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FKK: Dödel und Möpse bitte nur im Fernsehen

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Wenn ihr unsere Überschrift lest und euch denkt „Aha“ und nicht „Oh mein Gott“, dann seid ihr mit hoher Wahrscheinlichkeit in der DDR geboren oder zumindest von ehemaligen DDR Bürgern aufgezogen worden. FKK, also die Freie Körper Kultur, ist für euch nichts Aufregendes. Doch damit gehört ihr (und die Autorin dieses Textes) zur Minderheit. Für viele wirkt das freiwillige Entblößen in der Öffentlichkeit eher befremdlich (zumindest ohne den Einfluss von Alkohol).

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Eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, dass Nacktheit in deutschen Medien geradezu allgegenwärtig ist. Jüngst startete bei RTL II die Show „Naked Attraction“, bei der die Teilnehmer sich ihre Dates aussuchen, indem sie zunächst nur die nackten Körper der potentiellen Partner sehen. Auch das „Seite 1 Girl“ der BILDZeitung gehörte lange Zeit an die Kioske unseres Landes.

Und dabei hat der Freikörperkult nichts mit Sexualität an sich zu tun. Verruchtheit oder gar pornographisches Gedankengut sind ganz klar von der Kultur zu trennen. Es geht um die Nähe zur Natur, das Abschaffen von Scham und die Liebe zum eigenen Körper- theoretisch. Denn für DDR Bürger „gehörte es eben dazu“, da wurde gar nicht so viel nachgedacht. Die Ironie an der festen Verbindung von FKK und DDR ist, dass in der 50er Jahren, die Führung des Landes ganz und gar nicht mit dem Trend zur Kleiderlosigkeit einverstanden war. Doch alle Unterdrückungsversuche scheiterten und so erwuchs aus dem einstigen Dorn im Auge ein echtes Markenzeichen für den Osten.

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Bei uns in Warnemünde beginnt der FKK Strand am Hotel Stolteraa bis zum Dünenaufgang 23 und dann noch einmal ab Aufgang 26. Das Gegenteil von „FKK“ ist übrigens der „Textilstrand“. Und während die Nacktheit für Auswärtige oft unzugänglich ist, gefällt es umgekehrt einigen FKKlern überhaupt nicht, dass die FKK Strände von Textilträgern bevölkert werden.

Wer Inseln mit zwei Bergen oder unverpackte Grillwürstchen ungern im Blickfeld hat, der hat mehr als genug Strand übrig, um in Bikini oder Badehose Strand und Meer zu genießen. Allerdings bietet FKK die Möglichkeit, das Verhältnis zum eigenen Körper einmal zu überdenken. Auch die geradezu lächerliche Diskrepanz zwischen täglicher nackter Reizüberflutung in Internet und Fernsehen und der Scham im realen Leben wird einem viel schneller bewusst, wenn man hüllenlos badet und die Sonne tankt. Wovor genau haben wir Angst? Wir teilen unsere privatesten Gedanken über Facebook und verschicken Fotos über Snapchat ohne mit der Wimper zu zucken, doch beim Körper ist plötzlich Schluss?

Vorsicht ist geboten: Ihr könnte zwar keinen Ärger bekommen, wenn ihr mit Klamotten am FKK Strand seid, umgekehrt solltet ihr aber an den Textilstränden lieber auf das Freimachen verzichten, sonst droht ein Bußgeld. Also lieber die „FKK Karte“ nutzen und auf Nummer sicher gehen. Oder die „Ich will es versuchen, aber nicht so richtig“-Methode, bei der ihr eine Nacht am Strand verbringt und im Mondlicht „skinny dipping“ ausprobiert.

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Ob ihr nun alles von euch werft, mal bei Nacht mutig seid oder doch lieber angezogen bleibt, am Ende sollte eines klar sein: FKK ist nicht obszön oder problematisch. Wer in Rostock Urlaub macht oder hier studiert, der sollte seine Vorurteile und Aversionen gegen den menschlichen Körper vielleicht noch einmal überdenken. Unglaublich aber wahr: Hier wird niemand zur Nacktheit gezwungen, aber jeder hat die Möglichkeit es auszuprobieren.

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