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Smartphones: Siegt der Hashtag über den Moment?

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Am Strand: 124 Selfieversuche, 54 verschiedene Filter, alles für das Bild vom perfekten Tag #bestdayever!

Auf der Party: Die Köpfe hängen tief, Gespräche finden ihr jähes Ende, wenn das „Ping“ eine neue Whatsapp-Nachricht verkündet #somuchfun!

Am Stadthafen: Der Sonnenuntergrand wird gefilmt, fotografiert, geposted, kommentiert und dann ist er vorbei, noch bevor man ihn gesehen hat #blessed!

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Heute klinge ich wie eine alte Dame, die Kinder im Park mit Brot bewirft. Doch manchmal haben diese alten Damen gar nicht so unrecht und daher kann ich damit leben. Doch das Leben wird schwieriger, denn die Seuche der Smartphones raubt mir den Schlaf! Wann immer etwas passiert, raus das Smartphone. Ein wunderschöner Regenbogen? Smartphone raus! Ein leckeres Essen? Smartphone raus! Ich gehe absolut alleine spazieren, niemand sieht mich, niemanden geht es etwas an? Smartphone raus!

Tut mir leid, aber das ist nicht cool. Das wahre Leben findet nicht auf Facebook statt. Die wichtigen Dinge, Erinnerungen und Menschen, mit denen man sie schafft, die brauchen kein Foto, kein Hashtag, keine Facebook-Likes.

Ich höre das Gejammer. Sind doch nur Fotos. Das sind auch Erinnerungen. So ist das heute nun mal. Was ist denn schon dabei?

Dabei ist, dass ich immer häufiger auf Partys mit den Haaransätzen meiner Freunde spreche, die zwar irgendwie mitkriegen, worum es gerade geht, aber sich nicht wirklich ins Gespräch einbringen. Denn sie können es nicht. Nebenher muss mit Menschen geschrieben werden, die gerade nicht da sind- und ich frage mich, ob meine Gesellschaft wirklich so unbefriedigend ist, dass man sie mit etwas Whatsapp aufpeppen muss.

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Und ja, es gibt Ausnahmen. Eure kranke Mutter verdient jede Nachricht. Das Beziehungsende der besten Freundin auch. Aber ich möchte nicht gegen irgendeinen FoodFriday auf Instagram verlieren. An was erinnert ihr euch, wenn ihr an den letzten Sommer denkt? An die Partys mit Freunden oder das Meme, das euch Dagobert XY geschickt hat? Wahrscheinlich an die Partys, aber vielleicht auch nicht. Denn im Club gilt dasselbe wie beim gemütlichen Zusammensein: Anderen zu zeigen, wie viel Spaß man hat, wird wichtiger als tatsächlich Spaß zu haben.

Natürlich möchte man den Sonnenuntergang am Stadthafen festhalten. Es ist ein tolles Motiv, man kann seiner Mama ein Foto schicken, um zu zeigen, dass es einem gut geht. Doch mit einem Foto ist es auch getan. Dann gehört das Smartphone beiseite und der Moment kann genossen werden. Die Erfahrung muss gemacht werden. Was bringt es uns, Momente festzuhalten, die in der Realität gar keinen Wert hatten?

Liebe Mitmenschen, die Frage darf niemals lauten, wann das Smartphone mal weggelegt werden sollte. Wann ist es okay, in Gesellschaft auch mal kurz aufs Handy zu schauen?, das ist die Frage, die wir uns stellen sollten.

Auch die Angst „etwas zu verpassen“, die angeblich die Ursache für die Sucht vieler Smartphone-Junkies ist, sollte eigentlich genau das Gegenteil bewirken: Habt Angst, euer Leben zu verpassen. Eure Freunde erzählen die besten Geschichten, wenn sie vor euch sitzen, nicht wenn sie auf Facebook irgendetwas liken. Die doppeldeutigen Witze von Bob und Elfriede verursachen Lachmuskelkater, wenn sie mit Muße und Einsatz präsentiert werden und schlagen dabei jedes MadeMyDay Meme, das euch vielleicht nur ein Schmunzeln entlockt.

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Klartext: Auch ich verfalle dem Smartphone von Zeit zu Zeit. Doch wenn ich in einem Raum voller geliebter Menschen sitze, nebenbei Whatsapp checke und plötzlich Gelächter ausbricht- das ist der Moment, in dem ich aufschaue und feststelle, dass ich etwas verpasst habe. Einen Moment, den ich nicht zurückholen kann, während das dusselige Katzenfoto von Tante Gertrude auch morgen noch da sein wird. Also lege ich das Smartphone weg und fange an zu leben.

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