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Warnemünde: Diese Postkarten stellen Frauen als Grillfleisch dar

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Manchmal wird dort von Schiffsleuten tonnenweise Schokolade für die Heimat eingekauft, manchmal kaufen Touristen Postkarten, um sie aus dem Warnemünde-Urlaub an die Heimgebliebenen zu schicken: Der Supermarkt mit dem gelb-blauen Logo am Kirchplatz in Warnemünde ist beliebt und im Sommer immer voll, denn er hat auch Sonntags geöffnet.

Auch Sonntags können also Heinrich und Elfriede Postkarten für ihre Kinder und Enkel im besagten Supermarkt kaufen. Sie haben eine große Auswahl: Zwei Ständer sind voll davon. Heinrich und Elfriede können wählen zwischen idyllischen Ostseebildern und Titten.

Heinrich findet die Motive lustig. Die Postkarten sehen nicht nur aus wie aus seiner Jugend, sondern sie vertreten auch die Werte aus dieser Zeit. Elfriede verbietet Heinrich, diese obszönen Tittenbilder an die Enkel zu schicken, aber Heinrich kommt heimlich wieder, als er zur Kaffeezeit Kuchen besorgen soll, kauft eine Postkarte mit Titten und übergibt sie nach dem Urlaub Günter, seinem besten Freund. Heinrich geht übrigens selbstverständlich sonntags nicht nur zum Supermarkt, sondern auch zur Wahlurne und wählt die AfD.

Titten – genau das sind sie, die wohlgeformten und reizvollen weiblichen Körperteile, die aber im Kontext des Sexismus auf so grausige Art und Weise als Objekte zur Lustbefriedigung dargestellt werden, dass sie ihre Würde verlieren und von Busen oder Brüsten degradiert werden zu Titten. Und im Alltag nörgeln und nerven die Trägerinnen übrigens nur, deshalb schnallt man sie auch auf’s Autodach. Halbnackt, versteht sich.

Der „Designer“

Ekkeheart Gurlitt steht als Fotograf und Designer auf der Rückseite von allen Karten, auf denen nackte Haut zu sehen ist. Er ist 1948 in Freiburg geboren. Er bietet Postkarten in und mit Motiven aus Barcelona, Deutschland, Kuba und Formentera an. Er macht sich einen Spaß aus den sogenannten „Fun Cards“, die Thema dieses Beitrags sind. Das Angebot richtet sich nach der Nachfrage, also müssen wir uns leider eingestehen, dass es viele Heinrichs gibt, die dieses Produkt für gut halten und Geld dafür ausgeben. 80 Cent kostet eine Karte.

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„Ansichtskarten sind Ansichtssache…!“, lacht die Karikatur des Designers frech. Ja: Blickwinkel, Perspektiven gibt es viele an der Ostsee. Geschmack gibt es auch verschiedenen. Aber Frauen als Sexobjekte zu degradieren ist nur aus einer Sicht schön, und zwar aus der von Heinrich. Weil Heinrich es nicht anders kennt. Und nicht darüber nachdenkt. Heute kennen wir es anders – und wir fragen uns, warum dieser sonst so fortschrittliche Supermarkt so etwas verkauft.

Liebe Heinrichs: Kauft eurer Elfriede für die 80 Cent ein Stück Kuchen mehr und stellt die Karten zurück auf den Ständer (Ekkeheart Gurlitt lacht: „Ständer!“).

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„Weil ich kann ja schließlich nicht Satzbau…!“

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