hat. Er will mit Disziplin und Ehrgeiz eine Siegermentalität schaffen. Sein Ziel ist es, spätestens 2019 aufzusteigen.

Der Torwart

Die Torwartfrage ist eine sehr brenzlige. Bis zum 20.7. war es ein erbitterter Kampf um das Amt des Torhüters. Kai Eisele (22) und Luis Zwick (23), mit Außenseiterchancen sogar der 18-jährige Eric Gründemann, stritten um die Position im Tor. Doch wenige Tage vor Saisonbeginn setzte der Verein ihnen wie aus dem Nichts Janis Blaswich (26) vor die Nase, der nun Stammtorwart sein wird. Eine schallende Ohrfeige für die anderen Keeper, die die gesamte Vorbereitung mitgemacht haben und sich ins Zeug legten. Dieser kurzfristige Transfer könnte für teaminternen Zündstoff sorgen und ist durchaus ein Risiko. Dotchev ist sich des Risikos bewusst, steht jedoch voller Überzeugung zu diesem Transfer.

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Foto: Stadionzeit auf instagram

Die Verteidigung

Die Verteidigung wurde nahezu runderneuert. Mit Oliver Hüsing (24) kehrt ein absoluter Leader in die Mannschaft zurück, der unter Thomas Doll in der vergangenen Saison mit Ferencváros Budapest ungarischer Pokalsieger wurde – eine echte Verstärkung. Er spielte bereits 2014/15 für Rostock, kennt den Verein. Neben Hüsing wird vermutlich der vom Zweitligisten Aue verpflichtete Julian Riedel (25) spielen, der, bevor er sich am 11. Spieltag der vergangenen Saison verletzte, zum Stammpersonal gehörte. Diese Innenverteidigung kann sich sehen lassen und hat lange Zeit im Test gegen Wolfsburg stark verteidigt.
Die Position des Rechtsverteidigers ist derzeit alternativlos an Vladimir Rankovic (24) vergeben, der immerhin schon ein wenig Zweitliga-Erfahrung mitbringt und ursprünglich aus der Jugend des FC Bayern kommt. Zudem hat er insgesamt 18 Spiele für diverse Jugendnationalteams Deutschlands absolviert. Auf Links ist Fabian Holthaus (22) gesetzt, der trotz seines jungen Alters bereits enorme Erfahrung hat. 2016 stieg er mit Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga auf und wurde 2014 U-19 Europameister. Die Verteidigung ist in der ersten Reihe solide aufgestellt, doch an adäquaten Alternativen mangelt es – besonders auf den Außenpositionen.

Das Mittelfeld

Schillerndster Neuzugang ist wohl Mike Owusu, der das Zeug zum neuen Publikumsliebling hat. Der 22-Jährige Deutsch-Ghanaer kommt von Hertha BSC II, hat ab und zu sogar bei den Profis trainiert. Mit seinen starken Dribblings kann er für die besonderen Momente im offensiven Mittelfeld sorgen und dem Spiel dadurch mehr Dynamik verleihen. Er gilt als großes Talent und ist „heiß“ auf seine erste Profistation. Neben seinen spielerischen Qualitäten, sticht besonders seine lässige unbeschwerte Art hervor. Ein sympathischer Typ – ein wenig wie „Der Prinz von Bel-Air“.
Im zentralen Mittelfeld dirigiert der erst kürzlich zum Kapitän ernannte Amaury Bischoff (30) das Spiel. Er steht seit Anfang 2017 im Dienst des FCH und spielte bereits beim FC Arsenal und Werder Bremen, hat zudem UEFA-Cup-Erfahrung. Zu Pavel Dotchev hat Bischoff eine besondere Beziehung, da er ihn noch gut aus seiner Zeit bei Preußen Münster kennt. Ein würdiger Kapitän.
Die Zentrale ist mit Willi Evseev (25), Stefan Wannenwetsch (25) und dem aufstrebenden Bryan Henning (22) gut ausgestattet. Aber wie in der Verteidigung sind auch im Mittelfeld die Außen eher dünn besetzt. Der Franzose Mounir Bouziane (26) ist ein offensivstarker Linksaußen, doch hat noch nicht die gewünschten Akzente setzen können. Christopher Quiring (26) hat eine ernorme Qualität. Leider fällt er bis zum 30.9. verletzungsbedingt aus, was wahrscheinlich noch einen weiteren Neuzugang zur Folge hat. Doch ist Quiring fit, dann ist er ein verdammt wichtiger Schlüsselspieler. Alternativen sind eher rar. Harry Föll (19) und Jeff-Denis Fehr (22) scharren deshalb mit den Hufen.

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Foto: hansa_1909 auf Instagram

Der Sturm

Der in den letzten Jahren treffsicherste Schütze der Kogge wurde gerade noch so vom Abstellgleis genommen: Marcel Ziemer (31). Fehlende Fitness und ein etwas zu gut gefülltes Bäuchlein haben ihn bei Pavel Dotchev in Ungnade fallen lassen. Aber die Ansage hat geholfen. Ziemer speckt ab und will zurück in die Elf. Die Nase dürfte jedoch Soufian Benyamina (27) vorn haben. Dahinter reihen sich Tim Väyrynen (24), der eventuell noch wechseln könnte und Chaka Ngu`Ewodo (21) ein, der in der abgelaufenen Regionalliga-Saison bei 1860 II eine ganz ordentliche Statistik vorzuweisen hat (14 Tore und 4 Vorlagen in 21 Spielen). Pavel Dotchev wird keinen weiteren Angreifer holen. Am Ende könnte ein echter Knipser fehlen, da weder Ziemer noch Benyamina oder Väyrynen in der abgelaufenen Saison glänzen konnten. Was Chaka für Qualitäten mitbringt, wird man sehen.

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Foto: hansa_rostock_2017

Fazit

Der Kader wurde etwas verjüngt, der addierte Markwert der Spieler ist um fast 2,5 Millionen gesunken. Das Team wurde runderneuert und kennt sich noch nicht lange. Ein neuer Trainer ist an Bord gestiegen. Es bedarf Geduld und Zeit bis sich die Mannschaft im Wettbewerb eingespielt hat.

Der Umstand, dass der Kader derart geflickt werden musste und sich ein komplett neues Team zusammengefunden hat, kann natürlich auch zu einem besonderen Teamgeist führen. Die Truppe setzt sich aus jungen Spielern, die darauf brennen, sich erstmals im Profibereich zu erproben und erfahrenen Fußballern, die schon mit vielen Wassern gewaschen wurden, zusammen. Das alles kann auch krachend scheitern.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die kurzfristige Torwartentscheidung auf die Chemie auswirkt. Pavel Dotchev ist ein sehr erfahrener und ehrgeiziger Coach, der es versteht eine Siegermentalität heraufzubeschwören, wo man sie nicht erwartet hätte. Das hat er in der Vergangenheit bewiesen. Die Qualität ist da, auch wenn einige Positionen etwas dünn besetzt sind. Gerade darum ist es wichtig, dass die Mannschaft verletzungsfrei bleibt, ihr nicht zu früh die Puste ausgeht und die verpflichteten Amateure sich schnell an die 3. Liga gewöhnen. Dann kann einiges möglich sein.

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